Durch Düsseldorfs Stadtviertel: Im Bahnhofsviertel lebt die Vielfalt

Durch Düsseldorfs Stadtviertel : Im Bahnhofsviertel lebt die Vielfalt

Wer sich auf den Weg macht, das Viertel rund um den Bahnhof zu erkunden, der erntet bedenkliche Blicke und Bemerkungen, man möge schön auf sich aufpassen. Verlässt man den Bahnhof über den Konrad-Adenauer-Platz, biegt in die Friedrich-Ebert-Straße ein, dann trifft man schon auf Menschen, die auf dem Mäuerchen hinter den Bushaltestellen einen Teil ihres Tages verbringen. Irgendwo müssen sie ja bleiben.

An diesem sonnigen Mittag sind es nicht sehr viele, sie sind nicht laut und bleiben für sich.
Folgt man weiter der Straße und hält sich links Richtung Innenstadt auf der Graf-Adolf-Straße, dann erscheint zwar die altbekannte Mischung mit Sex-Shops und Spielhöllen. Dennoch hat sich der Charakter der Straße verändert. Dazu tragen edel anmutende Fassaden wie die des Intercity Hotels bei.

Mit viel Glas und Rundbögen wirken sie großzügig und einladend. Dass die Straße einen Wandel vollzogen hat, kann auch Sayime Dogan bestätigen. Die 39-jährige hat im Juni das Café Bonema an der Graf-Adolf-Straße 98 eröffnet und betreibt seit 15 Jahren eine Trinkhalle auf der Straßenseite gegenüber. "Heute kann man hier in der Sonne sitzen und einen Kaffee trinken. Das ging früher nicht, da wurde man sofort angelabert. Das Publikum hat sich verändert."

Sayime Dogan im Café Bonema. Foto: Hans-Juergen Bauer

Während früher viele Junkies und angetrunkene Obdachlose dort unterwegs waren, prägen heute Touristen das Straßenbild. So wie Stadtteile kippen können, können sie sich auch fangen. Das hat Sayime Dogan miterlebt. Seit etwa sieben bis acht Jahren, sagt sie, fühlt sie sich wohler hier. "Es macht mir nichts aus, spät abends noch hier zu sein, früher habe ich mich unsicher gefühlt."

Die Bäckerei Al Afrah. Foto mit Besitzer Rachid Zariuch. Foto: Hans-Juergen Bauer

Die Mintropstraße mit der daran anschließenden langen Bahnunterführung würde sie allerdings nachts nicht entlanggehen. Tagsüber ist das kein Problem. Zwischen Nachtclubs, Leihhäusern und Spielhallen hat sich das Hamam Sahara Wellness niedergelassen, das gepflegte Entspannung verspricht. Und in der 100 Meter langen Bahnunterführung haben Künstler die Wände mit bunten Bildern bemalt. Das Motto: "Wem gehört die Stadt?" Der Verein Farbfieber will mit der Aktion zeigen, dass es in Düsseldorf nicht nur Kö-Bogen und Luxussanierungen gibt.

Das erlebt man auch nach der Unterführung auf der Ellerstraße. Dort reihen sich marokkanische Supermärkte an Übersetzungsbüros, Kioske an Friseursalons. In der Dreieckstraße, die von einer Seitenstraße abgeht, hat Badr Haddad vor zwei Jahren sein kleines Restaurant La Grilladine eröffnet. "Das Viertel boomt", sagt der 31-jährige, gebürtige Marokkaner, der vor elf Jahren nach Deutschland zum Studieren kam. In seinem kleinen Restaurant gehen die Nationen ein und aus. Am frühen Mittag kommen die Angestellten aus den umliegenden Büros, später die Marokkaner. Am frühen Abend mischt sich dann alles: Araber, Saudis, Franzosen, Israelis, Afghanen, Chinesen und Deutsche. Wenn Badr Haddad seine gegrillten Speisen und marokkanischen Gerichte auftischt, funktioniert Integration wie von selbst.

Eine andere verbindende Kraft im Viertel hat neben dem Essen die Kunst. Nicht nur das Tanzhaus NRW und das Capitol-Theater an der Erkrather Straße sowie das Central des Schauspielhauses an der Worringer Straße ziehen das Publikum an. Auf dem Worringer Platz gibt es seit gut einem Jahr das Kunstprojekt "Gasthof Worringer Platz". Die Künstler Andrea Knobloch und Oliver Gather organisieren dort Konzerte, Performances und andere Aktionen. Zurzeit ist in dem Glashaus des Projekts ein Schlagzeug aufgestellt, gebaut aus Fundstücken rund um den Platz. Miteinbezogen werden auch die Nachbarn. Zum Beispiel das Designhotel Friends an der Worringer Straße, das ausgefallene Ausstellungen in einigen seiner Zimmer zeigt. Zurzeit ist es eine Sammlung von Lesezeichen, die der Antiquar Christoph Wilde den Künstlern zur Verfügung gestellt hat.

Bei einer anderen Aktion wurden Bilder auf die Häuser am Worringer Platz projiziert. Mancher Anwohner nahm dabei sogar in Kauf, dass sechs Wochen lang ein Projektor in seinem Schlafzimmer stand. "Die Gegend hier ist so vielfältig. Als Künstler kann man sich gar nichts Besseres wünschen", sagt Andrea Knobloch.

(RP/ac)