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In der Altstadt in Düsseldorf liegt die Keimzelle der Stadt

Heimatserie : Wo Düsseldorf geboren ist

Düsseldorf ist eine Metropole. Die Urzelle der Stadt ist jedoch in wenigen Minuten begehbar und dennoch voller Intensität. Sie liegt mitten in der Altstadt.

So richtig los mit Düsseldorf ging es 1288. Das weiß Ulrich Brzosa, der im Hauptberuf als Referent für den Vorstand der Düsseldorfer Caritas arbeitet. Privat lebt er diese besondere Leidenschaft: „Ich liebe diese Stadt, und mein großer Wunsch ist es, dass ich den neugierigen Menschen die Stadtgeschichte näher bringen kann.“ So verschlägt es den studierten Theologen und Historiker bei seinen Führungen zunächst zum Stadterhebungsmonument, das Bert Gerresheim schuf und das 1988 mit Hilfe der Jonges zum 700-jährigen Bestehen am Burgplatz aufgestellt wurde – „dort, wo die Düssel unter einer Brücke verschwindet und gut 300 Meter weiter in den Rhein mündet“, wie Brzosa fast ein wenig traurig sagt. Denn: „Das war damals noch anders, da plätscherte die Düssel sichtbar bis in den Rhein, der Fluss, der der Stadt den Namen gab, und der Fluss war auch sozusagen eine der ersten Grenzen der neuen Stadt.“

Mit Leuchten in den Augen umreißt der passionierte Stadtführer das Ur-Düsseldorf: Vom Stiftsplatz geht es in die Altestadt (die Verlängerung der Ratinger Straße), an der Traditionskneipe Kreuzherreneck vorbei rechts in die Liefergasse, an deren Ende in die Lambertusstraße, und von hier aus führt der Mini-Rundgang, den Brzosa mit unserer Redaktion macht, wieder an den Stiftsplatz. Alles weiß und kennt er, der Mann mit dem Wissen eines Lexikons: Details über die für Düsseldorf wegweisende Schlacht von Worringen kommen ihm in den Sinn, die Grafen von Berg, die zunächst gar nicht in Düsseldorf lebten, die Etablierung der Lambertuskirche als Stiftskirche mit dem ganz pragmatischen Grund der weltlichen Herrscher, dass Geistliche – oder eben auch Stiftsherren genannt – deren Seelen retten.

Ecke Stiftsplatz/Altestadt: 800 Jahre alt ist diese Stelle – das Ur-Düsseldorf. In den 1930er Jahren stand hier das Rosenkränzchen. Foto: Brigitte Pavetic

„Düsseldorf war am Anfang ein eher winziger Flecken, umso faszinierender, dass sich die Stadt so entwickelte.“ Nicht nur faszinierend ist das, es ist auch erklärbar. Denn das System der Stiftsherren war das Hauptbesiedlungselement, wie Brzosa im Historiker-Jargon betont. Ein eigenes Rechtssystem gab es um die Lambertuskirche herum, über Jahrhunderte hinweg gut 40 Stiftsherren, und unter der Erde zwischen Kirche und Stiftshäusern wurden rund 500 Jahre lang Menschen begraben, hier war der Friedhof. „Bei Kanalarbeiten vor wenigen Jahren wurden hier Dutzende von Gebeinen herausgeholt.“

Das Wein- und Bierhaus Rosenkränzchen war ein beliebter Treffpunkt für Literaten, Künstler, Intellektuelle.                                                          Foto: Stadtarchiv Düsseldorf Foto: Stadtarchiv Düsseldorf

Brzosas Vorfahren lebten in Oberschlesien, in Düsseldorf lernten sich seine Eltern kennen, Brzosa kam im Vinzenz-Krankenhaus zur Welt, er ist Eller verbunden und Gerresheim und besonders der Altstadt. Für die Lambertuskirche macht er an jedem letzten Samstag im Monat um 11 Uhr eine Führung, wenn es sein muss, auch für nur eine Person, und wenn es geht, auch hoch hinaus in den verwinkelten Turm der Kirche. „Von hier oben aus lässt sich ein toller Blick werfen auf die Höfe in der Ur-Altstadt. Der Blick ist viel besser als vom Rheinturm aus.“ Die Kirche sei für ihn Heimat, meint Brzosa bei einem Kaffee am Burgplatz.

Ulrich Brzosa gilt als der Düsseldorf-Experte. Foto: Brigitte Pavetic

Kurioserweise sei seine Leidenschaft für die Stadt entflammt, als er mit Anfang 20 einige Jahre in Wien lebte. „Dort kaufte ich mir mein erstes Buch über die Stadt. Und seither habe ich großen Spaß daran, die große Weltgeschichte allen neugierigen Menschen mal aus der etwas übersichtlicheren Düsseldorfer Sicht zu erzählen.“ Die Heimat sei dort, „wo ich den Ort verstehe“. Nicht verstehen tut er die „Neuen“ im Ur-Kern Düsseldorfs. Die Betuchten im Andreas Quartier oder die im schicken Kameha-Bau entlang der Straße Altestadt, wo früher die Schwestern im Theresienhospital einen „einmaligen Geist“ verbreiteten. „Entweder, sie sind gar nicht da, oder sie treten nicht so in Kontakt mit den Ur-Düsseldorfern.“

Klaus Schulgen leitet das Geschäft Guntermann in der Altstadt. Foto: Brigitte Pavetic

Da hat es Klaus Schulgen vielleicht etwas leichter, wie ein Kurzbesuch bei dem Einrahmungsspezialisten an der Lambertusstraße verdeutlicht. „Die Leute kommen schon, auch die reichen Herrschaften, sie sind freundlich und nett, man grüßt sich, Kontakt sei schon ein wenig da.“ Schulgen ist ein sympathischer und fröhlicher Mensch, und er zählt zu den Traditionsfamilien in der Altstadt, sein Ur-Ur-Großvater trug den Nachnamen Guntermann (wie sein Geschäft für Einrahmungen und mit ausgesuchten Bildern von Düsseldorf) und ließ das Haus, in dem er mit drei Generationen seiner Familie lebt, 1883 vom Architekten Bruno Schmitz erbauen.

„Heimat ist für mich das hier, dieses Fleckchen Erde, und Heimat ist für mich die Lambertuskirche, das Gemeindeleben, und wenn die Glocken läuten“, sagt er. Ulrich Brzosa, der Klaus Schulgen schon lange kennt, ergänzt: „Nur, wenn du weißt, wo du herkommst, weißt du, wohin du gehen kannst.“

Interesse, in die Vergangenheit zu reisen, etwa mit Hilfe einer Zeitmaschine, hat Brzosa interessanterweise gar nicht. „Höchstens so in die Zeit zum Ende des 19. Jahrhunderts. Ich würde gerne den Übergang vom alten Düsseldorf in die Moderne erleben.“ Größer sei allerdings ein ganz anderer Wunsch: „Ich bin eher neugierig, was alles noch so kommt.“