Brauhaus in Düsseldorf Im Alten Bahnhof Oberkassel ist jetzt alles neu, sogar das Alt

Düsseldorf · Das Bier schmeckt süffiger und kommt aus der Leitung, die Theke ist renoviert, und es gibt sogar ein Harry-Potter-Quiz: Wirt Toni Link verjüngt das traditionelle Brauhaus – mit Erfolg.

Alter Bahnhof Oberkassel: Bilder nach der Renovierung 2024
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Das ist neu im Alten Bahnhof Oberkassel

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Foto: Bretz, Andreas (abr)

Beginnen wir beim Bier. Das Alt, das im Keller des Alten Bahnhof Oberkassel gebraut und im Brauhaus serviert wird, heißt nicht mehr „Gulasch“, sondern „Belsen“. Schon auf den ersten Schluck schmeckt man den Unterschied. Milder und malziger, mit weniger Kohlensäure. „Ich mag es süffig“, sagt Wirt Toni Link. Von seinem neu angestellten Braumeister hat er sich „eine schöne Drinkability“ gewünscht – um möglichst viele Geschmäcker zu treffen.

Weniger herb, etwas jünger, auf jeden Fall moderner, aber immer noch mit dem Charme von früher: Nach diesem Rezept hat Link das komplette Brauhaus renoviert. Tische, Stühle und Beleuchtung sind neu, die Wände türkisgrün statt rot. Die dunklen Sitzbänke und die rustikalen Brauhaustische durften bleiben. „Ich wollte hier nicht mit dem Baseball-Schläger rein“, sagt der 46-jährige Gastronom. „Der Laden lief schon vorher sehr gut, das wollte ich optimieren.“

Im Februar 2023 hat Link den Alten Bahnhof Oberkassel übernommen, jetzt trägt das Haus seine Handschrift. Man schmeckt es beim Bier, sieht es an der neuen Einrichtung, merkt es mit Blick aufs Programm. Früher stand die Dixieland-Jazzband „Muckefuck“ auf Plakaten. Jetzt wirbt das Brauhaus im Internet für monatliche After-Work-Partys und verkauft auf Event-Plattformen Tickets für Harry-Potter-Quizabende. Manche aus dem Stammpersonal hätten darüber gelacht, sagt Link. Bis sie erfuhren, dass in kurzer Zeit mehr als 100 Karten weg waren.

Was Betriebswirte in Unternehmen „Change Management“ nennen, hat der Gastwirt in seiner neuen Gastronomie gemacht. Er musste seine knapp 40 Beschäftigten vor Ort überzeugen, dass sich Veränderung lohnt. Beispielsweise in Form eines digitalen Kassensystems. Wozu, fragte manch einer, der seit fast 20 Jahren dort kellnert. Dann zeigte sich, dass Gäste mehr Trinkgeld geben. Weil beim Bezahlen die Option auf einen Obolus automatisch angezeigt wird.

Auch Toni Link selbst ist alles andere als der typische Düsseldorfer Wirt. Mit seinem Vollbart, der Designerbrille und der Smartwatch würde er in einer Werbeagentur nicht auffallen. Ein weiterer Unterschied: seine Vita. Der Halb-Hawaiianer kommt zwar aus einer Gastrofamilie, aber nicht von hier. Sondern aus Duisburg-Marxloh. Im Alter von 20 Jahren übernahm er das Brauhaus seines Vaters. Heute gehören ihm im Ruhrgebiet zwei Bierotheken und drei Lokale, im Rheinland sind es schon drei. Im Februar übernahm Link das Wirtshaus Landsknecht in Meerbusch. Und seit Juni gehört er zur Geschäftsführung der Bar Naseband’s in der Altstadt. „Mittlerweile liegt mein Fokus eindeutig auf Düsseldorf“, sagt der zweifache Familienvater.

Im Vergleich zum Ruhrgebiet sei das Publikum internationaler, die Bierkultur vernünftiger. Und: „Es gibt eine andere Kaufkraft.“ Die braucht er im Alten Bahnhof auch, denn das 0,25-Liter-Glas Alt kostet 3,05 Euro – der Spitzenreiter unter den lokalen Hausbrauereien. Der Preis für eine Haxe mit Beilagen: 24,30 Euro. Auch dieses Produkt hat einen Superlativ. Laut TV-Restauranttester Bernd Zehner ist es „die beste Haxe in Düsseldorf“.

Der neuen Speisekarte ist ebenfalls anzumerken, dass hier mehr Geschmäcker getroffen werden sollen. Neben gutbürgerlicher Küche gibt es jetzt auch Kibbelinge – die frittierten Fischstücke kennen viele Gäste aus dem Hollandurlaub. Außerdem steht Schäufele zur Wahl, eine fränkische Spezialität: Braten aus der Schweineschulter.

Der Alte Bahnhof bietet innen und außen je rund 300 Plätze, viel Platz also für Publikum verschiedener Couleur. Zur EM füllt sich der Biergarten mit Fußballfans, an Altweiber kommen die Jecken, zum Tanz in den Mai das klassische Oberkasseler Publikum: Männer in Hemden, Frauen mit blondierten Haaren, Normalos aus der Nachbarschaft, mittleren Alters aber jung geblieben. „Die früheren Gäste des Clubs Chateau Rikx kommen in Scharen“, sagt Link. Die neue Party-Location im Viertel scheint nun ein denkmalgeschütztes Gebäude aus dem Jahr 1853 zu sein.

Der Vorteil für den Gastronomen ist, dass das neu akquirierte Publikum keine „Früher-war-hier-alles-besser-Mentalität“ mitbringt. Statt Krombacher Pils gibt es jetzt halt Spaten Helles, weil Link mit dem Bierkonzern AB Inbev kooperiert – dessen NRW-Büro ist direkt über dem Brauhaus. Und das Altbier kommt nicht mehr aus dem Holzfass, sondern aus der Leitung. Möglich macht das eine komplett neue Theke, die fast die Hälfte des 130.000 Euro großen Budgets für den Umbau verschlungen hat.

War es das jetzt mit der Veränderung? Der gelernte Restaurantfachmann sagt: „Wir haben hier noch viel vor.“ Gerichte werden per „Bratentaxi“ nach Hause geliefert, Catering gibt es auch, im Biergarten entsteht eine holzverkleidete Almhütte, buchbar für süffige Betriebsfeiern. Und das „Belsen Alt“ wird es bei der Rheinkirmes mit eigenem Brauerei-Festzelt geben – ein großer Geschmackstest für das neue Rezept. Ende des Jahres will Toni Link das Bier auch in die Supermarktregale von Edeka und Rewe reinbringen.