Janine Ambeck hat in Düsseldorf eine Wohnung gefunden

Menschen in Düsseldorf : Zurück im Glück

Janine Ambeck hat nach mehreren Monaten endlich eine Wohnung gefunden – die Chronologie einer Odyssee.

Janine Ambeck hat eine Wohnung gefunden – endlich. Sie wohnt jetzt an der viel befahrenen Ludenberger Straße, nur zwei Zimmer mit Kochnische und kleinem Bad stehen ihr zur Verfügung, 40 Quadratmeter, trotzdem fühlt sie sich ganz wohl. Die neu gekauften Möbel verleihen den vier Wänden etwas Warmes, Janine Ambeck stottert sie ab, „das war es mir wert, ich wollte etwas Eigenes“, sagt sie. Die notwendigen Handwerkerarbeiten in dem ehemaligen Ladenlokal hat sie größtenteils selbst erledigt. „Das war eine wirklich gute Erfahrung, ich hatte vorher noch nie einen Bohrer in der Hand.“ Nur beim Anbringen der Lampen hat ihr jemand geholfen, „ich habe doch Höhenangst“.

Das ist leider nicht die einzige Einschränkung, mit der Janine Ambeck leben muss. Sie leidet seit ihrem 15. Lebensjahr unter Agoraphobie, einer Angststörung, die bei offenen Plätzen oder Menschenmengen zu Panikattacken führen kann. Bei Janine Ambeck ist es so, dass sie sich nur in ihrem gewohnten Umfeld wohlfühlt. Das war bis zum vergangenen Jahr noch ihr Elternhaus in Gerresheim. Teilweise ist sie wegen der Krankheit gar nicht mehr vor die Tür gegangen.

Das wurde besser, als die Hunde kamen – die zehnjährige Dalmatiner-Hündin Negrita und Rhodesian Ridgeback Akeem, sechs Jahre alt. Mit denen geht sie viel spazieren, im Grafenberger Wald oder im Ostpark, beides ist für die 34-Jährige jetzt um die Ecke. Auch das Haus der Eltern ist nur einen Kilometer entfernt, „das war mir wichtig“.

Die gelernte Bürokauffrau ist arbeitslos, seit längerem schon, das hat natürlich mit der Agoraphobie zu tun. Aufgrund dieser Faktoren – Krankheit, keine Arbeit, zwei Hunde – war natürlich klar, dass Janine Ambeck nicht so gute Karten bei der Wohnungssuche haben würde. Dass sich der Wunsch nach Selbstständigkeit aber derart schwierig gestalten würde, damit hat sie dann doch nicht gerechnet. Hausverwaltungen, Wohnungsbaugenossenschaften und Vermieter hat sie angeschrieben, bei 14 Briefen kamen nur zwei allgemein gehaltene Antworten. Flyer hat sie verteilt, auch den Rochusclub um Hilfe gebeten, „da hat mich immerhin ein netter Brief erreicht“. Gebracht hat es aber auch nichts.

Schlimm war die Erfahrung mit einem potenziellen Vermieter, mit dem sie über Facebook und später auch WhatsApp in Kontakt stand, der ihr letztlich aber nur nachstellen wollte. Ganz nach seinem Geschmack sei sie, hat er geschrieben. Die Fotos von der Wohnung, so stellte sich später heraus, waren von einer Immobilienseite im Internet aus Stuttgart, „das ist doch versuchter Betrug“, erregt sich Janine Ambeck, die den Mann anzeigte. Das Verfahren wurde eingestellt. Als sie sich in ihrer Verzweiflung an das Frühstücksfernsehen eines Privatsenders wandte, kamen viele aufmunternde, aber auch nicht wenige negative Kommentare: Das seien Frauen doch selbst schuld, hieß es zum Beispiel. „Das alles geht natürlich an die Substanz“, blickt die 34-Jährige zurück.

Jetzt hat sie also doch eine Wohnung gefunden. Es war pures Glück, über Nett-Werk Düsseldorf erfuhr sie, dass für die Zwei-Zimmer-Wohnung an der Ludenberger Straße ein Nachmieter gesucht wurde. „Es gab mehrere Bewerber. Ich bekam offenbar den Zuschlag, weil ich als einzige das Formular ordentlich ausgefüllt hatte“, berichtet Janine Ambeck, die sich inzwischen ganz gut eingelebt hat. „Es gibt gute, es gibt schlechte Tage bei mir, aber ich versuche immer, positiv zu denken, gehe viel mit den Hunden raus“, sagt sie. Dalmatiner Negrita fühlt sich eigentlich auch ganz heimisch in der neuen Wohnung, Rhodesian Ridgeback Akeem nicht so. „Es ist ihm zu eng, außerdem ist noch eine Kita im Haus, das ist ihm oft zu laut. Er ist halt sehr sensibel“, sagt Janine Ambeck. Akeem ist daher meistens bei den Eltern. Aber auch das wird Janine Ambeck nicht umwerfen. „Ich merke, wie ich langsam selbstsicherer werde“, sagt sie. Glücklich sein würde sie das noch nicht nennen, das sei ein weiter Weg. So weit wie der Weg zur eigenen Wohnung vielleicht. Und das hat ja dann irgendwann auch geklappt.

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