Kolumne "Die Woche im Rathaus": Immer wieder Tita Giese

Kolumne "Die Woche im Rathaus": Immer wieder Tita Giese

Die Pflanzenkünstlerin will den Worringer Platz gestalten - das wäre ihr dritter Platz in derselben Gegend. Gibt es sonst niemanden in dieser Stadt, der gute Ideen hat? Vielleicht sollte die Politik mal darüber nachdenken, wie sie das ändern kann.

Als Tita Giese kürzlich mit ihrem Entwurf für den Brehmplatz durchfiel, kündigte sie an, nicht mehr für öffentliche Auftraggeber zu arbeiten. Die Bezirksvertretung 2 hatte sich nicht erwärmen können für ihre Idee eines "Dschungelgartens". Die meinungsfreudige Pflanzenkünstlerin beklagte daraufhin die Kleingeistigkeit der Politiker und grummelte, künftig nur noch für private Kunstliebhaber zu wirken.

Der Vorsatz hat nicht lange gehalten. Nun wird schon wieder über einen Giese-Entwurf gestritten, diesmal für den Worringer Platz. Giese will Clematis und Bambus pflanzen, LED-Licht an den Bäumen anbringen - und sonst alles abräumen. Darunter den Pavillon, den zwei Künstler unter dem Namen "Gasthof" bespielen. Das sei "Fluxus für Arme", sagt Giese über die Kollegen.

Bemerkenswert ist die Art, wie sich die Künstlerin mal wieder ins Gespräch gebracht hat. Giese erzählt, sie habe ihren Entwurf dem Oberbürgermeister vorgelegt, und der sei angetan. In seinem Büro ist man sich da nicht so sicher und betont, Thomas Geisel wolle sich nicht einmischen. Trotzdem hat sich die öffentliche Debatte plötzlich auf eine Frage verengt: Giese oder nicht Giese? Die Anwohnergemeinschaft hat sich positiv zu dem Entwurf geäußert, andere sehen ihn kritisch.

Dass Tita Giese eine renommierte Künstlerin ist, steht außer Frage. Aber es ist schon erstaunlich, wie präsent sie in der Stadt ist. Immerhin hat sie schon den 800 Meter entfernten Stresemannplatz gestaltet, und, 400 Meter Luftline weiter den Ernst-Reuter-Platz. Auch fürs Grün am Kö-Bogen hatte sie ein Konzept entworfen, das der damalige Oberbürgermeister Dirk Elbers gern umgesetzt hätte. Es wirkt fast, also gäbe es sonst niemanden in Düsseldorf, der sich qualifizierte Gedanken zu einer künstlerischen Platzgestaltung machen kann. Und das, obwohl es in der Stadt eine Uni gibt, diverse Fachhochschulen für kreative Berufe, eine rege Kulturszene und nicht zuletzt eine Kunstakademie. Und gute Ideen gibt es sicher auch von anderswo.

  • Düsseldorf : Tita Giese will auch Worringer Platz umgestalten
  • Kommentar : Dieser Platz muss besser werden

Der Worringer Platz bietet eine Gelegenheit, mal darüber nachdenken, ob man solche Diskussionen nicht besser gestalten kann. Schließlich hat sich die Ampel-Koalition auf die Fahnen geschrieben, stärker das Potenzial der Kunstszene zu nutzen, also auch Kreative einzubinden, die sich bislang nicht willkommen fühlten. Das passt zu Forderungen von Kulturschaffenden. In dem Papier, das ein Kreis um Akademie-Rektorin Rita McBride und Kunstvereins-Chef Hans-Jürgen Hafner veröffentlicht hat, heißt es, man müsse "zeitgemäße Formate" für Kunst im öffentlichen Raum entwickeln - und auch einer jüngeren Generation eine Chance geben. Die Künstler beklagen, dass zu oft "althergebrachte, lokale Interessengemengelagen" bestimmten.

Das ist ein Vorwurf, auf den die Politik reagieren sollte. Wenn man wirklich eine Neugestaltung des Platzes will, muss es einen fachkundig geleiteten Ideenwettbewerb geben, in dem auch Architekten und Künstler angehört werden, die noch nicht über das Selbstbewusstsein der Etablierten verfügen. Der Worringer Platz wäre dafür besonders interessant, weil er die Szene fasziniert wie kein anderer Ort - was übrigens auch ein Verdienst der "Gasthof"-Künstler ist, die Giese so niedermacht. Wenn es gelingen soll, aus dieser Verkehrsinsel in sozial schwieriger Lage etwas Besseres zu machen, ist jede gute Idee gefragt. Möglicherweise gibt es noch bessere Lösungen für die vielen Probleme des Platzes als illuminierte Bäume.

Sollte sich am Ende herausstellen, dass der Giese-Entwurf der beste ist - warum nicht? Dann kommen eben Clematis, Bambus und die LED-Leuchten.

(RP)
Mehr von RP ONLINE