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"Villa Oliva" in Düsseldorf: Hollywood-Mode in Unterbilk

"Villa Oliva" in Düsseldorf : Hollywood-Mode in Unterbilk

Die "Villa Oliva" wirkt wie ein Museum, in dem alle Ausstellungsstücke käuflich sind - Kleider, Hüte und Handtaschen.

Von den Wänden lächeln die Diven, die das Hollywood der 1950er Jahre glänzen ließen. Aus dem Hintergrund perlt Swing aus New York. Und auf einem eleganten Cocktailsessel mit Rosenmuster sitzt eine Lady, vom Hut bis zu den Stöckelschuhen perfekt im Stil jener Zeit gekleidet, die das Wort "Nostalgie" auf ihre Weise buchstabiert. Claudia Hoehne (43), Inhaberin der "Villa Oliva" in Unterbilk, verkauft, was sie selbst am schönsten findet: Mode mit Vergangenheit.

Sie sei schon immer etwas anders gewesen, schon damals auf dem Gymnasium. Alle trugen Jeans, sie aber liebte feine Kleider und hatte eine Schleife im Haar. Und während die anderen Mädchen in die Disco gingen, trainierte sie Stepptanz und sah Filme mit Fred Astaire und Ginger Rogers. "Ich wurde verspottet, aber das war mir egal", sagt sie und streicht ihr Kleid glatt, ein Unikat aus den 1940er Jahren mit schmaler Taille und schwingendem Rock in der Farbe reifer Himbeeren.

"Ich wollte wohl auch immer eine Diva sein", erinnert sie sich lachend. "Na, zumindest Schauspielerin." Also bewarb sie sich gleich nach dem Abitur an der Folkwangschule in Essen, 1000 Bewerber, zehn freie Plätze. Sie fiel durch, lernte Schauwerbegestalterin, als der Beruf noch Dekorateurin hieß und arbeitete in einem Geschäft, das mit Türklinken aus alten englischen Hotels handelte und mit Duschköpfen von Ozeandampfern. Bis sie schließlich vor 15 Jahren in einer ehemaligen Schusterwerkstatt ihr eigenes Reich eröffnete: die "Villa Oliva." Es dauerte nicht lange, bis Kundinnen aus ganz Deutschland anreisten und Magazine über das Kunstwerk mit Landhaus-Charme berichteten.

Ihr Sortiment ist bis heute ein Sammelsurium aus Einzelstücken: Möbel mit der Patina vieler Jahre, aber vor allem: Mode, die weit entfernt ist vom Zeitgeist der Moderne, meist von Hand genäht. Wie ein taubengraues Seidenkleid mit Blätterapplikationen und Perlenknöpfen, das in den 1940er Jahren geschneidert wurde. Oder ein Zartgeblümtes mit dem Etikett von "Horrockses", Kenner wissen, dies war Mitte des letzten Jahrhunderts der Hoflieferant der britischen Königin. Und als eine 90-jährige Millionärin aus Remscheid starb, kaufte Claudia Hoehne ihre kostbaren Kleider, darunter auch eine himmelblaue Tunika der Düsseldorfer Mode-Legende Hanns Friedrichs mit handgesticktem Monogramm.

Ihre Mode-Unikate ersteigert Hoehne oft aus den USA und ganz zeitgemäß im Internet, andere Schätze aus Stoff findet sie auf Antiquitätenmärkten meist in Belgien. Von dort stammen auch viele der Accessoires, ohne die eine Dame nun mal nicht komplett wäre: feinste Schuhe mit dem Etikett "Chaussures de luxe", Hüte, Handtaschen, mal in Krokoleder, mal mit Gobelinstickerei und Handschuhe mit Lochmuster, die das I-Tüpfelchen zum Sommerkleid sind und schmücken, nicht wärmen sollen.

Eigentlich ist die "Villa Oliva" ein kleines Modemuseum, in dem alle Ausstellungsstücke käuflich sind, bis auf die Cocktail-Sesselchen, von denen könnte sich Claudia Hoehne nicht trennen. Eines ihrer beiden Schaufenster erinnert zurzeit an Lauren Bacall, die vor wenigen Tagen gestorben ist - mit vielen Fotos, alten Zigaretten-Etuis und einem Tweetjacket, das dem Hollywood-Star sicher gut gestanden hätte. Eine Dekoration wie ein Seufzer. Solange es solche Orte gibt wie die "Villa Oliva", ist die Vergangenheit jedenfalls nicht tot, sondern quicklebendig.

Villa Oliva, Düsselstraße 26, geöffnet di. 11-14 Uhr, mi.-fr. 11-14 Uhr und 15-18 Uhr sowie sa, 11-15 Uhr.

(RP)