Hochwasser im Rheinland: Touristen und Gaffer am Ufer

Von Düsseldorf bis Xanten: So ist die Hochwasser-Lage in der Region

Rhein-Hochwasser in der Region: Pegel erreichen ihren Höhepunkt

Am Montagnachmittag ist die Lage am Rhein weiter angespannt. Der Höhepunkt der Hochwasserwelle hat Köln erreicht. In Düsseldorf wird der Scheitelpunkt in der Nacht zu Dienstag erwartet.

In Düsseldorf sieht man dem Scheitelpunkt in der Nacht zu Dienstag entgegen, erwartet werden nach Angaben eines Sprechers rund 8,40 Meter. Am Montagmittag wurde das untere Rheinwerft geflutet, ein Fluttor geschlossen und eine Leitwand für den Rhein aufgebaut.

Nach Angaben der Stadtverwaltung vom Montag mussten Gastronomen im Bereich der inzwischen überschwemmten Rheinpromenade ihre Außeneinrichtung in Sicherheit bringen. Der Höchststand der Flut sollte in der Nacht mit etwa 8,40 Metern erreicht werden. Die Feuerwehr in Düsseldorf berichtete, dass man am Sonntag zu einer überschwemmten Tiefgarage ausrücken musste.

In Köln erreichte der Pegel gegen Mittag die Marke von 8,77 Metern und lag damit im Bereich des vorhergesagten Höchststands. In der Stadt ging man davon aus, dass bei rund 8,80 Metern Schluss sein werde. "Dann wird es etwas stagnieren und im Laufe der nächsten Tage wieder sinken", sagte der Leiter der Hochwasserschutzzentrale, Rafael Vedder. Auch in anderen Städten am Rhein wurde mit einer nahen Trendwende gerechnet.

Im ganzen Stadtgebiet sind 13 Hochwasserpumpwerke in Betrieb. Die Schifffahrt auf dem Rhein ist in weiten Teilen eingestellt. Die Behörden schlossen in einigen Bereichen die Fluttore, zudem wurden mehrere hundert Schieber geschlossen, die verhindern sollen, dass Rheinwasser in die städtische Kanalisation läuft.

Die Rheinpromenade zwischen Severinsbrücke und Hohenzollernbrücke ist überschwemmt. Am Sonntagabend rettete die Feuerwehr im Kölner Stadtteil Rodenkirchen eine Frau, die mit ihrem Auto im Wasser stecken geblieben war. Am Montag rettete die Feuerwehr einen Mann aus dem Hochwasser. Nach eigener Aussage wollte er einen Reifen einsammeln, der im Wasser trieb.

Am Wochenende zogen Hochwassertouristen mit ihren Handy-Kameras an den Strom. Ausflügler genossen in Düsseldorf den Ausblick vom Gastraum der "Extratour zum alten Rhein" über die überflutete Urdenbacher Kämpe.

Treibgut bedroht Yachtsteege

In Leverkusen-Hitdorf drängten sich am Sonntag die Hochwassertouristen an verschiedenen Aussichtspunkten. Trotz Barrikaden, die die Stadt an allen Zufahrtsstraßen zum Rhein positioniert hatte, ließen sich die Gaffer nicht abhalten. Sicherheitspersonal wachte über Zufahrten, auch um Metalldiebe von den Hochwasserschutztoren fernzuhalten. Die Yachtclubs sicherten ihre Steege gegen das Treibgut.

In Meerbusch sperrte das Ordnungsamt eine Zufahrt zu einem Hotel. Gleichzeitig waren am Rheinufer kaum noch Parkplätze zu finden, das Hochwasser hatte viele Spaziergänger nach Langst-Kierst gezogen. Dort standen Bäume, Straßenschilder und Zäune am Rheinufer schon tief im Wasser. Auch auf den umliegenden Wiesen hatte sich schon viel Wasser angesammelt.

Der Schiffsverkehr ist eingestellt

Der Schiffsverkehr auf dem Rhein ist zwischen Duisburg und Koblenz auf einer Strecke von rund 180 Kilometern weitestgehend zum Erliegen gekommen. " Im Ruhrorter Hafen ist derzeit alles voll", sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei Duisburg.

In Dormagen erwartet Deichgräf Joachim Fischer zwar nicht, dass der Kölner Pegel die kritische Marke von 9,50 Meter erreicht, dennoch wäre er gerüstet, um die Deichtore im Notfall zu schließen. Die Feuerwehr hat am Samstag auf dem Areal der Umschlag Container Terminal GmbH (UCT) an der Sachtlebenstraße eine mobile Hochwasserschutzwand aufgebaut. Sandsäcke wurden noch nicht gefüllt. In Zons retteten Tierschützer drei Kaninchen in einem aufwändigen Einsatz mit zwei Schlauchbooten.

