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In Düsseldorf soll die Coronakrise nicht zur sozialen Krise werden

Hilfe für Bedürftige : Düsseldorfer Caritas kauft iPhones fürs Seniorenheim

Wohlfahrtsverbände, Seniorenrat und Sozialamt tun alles, damit Schwächere und Hilfsbedürftige in der Coronakrise weiter klar kommen. Neben praktischen Hilfen geht es vor allem auch um Kontakte zu den Angehörigen.

„Die Coronakrise führt auch zu einer nicht zu unterschätzenden sozialen Krise. Wir tun alles dafür, diese abzumildern – soweit es unter diesen besonderen Umständen geht“, sagt Diakoniepfarrer Thorsten Nolting. Tatsächlich stehen die Düsseldorfer Wohlfahrtsverbände vor enormen Herausforderungen. Unterstützt werden sie unter anderem vom Sozialamt und dem Seniorenrat. Ein Überblick.

Beratung/Kontakte „Wir versuchen, wo immer es geht, den persönlichen Kontakt aufrecht zu erhalten, aber gleichzeitig den physischen Kontakt auf ein Minimum zu reduzieren“, sagt Nolting. So habe man beispielsweise die Fachberatung für Wohnungslose, die Beratungsstellen für Ehe-, Erziehungs- und Lebensfragen, die Fachberatung für Familien mit Gewalterfahrung, die Zentren plus oder die „Welcome Points“ für Zuwanderer weitgehend auf telefonische Beratung umgestellt.

Entscheidend sei, dass diese Angebote erreichbar blieben. Ganz ähnlich handhaben es auch andere Verbände. „Unsere Erziehungsberatung hilft – jenseits der aktuten Fälle – jetzt auch gestressten Eltern und macht am Telefon Beschäftigungsvorschläge für Kinder, denen zu Hause die Decke auf den Kopf fällt“, sagt Caritas-Sprecherin Stephanie Agethen.

Damit die Bewohner in den Heimen, in denen ein striktes Besuchsverbot gilt, nicht vereinsamen, hat der Verband zusätzliche iPhones eingekauft. „Die Bewohner sollen mit ihren Angehörigen weiter intensiv kommunizieren. Mitarbeiter unserer sozialen Dienste unterstützen die Senioren und gestalten beispielsweise eine Art Tagebuch mit Bildern und kurzen Texten, in dem der Alltag dokumentiert wird“, sagt Agethen.

Dasselbe Ziel verfolgt eine Aktion des Seniorenrats, die von Ulrike Schneider und Thomas Fellmerk koordiniert wird. „Wen immer wir treffen, bitten wir um ältere iPads. Die Geräte sammeln wir, damit Ältere, die in einer Einrichtung leben, den Kontakt zur Außenwelt halten können“, sagt Schneider. Zu Ostern wurden die ersten Geräte an das Stammhaus der Diakonie in Kaiserswerth übergeben.

Neuer Freiwilligen-Pool Die Stadt bietet Menschen, die Ältere und Bedürftige tatkräftig unterstützen wollen, eine neue virtuelle Anlaufstelle an. „Bislang liefen zahlreiche Hilfsangebote bei unserer Versorgungshotline 899-89999 auf, das wollten wir ändern“, sagt Sozialamtsleiter Roland Buschhausen. Denn die städtische Nummer soll jenen vorbehalten bleiben, die tatsächlich Hilfe beim Einkauf, beim Arztbesuch oder bei anderen Herausforderungen des Alltags benötigten.

Privatleute, die anderen Menschen gerne unter die Arme greifen wollen, sollten sich dagegen per Mail an folgende neue Adresse wenden: HilfsangeboteEhrenamt@duesseldorf.de. Schneider, die Vorsitzende des Seniorenrats ist, lobt die Einrichtung des vom Sozialamt koordinierten Hilfe-Pools. Von der Welle der Hilfsbereitschaft in Düsseldorf ist sie begeistert. „Kirchengemeinden, Schützen- und Karnevalsvereine, viele Initiativen anderer Vereine, von Stiftungen und von einzelnen Bürgern zeigen, dass Solidarität in dieser außergewöhnlichen Krise keine leere Worthülse ist.“

Projekte Die wegen des Coronavirus stark eingeschränkten persönlichen Kontakte schaffen bei den hauptamtlichen Mitarbeitern der Sozialverbände freie Kapazitäten. Im Einsatz sind die meisten trotzdem. „Ein Teil derer, die in einem der 32 Zentren plus arbeiten, sorgt jetzt unter anderem dafür, dass Helfer und Bedürftige tatsächlich zueinander finden“, meint Buschhausen und nennt ein Beispiel.

So habe eine polnische Haushaltshilfe, die eine Seniorin und ihren schwerbehinderten Sohn unterstützt, eigentlich nach drei Monaten ausreisen müssen. „Sie selbst hätte in Quarantäne gemusst und eine Nachfolgerin gab es auch nicht“, sagt der Amtsleiter. Einer der Mitarbeiter habe sich hinter das Thema geklemmt, jetzt dürfe die Frau bleiben.

Besondere Intitiative zeigen derzeit auch die Mitarbeiter des Caritas-Sozialkaufhauses „Wertvoll“ an der Völklinger Straße. Sie nähen nach den Empfehlungen der Essener Feuerwehr Mundschutz-Masken aus Baumwolle, die bei 95 Grad in der Maschine gewaschen werden können. „Für unsere Pfleger haben wir ausreichend Profi-Masken, aber wir wollten trotzdem für Menschen, die sich dadurch sicherer fühlen, eine Alternative anbieten“, sagt Agethen.

Verteilt werden die begehrten Stücke beispielsweise über die Zentren plus sowie in Alteneinrichtungen. Auch Kinderheime werden bedacht. „Deswegen gibt es einige Stücke aus besonders bunten Stoffen“, sagt Christian Ellmann, der das „Wertvoll“ leitet.

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