900-Grad-Grill aus Düsseldorf: Höllenfeuer für den Hausgebrauch

900-Grad-Grill aus Düsseldorf: Höllenfeuer für den Hausgebrauch

Ein Düsseldorfer Familienunternehmen produziert einen Gasgrill, der auf 900 Grad erhitzt werden kann. Das Gerät, das in diesem Herbst den German Design Award gewonnen hat, wird seit zwei Jahren im Familienunternehmen produziert - und soll den Markt befeuern.

Hier ist der Mann noch ein Mann: am Grill. Hier kann er der wahren Fleischeslust frönen und dem Spiel mit dem Feuer gleichermaßen. "Der Markt ist zu 95 Prozent männlich", meint Julia Wilde. Sie muss es wissen. Hatte doch ihr Schwiegervater Otto Wilde die heiße Idee, einen Grill der Extraklasse zu entwickeln, der sich auf über 900 Grad heizen lässt. Das Gerät, das in diesem Herbst den German Design Award gewonnen hat, wird seit zwei Jahren im Familienunternehmen produziert - und soll den Markt befeuern.

Der Düsseldorfer Ingenieur kann offenbar mit dem Begriff "Ruhestand" wenig anfangen. Kurz nach seinem 66. Geburtstag gründete er mit Sohn Nils, dessen Freund Alex Luik und Schwiegertochter Julia die Otto Wilde Grillers GmbH. Der Mann ist ein Tüftler, den es reizt, Dinge besser zu machen als sie sind. Und so saß die Familie mal wieder zusammen, grillte, probierte - und träumte von der Qualität amerikanischer Steakhäuser. "Otto hat dann eine Weile herumexperimentiert", erinnert sich Julia Wilde, die eigentlich mal Literatur und Kulturmanagement studiert hat und nun zuständig fürs Marketing ist. Im Keller baute er einen Prototyp und holte schließlich einen Industriedesigner mit ins Boot, "denn toll aussehen sollte unser Grill auch."

Entscheidend aber sei sein Innenleben. "Ottos O.F.B." (die Abkürzung steht für Over-Fired-Broiler, weil die Hitze von oben von zwei Infrarot-Brennern kommt) erreicht in nur drei Minuten seine Höchsttemperatur von über 900 Grad und ist startklar für Steaks aller Art. Die bekommen blitzschnell eine goldbraune Kruste, die leicht karamellisiert, innen bleibt das Fleisch saftig und zart. Beide Brenner lassen sich individuell und stufenlos regeln, dadurch sei das Gerät so vielseitig. "Man kann auch Fisch grillen", so Julia Wilde. Selbst Pizza und gegrilltes Gemüse seien nun perfekt zuzubereiten, "ebenso Schokoladenkuchen mit einem flüssigen Kern".

Erstes Kapital beschaffte sich das Unternehmen per eine Schwarmfinanzierung aus dem Internet. 330.000 Euro kamen in vier Wochen zusammen. Mit rasantem Tempo ging es weiter. Innerhalb eines Jahres wurden 2500 Geräte (Preis: 895 Euro) verkauft, längst auch in die USA, wo im Sommer eine Tochterfirma gegründet wurde, und nach Australien. Als nächstes soll die Produktpalette durch einen Elektro-Grill erweitert werden zur Nutzung in Innenräumen - Höllenfeuer für den Hausgebrauch.

(ur)