Düsseldorf: Irritation um Leitsysteme für Sehbehinderte

Düsseldorf: Irritation um Leitsysteme für Sehbehinderte

Die CDU will eine Kampagne starten. Das möchten andere auch. Trotzdem gab es gestern Streit.

Der Vorschlag der Christdemokraten, die Situation der 4000 Düsseldorfer mit einer Sehbehinderung zu verbessern, hat im Sozialausschuss zu einem heftigen Schlagabtausch geführt. Stein des Anstoßes war der von der CDU genannte Arbeitstitel für die geplante Kampagne: "Augen auf: Weg frei für Blinde!" Helga Hermanns vom Beirat für Menschen mit Behinderung vermisste den Zusatz "Menschen". Schließlich gehe es nicht um blinde Hunde oder Kühe. "Das ist nicht gut, das tut mir weh", sagte sie. CDU-Ratsfrau Dagmar von Dahlen, die den Antrag für ihre Fraktion begründet hatte, entschuldigte sich "in aller Form für diese Taktlosigkeit". Und noch etwas kritisierte Hermanns: Weder der Blinden- und Sehbehindertenverein noch der Behindertenbeirat seien von den Politikern des Sozialausschusses in die Formulierung des Antrags einbezogen worden.

Mit der Kampagne im Vorfeld des Tages des Weißen Stocks am 15. Oktober will die CDU erreichen, dass so genannte taktile Leitsysteme, also Markierungen, die stark Sehbehinderten die Fortbewegung in der Stadt überhaupt erst ermöglichen, nicht mehr von Autos, Rädern, Tischen und Stühlen verstellt werden. So soll der Ordnungsdienst Anhänger mit dem Kampagnen-Logo und dem Hinweis auf eine Internetseite an diesen Hindernissen befestigen.

Den Vertretern der Ampel-Kooperation aus SPD, Grünen und FDP gingen diese Details zum jetzigen Zeitpunkt zu weit. "Grundsätzlich begrüßen wir eine Info-Kampagne. Aber zunächst einmal soll die Verwaltung eigene Ideen entwickeln und vorstellen sowie einen konkreten Kostenrahmen benennen", sagte FDP-Ratsfrau Christine Rachner. Ähnlich sah das Angela Hebeler von den Grünen. "Es soll rasch auf den Weg gebracht werden, aber wir hätten es gerne bezahlbar", sagte sie. Außerdem erinnerte sie daran, dass der Behindertenbeirat durchaus eigene Initiativen einbringen und Anträge stellen könnte.

Die Verwaltung soll nun zeitnah ein Konzept für eine Kampagne im Herbst erarbeiten. Das beschloss der Ausschuss einstimmig - nach einer gegen Ende doch noch etwas versöhnlicheren Debatte.

(jj)