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In Düsseldorf wir ein Modell gegen das Schuleschwänzen ausgebaut

Modellprojekt wird ausgebaut : Zahl der Schulverweigerer in Düsseldorf steigt

Das bundesweit beachtete Rather Modell hilft Kindern und Jugendlichen in Düsseldorf, die nicht mehr regelmäßig am Unterricht teilnehmen. Jetzt wird es erweitert.

Die Stadt baut die Betreuung von Jungen und Mädchen, die regelmäßig die Schule schwänzen, weiter aus. „Wir setzen auf eine lückenlose Präventionskette und wollen alle Kräfte bündeln“, sagte Jugendamtsleiter Johannes Horn am Dienstag im Jugendhilfeausschuss. Im Zentrum der Initiative steht auch künftig das Mitte der 1990er Jahre eingeführte Rather Modell.

Das betreut an inzwischen vier Standorten im Stadtgebiet rund 100 Teilnehmer verschiedener Altersgruppen, die unter anderem aus Angst vor Mobbing, schlechten Noten oder vor einem Tag ohne Eltern einfach nicht in die Schule kommen oder dem Unterricht einfach nicht mehr folgen wollen. Ergänzt werden die Gruppen an den festen Standorten durch eine aufsuchende Arbeit, bei der Pädagogen und Sozialarbeiter vor Ort in den Schulen mit Betroffenen arbeiten.

Peter Zerfaß, Leiter einer Förderschule und Vorsitzender des Vereins Rather Modell, erläuterte den Jugendpolitikern die wichtigsten Entwicklungslinien seiner auch bundesweit beachteten Arbeit. „Ja, die Zahlen sind gestiegen. Vor 25 Jahren sprach keiner über Grundschüler, die nicht zum Unterricht kommen, inzwischen haben 30 von 90 Düsseldorfer Grundschülern Beratungsbedarf angemeldet“, erläuterte Zerfaß.

Inzwischen wird die Gruppe der Sechs- bis Zehnjährigen von einem eigenen Standort aus betreut. Seit wenigen Wochen ist das Modell komplett. „Wir haben die Alterslücke nach der Grundschule geschlossen und betreuen ab sofort erstmals auch Elf- bis 13-Jährige“, so Zerfaß. Wie viele Düsseldorfer Kinder und Jugendliche regelmäßig die Schule schwänzen, kann nur geschätzt werden.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass rund fünf Prozent aller Schüler regelmäßig dem Unterricht fern bleiben. „In Düsseldorf liefe das auf etwa 2500 Jungen und Mädchen hinaus“, sagt Zerfaß. Deutlich geringer ist das, was beim Rather Modell konkret ankommt. Zuletzt hatte es dort 192 Beratungsanfragen gegeben.

Viel Lob für das besondere Düsseldorfer Projekt gab es im Ausschuss von den Politikern. Horn will nun das Modell unter dem Motto „Kein Kind bei der Bildung zurücklassen“ stärken. „Wir wollen unter anderem präziser erfassen, wie hoch die Gesamtheit aller Schulverweigerer ist“, sagte er. Dazu gehöre, Pädagogen und Schulsozialarbeiter so zu schulen, dass sie die Warnsignale noch früher erkennen. Die weitere Entwicklung werde im Kinder- und Jugendförderplan dokumentiert.