1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf

Initiative in Düsseldorf hilft Flüchtlingen kostenlos, Deutsch zu lernen

Das Hispi in Stadtmitte : Wie eine Düsseldorfer Initiative Flüchtlingen Deutsch beibringt

Im Hispi (Hilfe bei der sprachlichen Integration) in Düsseldorf versuchen Ehrenamtler, Flüchtlingen Deutsch auf unkonventionelle Weise beizubringen. Auch andere Ausländer, die sich einen Sprachkurs nicht leisten können, werden aufgenommen.

Karin Jungjohann war mal Künstleragentin. Das klingt nach einem aufregenden Leben. Heute bringt sie Flüchtlingen Deutsch bei. Das mutet weit weniger glamourös an, ist manchmal auch frustrierend, „missen möchte ich diese Aufgabe aber nicht mehr“, sagt sie.

2015 initiierte sie zusammen mit Barbara Gladysch das Projekt „Hilfe bei der sprachlichen Integration“, kurz Hispi. „Diese Menschen kommen hierher, haben keinen Plan, nur eine Vision, dass es ihnen in Deutschland besser ergehen wird. Aber ohne Deutsch geht gar nichts“, erklärt Jungjohann die Idee.

Der Funke sprang auf 400 Ehrenamtler über, die ebenfalls mithelfen wollten. Keineswegs nur pensionierte Pädagogen, denn im Hispi wird nicht nach Lehrplan gelernt. „Es gibt bei uns keinen Druck, alles ist freiwillig, die persönliche Komponente ist dafür sehr wichtig. Und wir helfen auch in anderen Bereichen: Beratung im Asylverfahren, Unterstützung im Umgang mit Behörden, Tipps bei der Wohnungssuche, Berufs-Coaching, und es gibt Fahrradkurse oder Kunstgruppen“, zählt Linda Schramm auf.

Im vergangenen Jahr hat die Hispi mit einer Etage in einem Stiftungshaus an der Graf-Adolf-Straße 22 nach vielen Provisorien auf 340 Quadratmetern endlich einen festen Standort gefunden. 2018 wurde Hispi auch zu einem Geschäftsbereich der gemeinnützigen Sophia-Akademie, dadurch konnte die ehemalige Bürgerinitiative Zuwendungen und Förderungen erhalten. Und sich mit Jungjohann und Schramm zwei feste Honorarkräfte leisten.

Seit der Flüchtlingsstrom nach Deutschland zurückgegangen ist, ist auch die Zahl der Ehrenamtler bei der Hispi auf rund 60 Aktive gesunken. „Die Arbeit ist aber nicht weniger geworden, im Gegenteil“, sagt Jungjohann. Täglich gibt es elf kostenlose zweistündige Sprachkurse auf vier unterschiedlichen Sprachniveaus (inklusive Alphabetisierung) plus Nachhilfe für Schüler.

Rund 40 Nationalitäten dürften dabei vertreten sein, die meisten können nicht einmal Englisch, „da fängt man absolut bei null an“, sagt Schramm. Die Hispi will sich in ihrer Arbeit auch nicht ausschließlich auf Flüchtlinge beschränken. „Wir haben eine Amerikanerin angenommen, die mit einem Deutschen liiert ist, beide haben aber kein Geld. Ohne Deutsch würde sie hier nie einen Job finden“, nennt Jungjohann ein Beispiel.

Gut 300 Personen sind bei der Hispi registriert. „Ob wir jemanden annehmen, entscheiden wir aus dem Bauch heraus, abgelehnt werden aber nur wenige“, erklärt Schramm. Zwar ist die Teilnahme freiwillig, „wenn einer aber sehr unregelmäßig kommt, geben wir den Platz einem anderen, der womöglich darauf wartet“, sagt Jungjohann. Wer weiterziehen und lieber einen „Profi-Kurs“ belegen möchte, dem werden keine Steine in den Weg gelegt. „Wir verstehen uns ohnehin als Netzwerk, pflegen enge Kontakte zu anderen Wohlfahrtsverbänden“, betont Jungjohann.

Bei der Hispi werden keine Tests geschrieben, „wir machen aber nicht nur Larifari, haben schon den Anspruch, Lernwillige auf B1-Niveau zu hieven“, so Schramm. Für die Ehrenamtler ist die Initiative allein schon deswegen so attraktiv, „weil sie nie alleine sind, hier immer eine Ansprache haben, das ist bei anderen Flüchtlings-Projekten nicht unbedingt immer so“, erzählt Schramm. Darunter sind Syrer oder Iraner, die vor noch gar nicht so langer Zeit selbst mit nichts nach Deutschland kamen.

Bezirksbürgermeisterin Marina Spillner hat sich jetzt ein Bild von der Arbeit der Hispi gemacht. Und sie war beeindruckt: „Die Lehrer sind sehr zugewandt und engagiert. Es wird viel gelobt, die Schüler werden nicht einfach mit ,Falsch!’ abgekanzelt. Stattdessen wird das schwierige Wort so oft wiederholt, bis der Schüler es selbst aussprechen kann.“

Spillner versprach auch, sich in der Bezirksvertretung für eine finanzielle Zuwendung für den Ankauf von Jalousien einzusetzen. „Das ist im Sommer die Hölle“, berichtet Karin Jungjohann.