Hühnersuppe und Tee gegen Erkältung - Hausmittel aus der Küche

Kleiner Gruß aus der Küche : Vorsicht, heiß und flüssig - Erkältungskuren aus der Küche

Bei Erkältung helfen nur Tee und Suppe. Die sollten dann aber vom Feinsten sein, findet unsere Autorin.

Na, haben Sie schon? Oder müssen Sie noch? Eine Erkältung entwickeln, meine ich. Es soll Leute geben, an denen jeder Schnupfen vorbeigeht. Ich gehöre nicht dazu. Viele hundert Euro, die Apotheker an mir verdient haben, haben mich gelehrt, dass nichts gegen eine Erkältung hilft, wenn sie erst mal da ist. Der Herr des Hauses besteht zwar darauf, ich müsse einfach kiloweise Orangen essen. Leider ist Obst das letzte, worauf ich im erkälteten Zustand Lust habe. Zu nass. Zu kalt. Zu sauer.

Als nun kurz vor Weihnachten die Halsschmerzen einsetzten, einigten wir uns darauf, dass er mir die Orangen auspresst. Wie ich so das Glas Saft betrachtete, durchzuckte eine Erkenntnis mein sich matschig anfühlendes Hirn: Flüssigkeiten sind die einzig sinnvolle kulinarische Reaktion auf eine Erkältung.

Ja, okay: „Bei Erkältung viel trinken!“ haben Sie wahrscheinlich schon mal irgendwo gelesen. Aber ich rede ja nicht davon, dass Sie die verstaubte Packung Erkältungstee von der hinteren Schrankwand pulen, an der sie dank einer Schicht aus Honig und Bratfett klebt.

Wenn schon Tee, dann bitte vernünftigen – das gilt auch, wenn man nicht erkältet ist. Mit einem losen Schwarztee aus dem Fachhandel kann man sich für wenig Geld etwas enorm Gutes tun, finde ich. Und schwarzer Tee soll anti-entzündliche Eigenschaften haben, ist also entgegen landläufiger Meinung bei Halsschmerzen zu empfehlen.

Ich trinke gerade einen sehr runden, weichen, zugleich milden Schwarzen. Gekauft habe ich ihn in einem kleinen Laden in Sachsen-Anhalt. Leider steht auf dem Etikett nur „Persien TGFOP“ (der Buchstabensalat steht für die Blattqualität), was alle Düsseldorfer Teehändler, die ich bisher danach fragte, eher ratlos zurückließ. Im Netz habe ich ihn aber ohne Probleme gefunden.

Wenn Sie Tee nicht ausstehen können und eher so der Limonaden-Typ sind, machen Sie sich einen Ingwer-Zitronen-Aufguss und süßen Sie mit Honig. (Ich nehme Stevia, weil ich Angst vor Diabetes habe.)

In der Redaktion der Renner ist OMI-Tee – steht für Orange, Minze, Ingwer. Warum funktionieren heiße Getränke? Weil sie etwas desinfizieren, die Schleimhäute feucht halten und ein bisschen betäuben – im Fall von Ingwer mit dem angenehmen Schmerzreiz der Schärfe.

Der Mensch jedoch lebt nicht von Tee allein. Auch wenn Erkältungen nicht gerade appetitfördernd sind. Nichts geht im Krankheitsfall über Hühnersuppe. Sorry, liebe Vegetarier – macht euch gerne ein Pilz-Süppchen, aber für mich muss es Geflügel sein.

Dass Hühnersuppe entzündungshemmend wirkt, wird schon lange vermutet. So richtig nachgewiesen wurde es nie. Jedenfalls bringt sie die Nase zum Laufen – was im Falle verstopfter Nasennebenhöhlen ein Segen sein kann.

Was mich aber mehr fasziniert als die Frage, ob Hühnersuppe wirklich „jüdisches Penicillin“ ist, wie man in den USA sagt, weil jüdische Mütter ihre Kinder im Krankheitsfall stets ausgiebig damit behandeln, ist der Herstellungsprozess an sich. Damit so eine Brühe etwas taugt, braucht man einen vernünftigen Vogel, einen Haufen Gemüse und viel Geduld. Beides ist nicht unbedingt zur Hand, wenn man – von benutzten Taschentüchern umgeben – auf der Couch liegt. Vernünftig wäre, vor Beginn der Erkältungssaison fünf bis zehn Liter Brühe und genug kleingehäckselte Einlage einzufrieren – aber wer macht so etwas?

Stattdessen habe ich bei der letzten Erkältung mit vertretbarem Aufwand in einer Dreiviertelstunde eine ziemlich gute Hühnersuppe produziert: Zwei Bio-Hühnerbeine, grob zerteiltes Gemüse (Zwiebel, Karotte, Sellerie – letzteres hatte ich in Würfeln eingefroren) und ein Glas zugekaufter Hühnerfond, plus Wasser und etwas Weißwein, Salz und Pfeffer eine halbe Stunde im Schnellkochtopf garen. Brühe abgießen und mit fein gewürfeltem Gemüse und ein paar Nudeln zehn Minuten köcheln lassen. Schmeckt wie das Werk von drei Stunden.

Besonders wirksam gegen Erkältung werden diese Flüssigkeiten übrigens durch eine magische Zutat namens „menschliche Zuwendung“. Hach, wie kitschig – ist aber so: Dass man sich besser fühlt, wenn ein netter Mensch für einen Tee oder Süppchen kocht, mag am Placebo-Effekt liegen – ist aber trotzdem die reine Wahrheit.

Kulinarik-Kolumne An dieser Stelle schreibt unsere Autorin jede Woche übers Einkaufen, Kochen und Genießen in Düsseldorf. Hier finden Sie eine weitere Folge. Anregungen bitte an ­helene.pawlitzki@rheinische-post.de.