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In der Adventszeit werden in vielen Düsseldorfer Kirchen Roratemessen gefeiert

Roratemessen im Advent : Wenn beim „Engelamt“ die Sonne aufgeht

Eine besinnliche Pause vom Alltag: In der Adventszeit werden in vielen Düsseldorfer Kirchen ganz früh am Morgen Roratemessen gefeiert. Was steckt hinter dem Brauch?

Für Ortsunkundige ist die Kirche der Schmerzreichen Mutter in Flehe nicht auf den ersten Blick zu finden. Etwas versteckt zwischen Feldern und Einfamilienhäusern gelegen, entspricht sie jedoch genau dem dörflichen Charakter, den sich die Stadtteile Flehe, Hamm und Volmerswerth nach wie vor in der Großstadt Düsseldorf bewahrt haben. Wohl einer der Gründe dafür, dass die St. Bonifatius-Gemeinde einen besonderen Schwerpunkt auf altbewährte Gottesdienst-Traditionen legt. Gerade zur Adventszeit lebt eine dieser Traditionen wieder auf: die Roratemesse. Allerdings wird sie nicht nur dort gefeiert, auch in den Innenstadt-Gemeinden ist sie durchaus zu finden. Denn nach wie vor erfreut sie sich regen Zuspruchs, auch wenn der Zeitpunkt des Messebeginns nicht jedermanns Sache sein dürfte. Die Roratemessen starten nämlich bereits um halb sieben in der Früh.

Die besondere Atmosphäre dieser Messen nimmt den Gotteshausbesucher schon beim Betreten der Kirche angenehm ein. Auf elektrisches Licht wird während der gesamten Roratemessen beinahe komplett verzichtet, einzig das Lesepult des Pfarrers wird von einer sehr kleinen Lampe beleuchtet. Stattdessen sorgen unzählige Kerzen, von denen auch jeder Gottesdienstbesucher eine zum Lesen der Gesangbücher vor sich aufstellt, für ein angenehm warmes Licht. „Alle Getauften tragen den göttlichen Funken in sich. Dieses Licht, welches wir in uns haben, möchten wir mit den Kerzen symbolisch in die Welt hinaustragen“, erklärt Pater Joy Paul Manjaly. Dazu die Stille der frühen Morgenstunden, die noch leergefegten Straßen – es ist eben diese spirituelle Atmosphäre, die viele Gläubige suchen.

„Man wird dadurch ein wenig aus dem Alltag herausgeholt“, sagt Besucher Hans Hegger. „Ich stehe eigentlich sonst nicht so früh auf, aber dafür nimmt man das gerne in Kauf. Außerdem merkt man, dass der Tag plötzlich viel länger dauert.“ Für ihn, genauso wie für Karin Thömmel, sind die Roratemessen jedes Jahr zur Adventszeit fest eingeplant. Aber auch, weil die beiden Gemeindemitglieder das anschließende Frühstück nicht missen wollen, das die Frauengemeinschaft nach jeder dieser Messen im Pfarrhaus anrichtet. „Gerade in der besinnlichen Adventszeit ist das doch schön. Da gehört ein gemütliches Zusammensitzen einfach dazu“, sagt Thömmel.

Wenn es langsam hell wird, erhellt sich auch der theologische Hintergrund dieser speziellen Gottesdienstform. „Die aufgehende Sonne schenkt Wärme und vertreibt das Dunkel. Sie symbolisiert in gewisser Weise auch Jesus Christus“, erklärt Pater Joy Paul Manjaly von der St. Bonifatus-Gemeinde. Der Name Rorate leitet sich dabei aus dem Vers „rorate caeli desuper“ aus dem Buch Jesaja ab. Die Übersetzung „Tauet, Himmel, den Gerechten“ soll die Sehnsucht nach der Ankunft des Erlösers zum Ausdruck bringen.

Ursprünglich waren diese Gottesdienste Votivmessen zu Ehren Mariens, die nur am Samstag gefeiert wurden. Da dabei die Verkündung des Herrn durch den Erzengel Gabriel aus dem Lukasevangelium vorgetragen wurde, bekamen die Roratemessen auch oft den Beinamen „Engelamt“. Nach der Liturgiereform des zweiten Vatikanischen Konzils wurden Roratemessen auch an Werktagen gefeiert. „Damit auch Werktätige die Gelegenheit bekommen, vor der Arbeit daran teilzunehmen“, sagt Pfarrer Hans Stormberg, Subsidiär in St. Bonifatius.

Vergleichbar sind die Gottesdienste auch mit den sogenannten Frühschichten, welche in anderen Gemeinden begangen werden. Dort stimmen sich die Gemeindemitglieder auf das jeweilig anstehende Hochamt wie zu Weihnachten oder Ostern ein, indem sie zusammen meditieren, singen und beten. Der spirituelle Gedanke steht dabei jedoch nicht ganz so sehr im Vordergrund wie bei Rorate.