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Kolumne: Idee vom "Freund und Helfer" ist gescheitert

Kolumne : Idee vom "Freund und Helfer" ist gescheitert

In Oberbilk endet ein Familienstreit mit Angriffen auf die Polizei, in der Altstadt zerschlägt ein Randalierer einen Streifenwagen und in Oberkassel droht ein Jugendlicher den Beamten im Einsatz mit Anzeige. Der Respekt vor der Staatsgewalt schwindet.

Vor ein paar Wochen hat eine nordrhein-westfälische Polizeibehörde im Internet eine vielbeachtete Kampagne gestartet. Eltern sollten ihren Kindern nicht mit der Polizei drohen, hieß die Aufforderung. "Ihr Kind soll nicht Angst vor uns haben - sondern zu uns kommen, wenn es Angst hat."

Klingt erst einmal vernünftig und richtig. Ist es für die große Mehrheit der Menschen hier sicher auch. Aber man muss auch mal die Frage stellen dürfen, was die großen Brüder der lieben Kleinen denn über die Polizei so lernen, wenn die sich als fröhliche Onkel und Tanten präsentieren, deren Mützen man im Kindergarten mal aufsetzen darf, und die einem lustige Teddys in Uniform schenken.

An das freundliche Wesen des Bezirkspolizisten beim ersten Schulweg-Training denken weder Fußball-Schläger noch Demonstranten, wenn sie sich gegenseitig lustvoll provozieren - stets darauf vertrauend, dass am Ende die Polizei schon dafür sorgen wird, dass nicht sie die Konsequenzen spüren müssen. Ein verletzter "Bulle" hat für diese Leute mit dem Menschen in der Uniform nichts zu tun. Diesen Leuten, mit Verlaub, täte ein bisschen Angst vor der Polizei gar nicht mal so schlecht.

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Es ist kein Geheimnis, dass in Kreisen, in denen die Worte Respekt und Ehre in Verbindung mit "Alter" und "ich schwör" oft und gern geführt werden, der Respekt vor anderen keinen großen Stellenwert hat. Das gilt im Besonderen gegenüber der Polizei. In der Altstadt können die Beamten davon schon lange ein Lied singen. Dass Beamte angepöbelt werden, mit dummen Sprüchen oder hämischem Gejohle bedacht, ist da noch das Geringste. Dass aber völlig Unbeteiligte sich, teils mit beträchtlicher Gewalt, einmischen, wenn Polizisten etwa einen Straftäter festnehmen, ist nicht hinnehmbar. Den gebührenden Abstand der längst nicht nur Schau-Lustigen muss sich die Polizei oft energisch erkämpfen. Und dann noch damit rechnen, dass irgendein zusammengestauchtes Kerlchen am nächsten Tag ein verwackeltes Handyvideo des Polizeieinsatzes - natürlich ohne dessen Anlass - im Internet postet und über Gewalt schwadroniert.

Und wer nun über die Betrunkenen und die Schläger und Berufsdemonstranten den Kopf schüttelt, der muss sich auch überlegen, wie es um den eigenen Respekt bestellt ist. Denn diese Gruppen sind es nicht, die am Steuer gehobener Mittelklassewagen dem Verkehrspolizisten erklären, dass sie sein Gehalt bezahlen. Und natürlich den Polizeipräsidenten kennen.

Die Idee, vom Image des Ordnungshüters zu dem vom Freund und Helfer zu wechseln, war ja ganz nett. Aber sie scheint, zumindest teilweise, gescheitert. Offensichtlich gibt es - nicht nur in Oberbilk, übrigens - Menschen, die mit Freunden nicht gut umgehen können. Und für die Respekt vor der Polizei nur dann möglich ist, wenn die ihnen angst macht.

Ein 13-jähriger Kleinkrimineller, der unlängst einem Polizisten sagte "du kannst mir gar nichts", offenbart die Schwachstelle. Eine Polizei, der man mit Respekt begegnet, braucht eine Justiz und eine Politik, die hinter ihr stehen.

Stefani Geilhausen

(RP)