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Nick McCarthy von Franz Ferdinand: "Ich fand Düsseldorf nicht so toll"

Nick McCarthy von Franz Ferdinand : "Ich fand Düsseldorf nicht so toll"

Sie nennt sich nach dem österreichisch-ungarischen Erzherzog und verbinden Rockmusik und Stil: die schottische Band Franz Ferdinand. Mit seinem aktuellen Album "Tonight" ist das Quartett zurzeit auf Tournee. Morgen gastiert es in der Philipshalle.

Wir unterhielten uns mit Gitarrist Nick McCarthy, und zwar auf Deutsch: Der 34-Jährige wuchs in Bayern auf und ist verantwortlich für Textzeilen wie "Ich heiße superfantastisch. Ich trinke Schampus mit Lachsfisch" im ansonsten englischsprachigen Song "Darts Of Pleasure".

In Deutschland auf Tournee — ist das wie eine Heimkehr?

Nick McCarthy Klar, ich fühle mich in Deutschland extrem wohl. In England bin ich mir immer noch nicht ganz so sicher, was Sache ist. Deutschland kommt mir mehr wie mein Zuhause vor. Die Konzerte hier sind immer sehr locker. Ich weiß natürlich nicht, wie die anderen Bandmitglieder das empfinden. Aber ich glaube, sie lieben es auch. Ich kann ihnen viel zeigen, bringe ihnen die Sprache bei.

Mit Erfolg?

McCarthy Ja, unser Schlagzeuger Paul ist inzwischen der beste. Er liebt deutsche Musik, hat eine riesige Sammlung und kennt sich besser aus als ich.

Sie waren früher öfter in Düsseldorf, oder?

McCarthy Zum ersten Mal als 18-Jähriger. Damals habe mir von meinem Bruder ein Auto geliehen. Das blieb dann auf der Autobahn liegen und wir mussten nach Düsseldorf trampen. Als wir dort bei einer Freundin schlafen wollten, hat uns ihre Mutter rausgeschmissen. Zu allem Überfluss fing es an zu schneien und wir mussten auf dem Sperrmüll übernachten. Damals fand ich Düsseldorf nicht so toll. Aber jetzt habe ich wieder richtig Lust drauf.

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Aber Sie haben doch nur schlechte Erinnerungen an die Stadt!

McCarthy Auf keinen Fall. Ich liebe die Kunstszene in Düsseldorf. Ich werde mir vor dem Auftritt ein paar Tausend Galerien anschauen.

Welche Musik hat Sie zuletzt begeistert?

McCarthy Es gibt gerade so eine Band, Music go Music, die sind extrem gut. Die spielen Popsongs, schon fast Abba-Disco. Und die Cribs, unsere Vorband in Düsseldorf. Extrem gut finde ich zur Zeit Dizzee Rascal. Der macht mal was richtig Neues und Unglaubliches.

Was fasziniert Sie an ihm?

McCarthy Früher war er ein Junge aus dem Underground, jetzt ist er in England die Nummer eins, weil er den Mainstream umarmt. Aber er setzt dennoch seinen verrückten Stil oben drauf. Das hört sich für mich neu und frisch. Und ist sehr tanzbar.

Tanzbar passt auch auf Franz Ferdinand-Alben. Dennoch haben Sie ja mit "Tonight" Ihren Stil verändert.

McCarthy Wir wollen schon noch das machen, was wir als Band gut können — das ist eben Tanzmusik. Aber wir wollten diese so spielen, dass wir selbst nicht davon irgendwann gelangweilt sind, dass es eben auch was Frisches und Rotziges ist. Diese hohen, schrillen, rhythmischen Gitarren haben wir zum Beispiel fast rausgenommen, die waren sonst immer dabei. Dafür haben wir den Bass viel mehr in den Vordergrund gebracht. Es sollte eine Tanzplatte werden, für so einen richtig dreckigen Underground-Club.

Welche Platte kommt besser an?

McCarthy Ich glaube, live passen alle drei wirklich gut zusammen. Die Live-Show ist zudem viel mehr Rock'n'Roll, mit mehr Energie, sie gibt Vollgas. Die Songs müssen sich da dem Rock'n'Roll beugen.

Waren das Kriterien für die Set-Liste?

McCarthy Wir haben alle Songs des Albums "Tonight" ausprobiert, manche haben extrem gut live funktioniert, andere nicht. Bei "Lucid Dreams" haben wir zum Beispiel ewig lange gebraucht, das live hinzubekommen. Aber jetzt ist es wahrscheinlich Höhepunkt des Sets. Elektronisch und ein harter Tanz-Song.

Was wäre für Sie das größte Kompliment, das das Publikum Ihnen in der Philipshalle machen könnte?

McCarthy Wenn einfach alle tanzen und mitsingen. Wenn alle vergessen, wo sie sind und ihnen egal ist, wer hinter ihnen steht oder ihnen zuschaut.

(RP)