Hier geht es zu den aktuellen Pegelständen.

Die Feuerwehr Neuss hat am Samstagnachmittag zwei Männer und deren Hunde vor dem Hochwasser gerettet. Die beiden Männer hatten mit ihrem gesamten Hab und Gut sowie ihren Hunden auf der Ölgangsinsel übernachtet. Im Prinzip ist der Bereich als ufernahes Areal gut zugänglich. Die beiden Männer wurden vom ansteigenden Wasserstand des Rheins in der Nacht überrascht, vom Festland abgeschnitten und waren sozusagen auf einer "Insel" aufgewacht.

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In Krefeld sind Absperrungen am Rhein aufgestellt. Während viele Ausflügler das steigende Wasser am Rheindeich anschauten, warnte ein Sprecher der Feuerwehr: " Gefährlich wird es allerdings, wenn die Leute die Absperrungen missachten."

Vom Hochwasser eingeschlossen

Das Dorf Köln-Kasselberg ist durch das Hochwasser zur Insel geworden. Die Anwohner des Stadtteils im Kölner Norden kennen die Unannehmlichkeiten die der Rhein mit sich bringen kann. Ihre Häuser liegen noch vor der sogenannten Hochwasserschutzlinie. Mit dem Wassertaxi, einem Unimog der DLRG sind sie noch an die Außenwelt angeschlossen.

Familie Winter aus Düsseldorf hat inzwischen das Boot für den Heimweg im Einsatz. Ihr Haus am Rhein ist seit Samstag vom Wasser umspült. Die Familie gibt sich gelassen, schließlich hat sie in den Jahren 2011 und 1995 Schlimmeres erlebt.

Gelassenheit am Niederrhein

Am Niederrhein ist das Hochwasser eine Abwechslung für Tiere. In Weeze gehen Hirsche und Rehe offenbar freiwillig ins Wasser, denn genügend trockene Rückzugsorte waren im Wildpark am Sonntag noch vorhanden. Der Niersverband sieht angesichts des Hochwassers positive Auswirkungen der Renaturierung. Der Fluss wurde bei Wetten verbreitert und es wurden Rückhalteflächen geschaffen, sodass der Pegel entlastet wurde.

In Voerde wacht Deichgräf Ingo Hülser über den Pegel. Einmal am Tag wird dort der gesamte Deich abgelaufen und kontrolliert. Treibgut auf dem Fluss stellt derzeit die größte Gefahr für den Deich dar. Größere Stücke könnten sich verfangen und den Deich beschädigen. Auch die Bezirksregierung Düsseldorf war als übergeordnete Behörde bereits vor Ort, um den Deich zu überprüfen.

In Xanten steht die Bislicher Insel nahezu komplett unter Wasser. Rhein und Altrhein sahen am Sonntag fast so aus wie eine einzige Wasserfläche. Dennoch zeigte sich die Lage dort besonders entspannt. Selbst die Fähre zwischen Walsum und Orsoy fuhr noch.

Bahnhof in Bad Honnef wegen Hochwassers geschlossen

Die Bahn fährt seit Sonntagabend den Bahnhof in Bad Honnef nicht mehr an. Dort habe das Hochwasser eine Bahnsteigunterführung überschwemmt. Der Bahnhof in Bad Honnef ist nach Angaben eines Bahnsprechers der einzige in Nordrhein-Westfalen, der wegen des Hochwassers gesperrt werden musste. Das Wasser werde derzeit abgepumpt. Man hoffe, dass der Bahnhof am Montagnachmittag wieder freigegeben werden könne.

Ausblick auf steigendes Grundwasser

Fachleute erwarten zugleich, dass nach dem tagelangen Rhein-Hochwasser auch das Grundwasser langsam steigen wird. Die Feuerwehr in Köln teilte mit, im Ernstfall vorbereitet zu sein, um bei volllaufenden Kellern zu helfen. Bislang gebe es aber keine Probleme.

Mit der Scheitelwelle des Hochwassers kommt auch ein Ende der umfangreichen Fahrverbote für die Schifffahrt in Sicht. Die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt des Bundes rechnete damit, dass im Verlauf der Woche schrittweise alle Schifffahrtssperren auf dem Rhein aufgehoben werden können. Allerdings könnte es noch weiterhin Einschränkungen wie das Fahren mit reduzierter Geschwindigkeit geben.

(Mit Material von dpa und afp)

(woa)