In der Sudetendeutschen Landsmannschaft Düsseldorf organisieren sich die Vertriebenen

Verein der Vertriebenen : Erinnerungen an das Sudetenland

In der Sudetendeutschen Landsmannschaft organisieren sich die Vertriebenen, veranstalten Vorträge und reisen in die alte Heimat.

Das Interesse war von Beginn an groß: 1700 Mitglieder umfasste die Kreisgruppe Düsseldorf der Sudetendeutschen Landsmannschaft bei ihrer Gründung 1952. Neben der gemeinsamen Herkunft waren und sind es bis heute die gesammelten Fluchterfahrungen, welche die Menschen im Verein verbindet. „Bei unserer Ankunft in Deutschland waren wir alleine in einem fremden Land“, erzählt Karin Fuhrmann, Vorsitzende der Kreisgruppe. Gemeinsam mit über drei Millionen anderen Menschen wurde ihre Familie nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aus dem damaligen Sudetenland, einem Grenzgebiet zwischen Deutschland und Tschechien, vertrieben. Obdachlos und oft auf der Flucht voneinander getrennt, mussten sich die Sudetendeutschen eine neue Existenz aufbauen.

Heute, knapp 74 Jahre später, sitzt Fuhrmann gemeinsam mit ihrem Bruder Rüdiger Goldmann und zwei weiteren Vertriebenen zusammen und erzählt von ihrem Geburtsort. Vor der Gruppe stapeln sich Bücher, Landkarten und CDs. Auch noch Jahrzehnte nach der Vertreibung ist das Interesse an der Heimat ihrer Vorfahren ungebrochen.

Die Vereinsmitglieder sind allerdings nicht nur gut über die Geschichte und die Geographie informiert, sondern stehen auch in engem Kontakt zum früheren Sudetenland. „Einmal im Jahr besuchen wir Dörfer und Städte im jetzigen Tschechien“, erzählt Goldmann. „Wir setzen uns dabei unter anderem für den Erhalt von Denkmälern ein.“ Die Spuren der deutschen Besiedlung sind auch heute noch zu finden: „Immer wieder trifft man während der Reisen auf Sudetendeutsche, die damals nicht vertrieben wurden, weil sie zum Beispiel mit einem Tschechen verheiratet waren“, berichtet Marie Hohl.

In Düsseldorf werden vom Verein Ausstellungen und Veranstaltungen organisiert, die das kulturelle Erbe der Sudetendeutschen präsentieren. Auch der enge Kontakt zu den übergeordneten Abteilungen der Sudetendeutschen Landsmannschaft und dem Dachverband der Vertriebenen ist ein wichtiger Teil der Vereinsarbeit. Mit dem Sudetendeutschen Tag wird zudem jedes Jahr ein deutschlandweites Treffen organisiert, dieses Jahr in Regensburg.

Wie viele Vereine in Deutschland, die sich der Brauchtumspflege verschrieben haben, hat auch die Sudetendeutsche Landsmannschaft in Düsseldorf ein Nachwuchsproblem. So fasst die Kreisgruppe heute noch rund 100 Mitglieder. „Nach und nach sterben die Menschen mit direktem inneren Bezug zum Sudetenland. Ihre Nachfahren sind natürlich sehr gut integriert und entsprechend wenig an dem Gebiet interessiert“, berichtet Fuhrmann. Für sie hat der Verein neben der Pflege der sudetendeutschen Geschichte auch eine soziale Verantwortung: „Wir unterstützen die ältesten Mitglieder selbstverständlich so gut es geht und bieten ihnen bis zum Lebensende eine Plattform, um sich auszutauschen und so die Erinnerung an früher wachzuhalten und weiterzugeben.“ Christoph Wegener

Kontakt zur Vorsitzenden der Sudetendeutschen Landsmannschaft Düsseldorf, Karin Fuhrmann, über 02159 7375.

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