Aus für Modemesse Igedo-Konzept: Lob und Zweifel

Düsseldorf · Die Modemesse CPD soll 2012 das Messegelände verlassen und als "Fashion Gallery" in die Böhlerwerke ziehen, aber auch bei der Konkurrenz in Berlin Präsenz zeigen. Mode-Experten wie Albert Eickhoff sehen darin Chancen, aber auch Gefahren für den Modestandort Düsseldorf.

Das Ende der Modemesse CPD (Collection Première Düsseldorf) auf dem Messegelände in Stockum und der geplante Umzug in die Böhlerwerke auf Meerbuscher Stadtgebiet wird von Kennern der Branche mit unterschiedlichen Gefühlen gesehen. Vor allem die Idee der veranstaltenden Igedo Company, mit "The Gallery", so der neue Name der Veranstaltung, auch während der Modewoche in Berlin - dem potenziellen Konkurrenten Düsseldorfs - Präsenz zu zeigen, stößt auf wenig Verständnis.

Albert Eickhoff vom gleichnamigen Edel-Modehaus auf der Königsallee begrüßt den Umzug: "Der Standort der CPD auf der Messe hatte für mich schon lange keine Bedeutung mehr." Maßgeblich sei nun jedoch, dass in der "Gallery" "die richtigen und wichtigen internationalen Firmen" vertreten seien, "um ein Ausrufezeichen zu setzen". Die Böhlerwerke hält Eickhoff von der Entfernung her für akzeptabel, es komme jedoch darauf an, ob der Transfer fürs Fachpublikum auch reibungslos klappt. Nicht anfreunden kann sich Eickhoff allerdings mit "The Gallery Berlin", mit der die Igedo zwei Wochen vor dem Modetermin in Düsseldorf in der Bundeshauptstadt auftreten will. "Das ist eine Gefährdung für den Standort Düsseldorf", betont er.

Ähnlich sieht es Bunte-Chefredakteurin Patricia Riekel, die mit dem "Bunte New Faces Award" jeden Sommer zur Modemesse Glamour in die Stadt bringt. "Ich finde es spannend, wenn man sich einen neuen Ort sucht. Das kann die Kreativität fördern." Die Messe selber sei kein Platz gewesen, an den man gerne gegangen ist. In den Böhlerwerken biete sich die Möglichkeit, etwas Schöneres zu gestalten. Riekel kennt Berlin und Düsseldorf als Modestandorte. "Beide kann man wunderbar unterscheiden: Düsseldorf mit einer gewissen Nüchternheit als Stadt, in der Order, also die Geschäfte, gemacht werden, und Berlin als Partystadt." Dass die Igedo auch in Berlin Präsenz zeigen will, sei eine "unsinnige Geldausgabe". Besser wäre, als starker Modestandort Düsseldorf Selbstbewusstsein zu zeigen.

"Geschockt" zeigt sich Matthias Theis von dem neuen Igedo-Konzept. Es sei Ausdruck "absoluter Regionalität". Der selbstständige Mode-Netzwerker ("Fashion Connection") hatte 2008 auch einige Monate für die Igedo gearbeitet und verfolgt seit Jahren aufmerksam, wie sich der Modestandort Düsseldorf entwickelt. "Das Gallery-Konzept kann nur ein zusätzliches Segment sein, aber nicht den Kern der Igedo in Düsseldorf", sagt er. Das Böhlergelände sei viel zu weit entfernt, besser wäre ein Standort im Hafen oder in der Nähe der Showrooms an der Kaiserswerther Straße gewesen. Die "Krönung" im negativen Sinne sei die geplante Präsenz in Berlin: Dort gebe es bereits fünf Messen. "Ein Besucher mit einer Verweildauer von zwei bis drei Tagen kann das nicht abarbeiten." Daran seien schon andere Modemessen-Versuche gescheitert.

Margit Jandali, die fast 20 Jahre lang bei der Igedo die Geschäfte geführt hatte, sieht es wohlwollender: Zwar sei es schade, dass nun eine Ära zu Ende gehe. "Aber es ist besser, zu neuen Ufern aufzubrechen, bevor die Ära wirklich vorbei ist." Berlin sei nun einmal ein angesagter Standort, deshalb müsse man dort auch präsent sein. "Da die Balance zu halten, ist aber eine ungeheure Herausforderung, die viel Fingerspitzengefühl erfordert."

(RP)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort