Düsseldorf: Initiative belebt das Friedensplätzchen

Düsseldorf: Initiative belebt das Friedensplätzchen

Ende der 90er-Jahre war das Friedensplätzchen kein schöner Ort. Eine Initiative hat das mit Festen und einem Markt geändert. Das ist der Verdienst von Menschen wie Volker Wirths. Seit 18 Jahren engagiert er sich in einer Bürgerinitiative.

Es gibt da diese Liste zum alljährlichen Sommerfest auf dem Friedensplätzchen in Unterbilk. Vier Seiten lang, zwei Spalten mit "was" und "wer" und gefühlten 50 Zeilen darunter. Unter "was" sammeln sich alle organisatorischen Dinge, die vor und nach einem Sommerfest so anfallen. Unter "wer" steht fast überall nur ein Name: Volker. Seit 18 Jahren engagiert sich Volker Wirths als Mitbegründer in der Anwohnerinitiative Friedensplätzchen - ein positives Beispiel für gelebte Nachbarschaft in Düsseldorf. Das Geheimrezept, das die Gruppe seit vielen Jahren zusammenhält? "Volkers Liste und unsere Spontanität", sagen Roswitha Heimlich und Gudrun Beinke, die ebenfalls seit Anfang an dabei sind und ihren tüchtigsten Mitstreiter am besten kennen. Denn jeden Mittwoch sitzen sie mit Volker Wirths im Cafe Modigliani bei der Vereinssitzung zusammen. Viel zu organisieren gebe es aber nicht mehr - die Planung der Veranstaltungen gehe mittlerweile routiniert von der Hand. Vor allem auch, weil auf Wirths "ruhige Autorität" absolut Verlass sei.

1997, als der Grundstein für die Bürgerinitiative gelegt wurde, machte das Friedensplätzchen seinem Name keine Ehre. Als "abgrundtief hässlich" beschreibt Heimlich den Platz, der aus einem kümmerlichen Sandkasten und ein paar lieblosen Pflanzenkübeln bestand. Das dringendste Problem war vor allem die fehlende Sauberkeit: Hundekot, Nägel, Scherben und auch Spritzen machten aus dem Platz einen Ort, "wo man nicht im Entferntesten mit seinen Kindern hingehen würde", so Heimlich. Gemeinsam mit Iris Krause suchte sie per Aushang nach Gleichgesinnten in der Umgebung, die den Zustand des Platzes ebenfalls nicht länger hinnehmen wollten. Volker Wirths und andere folgten dem Aufruf. Mit viel Durchhaltevermögen und Engagement schaffte es die Gruppe, die mittlerweile etwa 25 Helfer um sich geschart hat, den Platz in das zu verwandeln, was er heute ist. Die Parkplätze vor dem Cafe Modigliani und der Sandkasten verschwanden ebenso wie die Blumenkübel.

Heute setzt man sich gerne auf den Platz, der dank der umzäunten Bäume keine Hundetoilette mehr ist. Die offene Gestaltung wirkt ebenfalls der Verschmutzung entgegen - die vielen Veranstaltungen tun ihr Übriges (auch finanziell) für die Instandhaltung des Platzes dazu: Es gibt einen wöchentlichen Bauernmarkt, das Sommerfest, den Nachbarschaftströdel und das Nikolausfest. "Alle spazieren über den Platz und freuen sich, die Nachbarn zu sehen", so Heimlich.

Auch mit spontanen Einfällen locken die Ehrenamtler ihre Nachbarn immer wieder aus dem Haus, wie bei der WM 2014 mit einem Public Viewing. Aus anfangs flüchtigen Bekannten aus der Nachbarschaft wurden Freunde. Auch deshalb geht es bei den wöchentlichen Treffen schon längst nicht mehr nur um Organisatorisches. Und vielleicht ist es auch genau diese Leichtigkeit, die einen beständigen Zusammenhalt überhaupt ermöglicht - besonders in Zeiten der Gentrifizierung und Anonymität in der Großstadt.

Für gute Stimmung sorgt auch mal ein Killepitsch zwischendurch, aber vor allem Volker Wirths. Seit 25 Jahren wohnt er in Unterbilk und hat das Friedensplätzchen von seinen Wohnzimmerfenster genau im Blick - und erledigt auch Dinge außerhalb der Liste. Müll aufsammeln oder das Häuschen anstreichen, das der Initiative als Lagerraum dient. Ans Aufhören denkt der 70-Jährige noch nicht: "Fünf Jahre gebe ich mir noch." Aber es wird schon gerätselt, wer der neue Listenführer am Friedensplätzchen wird.

(RP)
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