In Düsseldorf programmieren Grundschüler den Mini-Roboter Ozobot

Digitale Arbeitsgemeinschaften : Düsseldorfer Grundschüler programmieren Mini-Roboter

In drei Arbeitsgemeinschaften fördert die St. Bruno-Schule in Düsseldorf-Unterrath das digitale Lernen. Dabei geht es um neue Formen von Kreativität. Auch über Risiken im Internet wird gesprochen.

Konzentriert beugen sich Leo (9) und Lennart (9) über einen Plan. Die beiden Schüler der St. Bruno-Grundschule diskutieren angeregt, wo denn wohl die Schwachstelle ihres Liniennetzes liegen könnte. Denn „Ozobot“, ein kleiner Roboter von der Größe einer Zwei-Euro-Münze, ist schon wieder vom Weg abgekommen.

Fachwörter wie „kalibrieren“, „Farbcodes“ oder „Memory-Card“ schwirren durch den Klassenraum, in dem zehn weitere Schüler an fünf Ozobots arbeiten. „Diese Linie ist nicht gerade und dick genug“, vermutet Lennart und bessert sofort aus. Senna kann darüber nur schmunzeln. Denn die Farbcode-Linien, die sie auf dem Tablet gezeichnet hat, erfüllen ihren Zweck tadellos. Analoge Ungleichmäßigkeiten gibt es auf digitaler Ebene nun mal nicht.

Doch Lennart und Leo ist das egal. „Die Farbcodes selber zu malen, macht eh viel mehr Spaß“, sagt Leo. Und ihre Zeichnung schlägt genauso wirkungsvoll an. Zielstrebig fährt der kleine Roboter inzwischen durch das Linien-Labyrinth, wird dabei langsamer oder schneller und biegt an den Kreuzungen in die richtige Richtung ab.

Die Ozobot-AG, die sich an diesem Tag trifft, ist nur eine von drei Arbeitsgemeinschaften, die das digitale Lernen an der Unterrather St. Bruno-Grundschule seit Sommer fördern. Nebenan unterweist der gelernte Medientechniker Ari Mohammed Ali die Schülerinnen Niki und Christina in die Kunst des Filmemachens. Mit zwei iPads bewaffnet wollen die Schüler sogenannte „Stop-Motion-Filme“ drehen, die bei unbewegten Materialien die Illusion von Bewegung erzeugen.

Dabei muss jede Szene einzeln angeordnet und gedreht werden. Bevor Christina also den Auslöser für eine neue Szene drückt, fügt sie ihrem Cartoon neue Zeichentrick-Figuren hinzu. Währenddessen realisiert Niki ihr Filmprojekt lieber mit Knetfiguren.

Auch die Vertonung übernehmen die Drittklässlerinnen eigenhändig mit dem iPad, weshalb Medientechniker Ali nur noch beratend zur Seite stehen muss. „Es braucht viel Geduld, so einen Film zu produzieren“, lobt er. Dabei werde die Kreativität der Kinder enorm gefördert. Mit der Technik richtig umzugehen, lernen die meisten sowieso schnell.“

Das ist zum Teil auch Christian Claßen zu danken, der interessierte Schüler in einer iPad-AG im richtigen Umgang mit den Geräten schult. „Wir setzen uns hier mit den unterschiedlichsten Programmen auseinander und geben dabei einen Überblick über nützliche Apps und Möglichkeiten der Tablets. Aber auch, wo die Grenzen liegen sollten“, meint Claßen.

Vorige Woche stand das Thema „Gefahren des Internets“ auf dem Programm, um ein „kritisches Bewusstsein bei den Kindern zu schaffen“. Obwohl die Schüler alle zur Generation der „digital natives“ gehören, bemerkt der Lehrer unterschiedliche Wissensstände zur richtigen Handhabung der Geräte. „Manche bekommen das Tablet in die Hand und legen direkt los. Andere brauchen dafür noch richtig viel Hilfestellung.“

Derweil wenden sich die beiden Grundschüler in der Roboter-AG der nächsten Herausforderung zu. Den Ozobot mithilfe von farbigen Linien zu bewegen und zu manövrieren, ist nur eine der vielen Möglichkeiten, die der winzige Roboter bietet.

„Sein pädagogisches Potenzial geht über erste Erfahrungen im Programmieren hinaus“, sagt Schulleiterin Janette Mladenov-Flohr. Es schule nicht nur die Fähigkeit zur Antizipation, sondern fördere auch das eigenständige Denken. „Und am Ende weiß man, wie der Roboter am schnellsten von A nach B kommt.“

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