Hund Geliko hilft Familie mit zwei Kindern mit Down-Syndrom

Familienleben in Düsseldorf : Ein Hund in der Familie ist ein Gewinn in allen Lebenslagen

Familie Richert hat sich einen Hund angeschafft und empfindet den Zuwachs als Gewinn in allen Lebenslagen. Zwei Kinder haben das Down-Syndrom. Eine Art Therapiehund sei Geliko aber nicht.

Er ist eine Bereicherung. Und die Richerts können sich ein Leben ohne ihn schon gar nicht mehr vorstellen. Dabei ist Geliko, der junge Rüde, erst seit Dezember Teil der fünfköpfigen Familie aus Stockum. Die Richerts, das sind Vater Thomas (45), der „mal Schreiner war und heute Hausmann ist“, Mutter Stefanie (44), Bankfachwirtin, die arbeiten geht, sowie die drei Kinder. Die elfjährige Belana ist in der fünften Klasse des Max-Plank-Gymnasiums, Lavinia (9) und Benjamin (6) besuchen Schule und Kindergarten mit inklusiver Ausrichtung. Sie haben beide das Down-Syndrom. Eine Art Therapiehund sei Geliko aber nicht. Jedenfalls nicht für Lavinia oder Benjamin. Nein, eigens für die beiden hätten sie sich ihn nicht angeschafft, sagt Mutter Stefanie. „Sie sehen doch wie fit und agil die sind.“ Und Vater Thomas ergänzt: „Wir sind eine ganz normale Familie. Klar, wo andere vielleicht zum Sport gehen, da gehen wir zur Therapie.“ Vielmehr Unterschiede gebe es aber nicht.

Und wie in vielen Familien kam irgendwann der Wunsch nach einem Haustier auf. Stefanie und Thomas Richert wollten das den Kindern nicht abschlagen. Die haben jetzt das richtige Alter, sagt Stefanie Richert. Aber was sollte es sein? Thomas Richert mag auch Katzen. Seine Frau fand die Idee nicht so gut. „Eine Katze, die auch raus darf, ist tagelang weg. Da mache ich mir nur Sorgen.“ Und Tochter Belana wollte lieber ein Tier, mit dem man auch spielen kann ­ wie bei Oma. Die wohnt weiter weg ­ und hat einen Hund.

Also ein Hund. Blieb nur die Frage, welcher. Die Richerts haben sich den Rat einer Hundetherapeutin eingeholt. Natürlich sollte es ein Familienhund sein. Und so kamen sie zu einem Eloschaboro kurz Elo, eine Rasse, die erst seit rund 30 Jahren gezüchtet wird und eben genau das ist ­ ein ausgesprochener Familienhund. Der Name weist auf die drei wichtigsten Ausgangsrassen – Eurasier, Bobtail und Chow-Chow – hin. Und Geliko stammt aus einem „G“-Wurf, bei dem alle Welpennamen mit dem gleichen Buchstaben anfangen. Ein Elo wird rund 50 Zentimeter groß und etwa 30 Kilo schwer. Ein bisschen wird Geliko also noch zulegen.

Die Kinder und auch die Erwachsenen haben alle ihr ganz eigenes Verhältnis zu Geliko. Das Innigste hat der sechsjährige Benjamin. „Die beiden sind einfach die dicksten Freunde, die toben und machen wirklich alles zusammen“, sagt Mutter Stefanie. Belana, die ein bisschen auch das „Frauchen“ ist, ist das gar ein wenig suspekt. „Die sind immer zusammen. Ich glaube, die küssen sich auch.“ Und was ist mit Lavinia? Sie mag Geliko, keine Frage, aber die Beziehung ist doch etwas distanzierter. „Man versteht sich, man respektiert sich, aber so wie mit Benjamin ist es nicht“, beschreibt es Stefanie Richert, deren eigenes Verhältnis zu Geliko vorbehaltlos liebevoll ist. „Er freut sich wie Bolle, wenn er mich abends sieht.“ Sie sich umgekehrt aber auch. Und sie ist es, die ihm am Tagesende das Fell bürstet. Das sei für beide Seiten gleichermaßen entspannend. Geliko sei womöglich doch ein Therapiehund.

„Mir ist er zu 80 Prozent wohl gesonnen“, meint Vater Thomas. Er ist mit Geliko am meisten alleine, dann, wenn die Kinder in Schule und Kita sind ­ und Herrchen und Hund schon mal gemeinsam einkaufen gehen. Und Thomas Richert übernimmt auch den Großteil der Erziehung, setze als „Rudelführer“ Grenzen, die der junge Rüde nicht immer gleich akzeptieren möchte. Mittlerweile aber weiß Geliko, wo er hin darf und wohin nicht. Das Erdgeschoss ist seins, die Schlafzimmer im 1. OG sind tabu, er schläft im Wohnzimmer. Geliko kann damit leben. Und er ist ja gelehrig. Denn auch das war für die Richerts von Anfang an klar: Der Rüde muss zur Schule. Und so sind sie regelmäßig im Hundesportverein (HSV) Düsseldorf-Golzheim. Dort lernt Geliko die Grundlagen des guten Benehmens, meistens zusammen mit Papa Thomas, aber auch mit Tochter Belana, wie an diesem Samstagmorgen, an dem die Richerts von ihrem Leben mit Hund berichten.

Jetzt ist Geliko bei allem dabei, was die Familie unternimmt. Und die Richerts müssen sich nicht mal mehr groß umstellen. In den Urlaub sind sie auch vorher schon mit dem Auto gefahren, meist sowieso nicht weit weg. Jetzt steuern sie eben Ziele an, wo Hunde ausdrücklich erwünscht sind. Und auch das Gassi-Gehen ist kein Thema. Im Gegenteil. Sie komme so öfters an den Rhein, sagt Stefanie Richert. Und wenn nicht, reiche auch der Garten. „Alles viel weniger Arbeit als gedacht, aber entspannend.“ Und die dreifache Mutter zitiert gern ein englisches Sprichwort, das sie bei Gelikos Züchterin gelesen hat. Danach mache erst ein Hund aus einem Haus ein Heim. Nun, sie hätten jetzt endgültig eines.

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