Hugo Schmitz aus Düsseldorf-Derendorf Die wilden Jahre einer Rennsportlegende

Düsseldorf · Über den Derendorfer Hugo Schmitz, ein bekannter deutscher Motorsportler der frühen Nachkriegszeit, ist ein Buch erschienen. Er war Paradiesvogel, der das Kostümieren liebte und nach der sportlichen Karriere seine Tankstellenkunden das ganze Jahr über mit Texaner-Hut, Baumwollhemd und Cowboystiefeln begrüßte.

 Auch als knapp 50-Jähriger wagte Hugo Schmitz auf kurvenreichen Bergstrecken riskante Freihand-Fahrten.

Auch als knapp 50-Jähriger wagte Hugo Schmitz auf kurvenreichen Bergstrecken riskante Freihand-Fahrten.

Foto: privat/Harry Michelbach

Es ist nun sieben Jahre her, da suchte Wilfried Dieterichs auch in der Rheinischen Post nach Zeitzeugen. Er arbeitete damals an der Biografie von Hugo Schmitz (1921 - 1989), einem der bekanntesten deutschen Rennfahrer der frühen Nachkriegszeit, den er selbst kennengelernt hatte und als Kind bewunderte. So manch ein Leser konnte Dieterichs nach seinem Aufruf bei der Recherche weiterhelfen, denn Schmitz wuchs im Duisburger Hafenstadtteil Ruhrort und später nach einem Umzug der Familie in Derendorf auf. Nun ist Dieterichs Buch „Hugo – die wilden Jahre einer Biker- und Rennsportlegende“ erschienen.

Bevor Helmut Rahn 1954 die deutsche Mannschaft zum ersten Weltmeistertitel schoss, hatte der Fußball in der Bevölkerung keinen sonderlich großen Stellenwert. „Der Motorsport war das absolute Sonntagsvergnügen und Hugo war ein Star und ein Vorreiter, den man bundesweit kannte. Fußball war vor 1954 kein Thema“, erzählt Dieterichs. Der 82 Jahre alte Autor begann bereits 2015 mit der Recherche für das Buch und ein Jahr später folgte die Suche nach Zeitzeugen, aber er benötigte nun nicht acht Jahre für die insgesamt 244 Seiten. Er habe zwischendurch an einem anderen Projekt gearbeitet, erst in den vergangenen 15 Monaten habe er sich wieder intensiver mit seinem Kindheitsidol auseinandergesetzt.

Dessen Geschichte beginnt in den frühen 1920er-Jahren mit einer turbulenten Jugend in unruhigen Zeiten der Weimarer Republik und den verführerischen Perspektiven während der Hitler-Diktatur. Verlockungen von Ehre, Ruhm und Heldentum führen durch die finstersten Kriegsjahre, die Schmitz unter anderem in der berüchtigten SS-Totenkopfdivision mit wenigen Kameraden überstanden und schließlich in amerikanischer Gefangenschaft geläutert abgeschlossen hat. Es geht aber auch um einen Mann mit bemerkenswerter Nachkriegskarriere, der seine erste Maschine 1946 im Eigenbau konstruierte, damit bereits wenige Monate später ganz große Erfolge hatte. Schmitz war ein Draufgänger, der die Frauen laut Dieterichs in Scharen an die Pisten lockte. Man kannte ihn als Perfektionisten, aber auch als Karnevalsprinz in seiner späteren Heimat Bad Ems und als eigenwilligen Paradiesvogel, der das Kostümieren liebte und nach der sportlichen Karriere seine Tankstellenkunden das ganze Jahr über mit Texaner-Hut, Baumwollhemd und Cowboystiefeln begrüßte. Dieterichs dokumentiert den ungewöhnlichen Lebenslauf, aber auch eine verhängnisvolle Jagd nach Orden, Ehrenzeichen und Medaillen – und er erzählt, wie Schmitz‘ Leben in der selbst gewählten Einsamkeit im Nordosten Spaniens tragisch endet.

Dieterichs hatte als Kind immer zugeschaut, wie der Rennfahrer an seinem Motorrad schraubte. Das war in Bad Ems, wohin es Schmitz nach dem Krieg verschlagen hatte. Die Leidenschaft fürs Motorradfahren entstand aber noch in Derendorf, wo Schmitz‘ Vater nach dem Umzug aus Duisburg an der Kanonierstraße eine Gaststätte betrieb. Das Paddeln mit einem Faltboot auf dem Rhein war nur so lange die Lieblingsbeschäftigung des Sohnes, bis es an einem Sommertag 1935 vor dem Elternhaus mächtig knatterte. Ein Schulfreund stoppte an der Ecke Kanonierstraße/Frankenstraße mit einem Motorrad und der junge Hugo durfte einige Proberunden drehen. Der Gastwirtssohn war von der Zündapp so fasziniert, dass er immer wieder zu neuen Touren drängte und solange er die Tankkosten zahlte, durfte er nun fahren. Der Autor schreibt in seinem Buch: „Erst werden die Düsseldorfer Stadtteile durchkreuzt, dann wagt sich das Duo ins Bergische Land. Von Tag zu Tag steigt der Rausch der Geschwindigkeit und damit das Interesse für die neuesten Maschinen.“

 Hugo Schmitz (r.) im Mai 1949 als strahlender Sieger beim Zementbahn-Rennen in Wuppertal. Daneben sein Mechaniker und treuer Helfer Karl-Hans Heuft.

Hugo Schmitz (r.) im Mai 1949 als strahlender Sieger beim Zementbahn-Rennen in Wuppertal. Daneben sein Mechaniker und treuer Helfer Karl-Hans Heuft.

Foto: Heuft/Privatarchiv Heuft

Dieterichs lernte sein Idol nicht nur als Kind kennen, auch später kannte man sich. „Und weil sein Leben so bunt war, musste ich ein Buch darüber schreiben“, sagt der 82-Jährige. Dies ist nun mit vielen Bildern aus der Vergangenheit erschienen.