Im Uhrenturm in DÜsseldorf sind druckgrafische Arbeiten des Künstlers Gerhard Harvan zu sehen.

Uhrenturm Düsseldorf : Von Zeit und Vergänglichkeit

Wenn „Zeit“ das zentrale Thema eines Künstlers ist, dann ist für dessen Arbeiten der historische Uhrenturm an der Grafenberger Allee fraglos der ideale Ausstellungsort. Im Uhrenturm sind druckgrafische Arbeiten des Künstlers Gerhard Harvan zu sehen.

Düsseltal (schk) Vielleicht waren die Verbindung von Zeit und Uhrenturm ein Grund, warum so viele Gäste zur Ausstellungseröffnung mit druckgrafischen Arbeiten von Gerhard Harvan gekommen waren, obwohl dieser 48 Jahre nach seinem Tod nur noch Eingeweihten ein Begriff ist.

Klaus Lehmann schlug in seiner Begrüßung den Bogen von der künstlerisch dargestellten „Zeit“-Thematik zur gesellschaftlichen, von den einst im Uhrenturm installierten Stechuhren für die Arbeiter von Haniel & Lueg bis zu den Menschen unserer Zeit, die im benachbarten Jobcenter auf eine neue Beschäftigung warten. Der Freundschaft von Friedrich Hupperz, einst Galerist, zu Gerhard Harvans Witwe Renate ist es zu verdanken, dass bis zum 2. September eine exzellente Auswahl von Radierungen, Collagen und Bildern im Uhrenturm zu sehen ist. Als Kurator hat sich Huppertz auf das grafische Werk Harvans konzentriert.

Ähnlich wie in dem Chaplin-Film „Moderne Zeiten“ dienen Zahnräder oder Pleuelstangen als Chiffren für Zeit, Schraffuren und Verwischtes versinnbildlichen Dynamik und Vergänglichkeit. Allerdings sind die mechanischen Teile nicht verbunden, es geht bei der Zeit weniger um objektiv Messbares als um subjektives Zeitempfinden und seine Beziehung zum menschlichen Sein.

Schon als Student an der Kunstakademie Düsseldorf wurde der 1940 in Wien geborene und im sächsischen Görlitz aufgewachsene Gerhard Harvan als künstlerischer Senkrechtstarter gefeiert, eine große Zukunft schien dem überaus produktiven Schüler von Rolf Sackenheim gewiss – er studierte darüber hinaus bei Joseph Faßbender und bei Joseph Beuys. Ein elektrischer Stromschlag setzte 1971 dem kreativen Schaffen des nur 30-Jährigen Talents jedoch ein abruptes Ende. „Es hat lange gedauert, bis ich mich zu dieser Ausstellung entscheiden konnte, aber ich wollte es richtig, und dazu musste ich erst noch einige private Probleme lösen“, so Renate Harvan.

Die Ausstellung ist jeden Montag von 18 bis 20 Uhr geöffnet, private Führungen mit Renate Harvan sind möglich. Anmeldung unter harvan@renate-harvan.de oder tel. 313263.

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