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Düsseldorf: Im Leseclub den Spaß am Lernen finden.

Düsseldorf : Im Leseclub den Spaß am Lernen finden.

Kinder und Jugendlichen in Flingern-Süd sollen außerhalb von Familie und Schule einen Zugang zum Lesen bekommen.

Wenn die NRW-Bildungsministerin Sylvia Löhrmann zur Eröffnung eines Leseclubs kommt, dann hält sie nicht nur eine Rede, sondern liest den Kindern in dem neuen Club auch gleich etwas vor: "Vorsicht Niesgefahr" von Paul Maar. Schließlich passe das gut zur Heuschnupfenzeit. Die Jungen und Mädchen in der Jugendfreizeiteinrichtung Icklack sind weniger von der prominenten Besucherin beeindruckt als von dem Mann in der Geschichte, der alles in Grund und Boden niest. Dabei sitzen sie auf bunten Stoffwürfeln und dem Sofa in dem kleinen Leseclub. Die Wände sind in warmen Brauntönen gestrichen, auf dem Boden liegen flauschige oder gemusterte Teppiche, und die Bücherregale sind gefüllt mit neuen Büchern. Es sieht dort ein bisschen aus wie in einem fröhlichen Möbelhaus.

"Die Kinder zieht es von ganz alleine hierher", sagt Rebecca Welle, Mitarbeiterin von Icklack, die den Leseclub in der Einrichtung in Flingern-Süd am Höherweg leitet. Genau das ist auch das Ziel des Projekts, das mit Mitteln des Bundesprogramms "Kultur macht stark" und der Stiftung Lesen eingerichtet wurde. Bei zahlreichen Aktionen können die Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren nachmittags lesen, spielen und sich mit digitalen Medien beschäftigen.

"Der Stadtteil ist industriell geprägt, viele Bewohner haben einen Migrationshintergrund", sagt Sozialdezernent Burkhard Hintzsche. Gerade wenn die Muttersprache der Eltern nicht Deutsch sei, sei es umso wichtiger, abseits von Familie und Schule einen Zugang zum Lesen zu schaffen. "In den Leseclubs werden die Kinder professionell betreut und ihre Lesekompetenz individuell und spielerisch gefördert", erklärte Hintzsche. "Die Eröffnung eines Leseclubs ist daher eine Investition in die Bildungsfähigkeit der Kinder."

Dies betonte auch Bildungsministerin Löhrmann: "Lesen ist der Schlüssel zu allem anderen, die Grundlage, um erfolgreich zu sein." Das sei auch eine Erkenntnis der Bildungsstudie Pisa gewesen, die zeigte: "Hier müssen wir etwas tun."

Die Erstausstattung des Leseclubs mit Medien in Höhe von 5000 Euro lieferte die Stiftung Lesen. In den Regalen stehen natürlich Bücher, die bei Kindern sehr gut ankommen wie die Harry-Potter-Bände, Greg's Tagebücher, die Fantasy-Romanreihe Warrior Cats und Isabel Abedis "Lola". Aber auch Sachbücher und Hörbücher finden sich im Leseclub.

Die Stiftung Lesen werde später den Fundus noch einmal im Wert von bis zu 7000 Euro aufstocken und dann auch E-Reader bereitstellen, kündigte Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, an. "Je mehr Freude Kinder am Lesen entwickeln, desto besser können sie in der Regel später lesen. Lesefreude sollte daher so früh wie möglich geweckt werden", sagte Maas. Er hofft, dass das Düsseldorfer Projekt inhaltlich viele Nachahmer findet und die Stiftung noch weitere Leseclubs in ganz Deutschland einrichten wird.

(RP)