In Düsseldorf fehlen Lehrer in allen Schulformen

Auch Schulleiter fehlen : Nur jede zweite Lehrerstelle wird in Düsseldorf besetzt

An den Grundschulen konnten im August nur 86 von 175 freien Stellen besetzt werden. Probleme gibt es aber auch an anderen Schulformen. Seiteneinsteiger und befristet beschäftigte Aushilfen lindern den Notstand.

Lehrer sind Mangelware. Ohne Seiteneinsteiger und ohne befristete Verträge mit Nicht-Pädagogen wäre der Unterricht an manchen Standorten kaum noch zu gewährleisten. Besonders hart trifft es die Grund- und Förderschulen. Wie eng der Markt ist, zeigen Zahlen, die die Bezirksregierung für unsere Redaktion recherchiert hat. Danach konnten im August in den Grundschulen von den 175 seinerzeit ausgeschriebenen Stellen nur 86 besetzt werden. Das entspricht einer Besetzungsquote von 49 Prozent. Etwas besser ist die Situation an den Gymnasien. Dort wurden im Sommer 44 Pädagogen eingestellt, gesucht wurden 84. Die Quote lag bei 54 Prozent. Schlusslicht bilden die Haupt- und Förderschulen mit Besetzungsquoten von 37 bzw. 32 Prozent. Stadtweit lag dieser Wert im August bei 48 Prozent.

Ein weiteres Problem: Vor allem an Grundschulen dauert es, bis ein Leiter oder Konrektor gefunden wird. „Natürlich wird jede Schule geleitet, aber manchmal über längere Zeit eben auch kommissarisch“, meint Dagmar Wandt vom städtischen Schulverwaltungsamt. Zuständig für das Personal ist aber die Bezirksregierung. Deren Sprecherin Silke Schirmer stellt fest: „Aktuell ist die Leitungsstelle an zehn von 87 Düsseldorfer Grundschulen nicht oder noch nicht auf Dauer besetzt. Bei den Konrektoren sind es sogar 33 Stellen.“ Entlastung könnte der November bringen, in dem es eine Reihe Neueinstellungen geben wird. Holger Thrien, Grundschul-Lehrer im Düsseldorfer Norden und Mitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), warnt vor allzu großen Erwartungen. „Es gibt an unserem Standort eine Kandidatin, die sich an fünf weiteren Schulen beworben hat. Zu meiner Zeit gab es noch 30 Bewerbungen auf eine Stelle.“

Personell „auf Kante genäht“ sei das aktuelle Schuljahr, findet die GEW und benennt auch gleich die Ursachen. „Dass Grund-, Haupt- und Realschullehrer mit der Gehaltsgruppe A12 entlohnt werden und deshalb bis zu 500 Euro netto weniger verdienen als die Kollegen an anderen Schulformen, ist nicht mehr zeitgemäß und muss sich endlich ändern“, sagt Realschullehrerin Anne Rödel.

Ein weiteres Problem sind die fehlenden Studienplätze und der daraus resultierende Numerus Clausus. „Wir haben eine hoch motivierte und geeignete Praktikantin, die sehr gerne Grundschullehrerin werden möchte, aber vorerst am Notenschnitt scheitert – das sollte nicht so sein“, sagt Birgit Nösser, Leiterin der KGS an der Fuldaer Straße.

Dass die Stadt bis 2025 eine Milliarde Euro in den Schulbau investiert, begrüßen die Lehrer. „Das ist wirklich gut, aber im Alltag müssen wir auf eine Beamer-Reparatur trotzdem bis zu einem halben Jahr warten“, stellt Gymnasial-Lehrerin Hanna Tuszynski fest.

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