Verrückte Kunstaktion: In Oberbilk wachsen Gitarren an Bäumen

Verrückte Kunstaktion: In Oberbilk wachsen Gitarren an Bäumen

In der Flügelstraße in Oberbilk trauen Spaziergänger zur Zeit ihren Augen nicht. Wie Alice im Wunderland mag sich mancher vorkommen, denn an jedem Baum der kleinen Straße hängen gleich mehrere Gitarren - ein surreales Bild.

Ökkes Yildirim, freier Künstler und der Betreiber des kleinen Büdchens an der Ecke Flügel-/Linienstraße, hat sie am 21. März dort aufgehängt. Nun sitzt er auf der kleinen Bank vor seinem Laden und schaut. Wenn die Menschen stehenbleiben, sich wundern und lächeln, freut auch er sich. Dann hat seine Kunstaktion ihren Sinn erfüllt.

Jeder der 16 Bäume trägt 13 Gitarren. "Eine für jeden Apostel und einen für Jesus Christus. Damit möchte ich ein Zeichen setzen und zwei Kulturen miteinander verbinden. Der 21. März ist unser Neujahrsfest. Gleichzeitig beginnt auch der Frühling," erklärt der gebürtige Kurde. Das kurdische Neujahrsfest Newroz wird mit "neuer Tag" übersetzt. Es ist der Beginn eines neuen Jahres, wenn der Winter vorbei ist und der Frühling kommt.

200 akustische Gitarren

Die Idee zu den Gitarrenbäumen hatte Yildirim ganz spontan, als ein Bekannter nicht aufhören wollte, grässlich auf einer Gitarre herumzuklimpern. "Nun stell sie endlich weg, habe ich da gesagt", erzählt der 33-Jährige. In den Bäumen hängen nun ausschließlich akustische Gitarren, mehr als 200 Stück. "Die haben eine schöne weibliche Form", schmunzelt der Künstler.

Seine Aktion sei frei von jedem ideologischen Hintergrund, erklärt der Yildirim. Sie soll die Menschen inspirieren und zum Nachdenken anregen. Und er wolle seinen Stadtteil Oberbilk positiv darstellen. Als Oberbilker Antwort auf das "blaue Band am Rhein" soll die Installation die Lebensqualität im Stadtteil erhöhen.

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Die Menschen überraschen

Bis Ökkes Yildirim die erforderliche Genehmigung hatte und seine Gitarren aufhängen durfte, musste er einen langen Weg zurücklegen und viel Zeit und Geld in das Projekt investieren. "Ich will die Menschen überraschen, zum Staunen bringen." Privat sei das Projekt und keinesfalls eine Werbeveranstaltung, wie das Gartenamt zunächst annahm. "Zuerst wollten sie mir deshalb keine Genehmigung geben," berichtet er. "Doch Gitarren haben schließlich nichts mit meinem Verkauf zu tun, das mussten auch sie irgendwann einsehen." Dann habe man ihn ans Kulturamt verwiesen.

Mit der Genehmigung in der Tasche mietete er eine Hebebühne, um die Gitarren in die Bäume zu hängen. Einen ganzen Tag hat das gedauert. Eine Auflage war eine Versicherung, falls jemandem eine Gitarre auf den Kopf fallen sollte. Mittlerweile hat sich die verrückte Kunstaktion herumgesprochen. Jessica Ridders ist extra hergefahren, um sich die Gitarren anzusehen. Eine Freundin hatte ihr davon erzählt. Auch Nachbarin Margarete Gawenda freut sich über das ungewöhnliche Bild. "Ich habe die Gitarren am Montag entdeckt. Das ist eine schöne Welt, eine Gitarre im Boden, die anderen auf Bäumen", schwärmt sie.

Vögel nisten in den Gitarren

Nun ist der Keller, in dem Yildirim die rund 200 Gitarren über Monate gesammelt und gelagert hat, endlich wieder frei. "Die Gitarren werden noch einige Zeit hängen, im Moment nisten sogar manche Vögel darin", sagt Yildirim. Insgesamt bleiben die seltsamen Früchte 13 Tage, bis Anfang April, an den Bäumen, dann möchte Yildirim sie verkaufen und den Erlös einem Kindergarten spenden.

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