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Finanz- und Wirtschaftskrise: Insolvenzanwälte: Jede Menge Arbeit

Finanz- und Wirtschaftskrise : Insolvenzanwälte: Jede Menge Arbeit

Düsseldorf ist eine Hochburg für Kanzleien mit Insolvenzverwaltern. Dort rechnen die Anwälte mit einer Pleitewelle, wenn in den nächsten Monaten die Zahl der Insolvenzen dramatisch steigt. Schon jetzt suchen sie händeringend Personal: Juristen, Kaufleute, Sekretärinnen.

Wenn's der Wirtschaft schlecht geht, haben sie alle Hände voll zu tun. Jetzt, inmitten der Finanz- und Wirtschaftskrise, geht die Gleichung auf: Düsseldorf ist deutschlandweit eine Hochburg der Kanzleien mit Insolvenzverwaltern, und die Anwälte dort bearbeiten republikweit immer mehr Fälle. "Wir rechnen in den nächsten Wochen und Monaten mit einem dramatischen Anstieg von Insolvenzverfahren", sagt Christian Krause von der Düsseldorfer Kanzlei Brinkmann & Partner. Es herrsche die "Ruhe vor dem Sturm".

Stefan Coners weiß das zu belegen. In den Jahren 2005 bis 2008 schwankte die Zahl der eröffneten Insolvenzverfahren am Amtsgericht Düsseldorf zwischen 1763 und 1550. "Auch im ersten Quartal diesen Jahres bleibt die Zahl mit 447 noch im normalen Bereich", sagt der Richter. Doch auch er spürt die schlechter werdende Lage der Unternehmen und kann sich einen Anstieg vorstellen. Sollten die Zahlen der Verfahren rapide nach oben schnellen, würde die Gerichtsbarkeit daraus ihre Konsequenzen ziehen. Das hieße, mehr Personal aus anderen Bereichen in diesen umzuschichten.

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"Das Konjunkturpaket der Bundesregierung verschiebt den großen Knall noch ein wenig", sagt Christian Krause, doch langfristig gerieten bei der wirtschaftlichen Gesamtlage mehr und mehr Unternehmen in Schieflage. Vor allem die Unternehmen, die immer schon an der Grenze lavierten, bekämen "jetzt den Todesstoß". "Düsseldorf merke es noch nicht so sehr, weil der Handels- und Dienstleistungssektor hier sehr gut aufgestellt ist", sagt der Düsseldorfer Wirtschaftsanwalt und Spezialist für Firmenkrisen, Wolfgang van Betteray. "Düsseldorf ist noch eine Insel der Seligen."

Seine Betonung liegt aber auf "noch", denn der Mittelstand sei in der derzeitigen Lage immer mehr von den Kreditfinanzierungen abgeschnitten. Sein Fazit: Zum stillen Sterben der Firmen komme bald der starke Anstieg der Insolvenzen.

Der Verband Insolvenzverwalter Deutschlands (VID) hält die Zahl der von Experten geschätzten 35 000 Insolvenzen in diesem Jahr für viel zu niedrig. Es werde "dramatische Anstiege geben", sagt VID-Sprecher Christoph Möller. Die bisherige Spitzenmarke von deutschlandweit 40 000 Insolvenzen werde wohl leider geknackt werden. Auch Düsseldorf steht vor einem Jahr mit Rekordinsolvenzen, schätzen Experten. "Im Herbst wird es deutlich nach oben gehen", sagt Norbert Weber von der Kanzlei Runkel Schneider Weber. Viele Firmen mit Kurzarbeit — in Düsseldorf über 200 Firmen mit rund 14 000 Mitarbeitern — müssten dann über Insolvenz nachdenken. Außerdem die kapitalschwachen Unternehmen, die dann kapitulieren dürften, sagt Weber. Vor allem Speditionen könnten stark betroffen sein, schätzt Frank Kebekus von der Kanzlei Kebekus & Zimmermann.

Viel Arbeit kommt auf die Insolvenzverwalter zu. Viele bereiten sich darauf bereits vor — mit Einstellungen. Norbert Weber sucht dringend Personal, "vor allem gute Leute. Viele Kanzleien suchen auf dem Markt händeringend Personal". Dirk Andres von der Sozietät Andres Schneider hat bereits Anfang des Jahres vier kaufmännische Mitarbeiter eingestellt, zudem sucht er noch zwei, drei weitere Anwälte. Denn er weiß: "Insolvenzverwalter brauchen ein Drittel Jura, ein Drittel Betriebswirtschaft und ein Drittel Psychologie."

(RP)