Düsseldorf Immer mehr Einsätze – Notfallseelsorge sucht Ehrenamtler

Düsseldorf · Es gibt zu wenige Ehrenamtliche, die nach einem Todesfall Angehörige und Augenzeugen betreuen. Die Notfallseelsorger bekommen eine einjährige Ausbildung.

 Nach Unfällen oder anderen Unglücken sind die Notfallseelsorger im Einsatz.

Nach Unfällen oder anderen Unglücken sind die Notfallseelsorger im Einsatz.

Foto: dpa/Monika Skolimowska

Wegen der steigenden Zahl an Einsätzen sucht die Notfallseelsorge in Düsseldorf Verstärkung. Zehn bis 15 Interessierte können im September mit der einjährigen Ausbildung starten, die sie auf die erste Betreuung von Angehörigen und Augenzeugen nach Unfällen oder Unglücken vorbereitet.

In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der Einsätze, in denen Notfallseelsorger des evangelischen Kirchenkreises hinzugerufen wurden, mehr als verdoppelt. 2013 rückten die Haupt- und Ehrenamtlichen 151 Mal aus, 2021 verzeichneten sie 310 Einsätze. Alleine in diesem Jahr gab es bislang 95 Fälle für die Notfallseelsorger. Die Feuerwehr ruft die „Ersthelfer für die Seele“ immer hinzu bei Unfällen mit vielen Verletzten oder mit Kindern sowie beim Schienensuiziden. Notärzte können das Team aber auch in anderen Fällen einschalten, wenn Angehörige Unterstützung brauchen. So waren die häufigsten Einsätze im vergangenen Jahr Todesfälle in Wohnungen (139 Mal), Suizid (34), Überbringen von Todesnachrichten (31) und Verkehrsunfälle (zwölf). Auch bei der Flutkatastrophe im Ahrtal waren die Düsseldorfer Seelsorger im Einsatz, ebenso 2015 beim Absturz der Germanwings-Maschine.

Die Notfallseelsorger sind meist zu zweit unterwegs und kümmern sich nach Unfällen oder Unglücken um die Angehörigen und Augenzeugen. Sie leisten den Betroffenen Gesellschaft, trösten, beten mit ihnen oder bieten konkrete Hilfestellung, vermitteln etwa an Trauergruppen oder die Traumaambulanz, sagt Pfarrer und Notfallseelsorger Olaf Schaper. Die Ehrenamtlichen haben meist zwei Mal im Monat je 24 Stunden Bereitschaftsdienst. An diesen Tagen müssen sie jederzeit ausrücken können. Hinzu kommen zwei Stunden Supervision.

Um auf diese schwierige Aufgabe vorbereitet zu sein, bekommen die Notfallseelsorger eine einjährige Ausbildung. An elf Wochenenden lernen sie, wie man erste Hilfe für die Seele leistet. Interessierte müssen der katholischen oder evangelischen Kirche angehören, in Düsseldorf wohnen, zwischen 30 und 60 Jahre alt sein und einen Führerschein haben. Eine charakterliche „Robustheit“ und Weltoffenheit seien ebenfalls notwendig, sagt Schaper. Wer Interesse an dem Ehrenamt hat, kann eine Selbstbeschreibung und ein kurzes Motivationsschreiben an notfallseelsorge@ekir.de schicken. Es folgen Auswahlgespräche.

(veke)
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