Hochwasser-Tourismus in Düsseldorf - Gastronomen evakuieren Kasematten

Steigender Rhein-Pegel: Hochwasser-Touristen überschwemmen das Untere Rheinwerft

Das Wasser des Rheins steht am Samstagmittag knapp unter dem Rheinwerft - ein Spektakel, das sich viele Düsseldorfer nicht entgehen lassen wollen. Doch die Hochwasser-Touristen sind ein Problem für die Gastronomen, die die Kasematten evakuieren.

"Kommt, wir gehen uns den Rhein angucken", ruft ein Vater auf dem Burgplatz seinen beiden Kindern zu. Sein Sohn läuft schon mal vor, seine Tochter eher nicht. Ingesamt scheint Hochwasser-Gucken am Rhein den Herren mehr zu gefallen als den Damen: Meist sieht man sie an der Brüstung mit großer Geste technische Details zu Schifffahrt, Strömungsgeschwindigkeit und Hochwasserschutz erklären. Währenddessen lassen ihre Frauen die neue Naturgewalt Rhein erst mal stumm auf sich wirken. Dann macht einer von beiden noch ein paar Fotos, vielleicht ein Selfie vor dem mächtigen Strom - um schließlich gemütlich weiterzuschlendern.

Was für Düsseldorfer und Touristen gleichermaßen kostenlose Unterhaltung ist, bedeutet für die Gastronomen der Kasematten harte Arbeit: Schnellstens müssen Tische, Bänke, Heizpilze, Trennwände, Regenschutze und Bodenplatten abgeräumt werden, denn wahrscheinlich steht hier ab Sonntag alles unter Wasser. Seit acht Uhr sei man am Abtransportieren, sagt Simone Küffner, Assistentin der Geschäftsführung der Weißen Flotte. "Hier draußen kommt heute noch alles weg, egal wie lange es dauert." Morgen wolle man dann mal gucken, ob man auch die Innenräume der Gastronomie komplett leer räumen müsse. "Vielleicht reicht es auch, wenn wir die Möbel hochstellen."

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Ein Problem seien allerdings die Hochwasser-Touristen. "Man kann es ja nicht verbieten, dass die Leute hier auf dem Unteren Rheinwerft rumlaufen", sagt Küffner und seufzt. "Aber man könnte ja auch von da oben gucken." Sie zeigt auf die Rheinpromenade. Das Rangieren mit den Lkws ist schwierig für die Gastronomen, wegen der vielen Passanten und dem ein oder anderen Fahrradfahrer. Küffner rief deshalb in einem Facebook-Forum bereits dazu auf, ihre Crew bei der Evakuierung der Kasematten nicht zu behindern. Allerdings - das zeigt der Blick auf die vielen Menschen auf dem Unteren Rheinwerft - vergeblich.

(hpaw)