Düsseldorf: Höhenretter der Feuerwehr üben am Ergo-Turm

Düsseldorf: Höhenretter der Feuerwehr üben am Ergo-Turm

87 Feuerwehrleute probten gestern an dem Hochhaus am Victoriaplatz einen Notfall-Einsatz.

Nichts bewegt sich mehr, mitten in der Arbeit stecken die beiden Fensterputzer wegen eines technischen Defekts in ihrer Gondel fest. Und die schwebt bewegungslos an der Hochhaus-Glasfassade des Ergo-Turms am Victoriaplatz zwischen Himmel und Erde in 60 Meter Höhe. Das bedeutet: Einsatz für die Höhenretter der Düsseldorfer Feuerwehr an der Münsterstraße.

Michael Risse und seine Mannschaft rücken mit dem Gerätewagen "Höhenrettung" aus, im Gepäck die Rettungstechnik und die Gerätschaften aus der alpinen Bergrettung, das sie auf das 108 Meter hohe Turmdach schaffen. Ausgerüstet mit Seilen, Rollen und Funkgerät befreien sie die Arbeiter aus ihrer Gondel und bringen sie am Seil hängend langsam nach unten.

Was im Ernstfall genauso abläuft, war gestern nur Teil einer der regelmäßigen Übungen, bei denen sich die speziell zum Höhenretter ausgebildeten Feuerwehrmänner fit für ihre Einsätze halten. 72 Übungspflichtstunden pro Jahr müssen Düsseldorfs 50 Höhenretter leisten, um ihre Tätigkeit im absturzgefährdeten Bereich sicher aus dem Eff-Eff zu beherrschen. Michael Risse und seine Kollegen sind 365 Tage im Jahr einsatzbereit, fünf von ihnen täglich im 24-Stunden-Schichtdienst und das im gesamten Stadtgebiet und überörtlich in Neuss und im Ruhrgebiet.

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Als Teil der Feuerwehr 3 werden die Spezialisten eingesetzt, um Menschen aus Höhen und Tiefen zu retten. Dies können Arbeiter auf Hochspannungsmasten oder Antennenanlagen sein, Bauarbeiter in Baugruben oder Verletzte im 20 Meter tiefen Pumpenschacht, verletzte Dachdecker oder Kranführer oder Jugendliche, die auf Brücken herumturnen. Gesichert werden aber auch lose Fassadenteile oder wie zuletzt, als Orkan Ela über der Stadt wütete, Bäume, die auf Häuser oder Autos zu stürzen drohten. Ela hat die Anzahl der rund 120 Einsätze pro Jahr auch deutlich ansteigen lassen.

"Wir können jeden Punkt in der Stadt erreichen", erklärt Risse. Vornehmlich sind das Hochhäuser ab 23 Meter und Orte, wo eine Drehleiter nicht hinkommt. Weil keine Rettungsaktion wie die andere ist, muss der Ernstfall ständig geübt werden. Hierzu erstellten die Wehrmänner eine der höchsten Indoor-Kletteranlagen Deutschlands. Ein nicht mehr benötigter Schlauchturm wurde umgebaut. Verschiedene Schwierigkeitsgrade ermöglichen ein Training im "Klettergarten".

Eine besondere Herausforderung ist das Üben an Hochhäusern, die jenseits von 100 Meter hoch sind. Kein Wunder, dass der Ergo-Turm als Trainingsort bei den Höhenrettern beliebt ist, schließlich bietet er ideale Voraussetzungen. Bereits mehrfach hat deshalb die Versicherungsgruppe den Rettungstrupp schon bei seiner Arbeit unterstützt. Übrigens: Die Düsseldorfer Höhenretter haben keine Probleme Nachwuchs zu finden. Die Zahl der Bewerber übersteigt die Kapazität der jährlichen Lehrgänge.

(RP)
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