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Hochwasser Düsseldorf: Das große Aufräumen hat begonnen

Hochwasser in Düsseldorf : Das große Aufräumen hat begonnen

Am Freitag hat sich die Düssel stark zurückgezogen – es bleiben unzählige Aufräumarbeiten für Feuerwehr und Anwohner. Einige Betroffene in Vennhausen und im südlichen Gerresheim fühlen sich dabei allein gelassen.

Am Freitag hat sich die Düssel weitestgehend in ihr Flussbett zurückgezogen. Einen Pegelstand von 1,10 Meter meldete die Feuerwehr am Morgen – am Donnerstag hatte der Fluss eine nie dagewesene Höhe von 3,01 Meter erreicht. „Die Düssel ist so sprunghaft gefallen, wie sie gestiegen ist“, sagt ein Feuerwehrsprecher. Nun ist das Wasser größtenteils von den Straßen in Düsseldorf verschwunden, zurück bleiben nasse Keller und unzählige Aufräumarbeiten für Feuerwehr und Anwohner.

Auf den Straßen im südlichen Gerresheim und in Vennhausen etwa reichen aus beinahe jedem Keller Schläuche, die das Wasser aus dem Gebäude in die Kanalisation leiten. Die Anwohner haben aufgeweichte Möbel und ihr zerstörtes Hab und Gut auf die Straßen geräumt – am Samstag wird der Sperrmüll eingesammelt. In der alten Meistersiedlung der Glashütte am südlichsten Zipfel von Gerresheim hatte sich in der Nacht zu Donnerstag die Düssel wie ein reißender Strom ihren Weg durch die Straßen gebahnt, alle Keller waren vollgelaufen. Während an der ebenfalls stark betroffenen Ostparksiedlung Sandsäcke gestapelt wurden, seien die Anwohner hier auf sich gestellt gewesen, sagt Hildegard Düsing-Krems. „Uns hat hier keiner geholfen.“ Die Nachbarschaft fühle sich abgehängt und uninformiert. Hätten die Bewohner des Viertels früher gewusst, dass sie ebenfalls stark betroffen sein könnten, hätten sie rechtzeitig Gegenstände aus den Kellern retten können, sagt Waltraud Loose. Stattdessen sei sie nachts vom Rauschen des Wassers im Keller wach geworden – da war es schon zu spät.

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In Vennhausen hat das Hochwasser wohl auch ein Todesopfer gefordert. Am Donnerstagabend fanden Einsatzkräfte einen 57 Jahre alten Mann in seiner Souterrain-Wohnung tot auf. Die Todesursache werde zwar noch untersucht, die Einsatzkräfte gehen aber davon aus, dass der Mann in seiner Wohnung ertrank. Der gesamte Straßenzug habe unter Wasser gestanden, sagt Feuerwehrsprecher Stefan Gobbin, 40 Keller waren vollgelaufen. Fünf Stunden habe es gebraucht, um das Wasser abzupumpen. Auch die Kellerwohnung des 57-Jährigen war fast vollständig vollgelaufen, so Gobbin. „Wir konnten leider nur noch den Leichnam bergen.“

Rund 1700 Einsätze zählte die Feuerwehr bis zum Freitagmorgen, etwa 300 stehen noch aus. „Damit haben wir ungefähr das Niveau des Unwetters Ela erreicht“, sagt Stefan Gobbin. Bei dieser Vielzahl an Notrufen habe die Feuerwehr priorisieren müssen. Die höchste Dringlichkeit haben Einsätze, bei denen Leben gefährdet sind, aber auch große Vermögenswerte müssen geschützt werden. So haben die Feuerwehrleute teure Kunstwerke aus einer Galerie in der Altstadt gerettet. „Ich kann gut verstehen, dass sich die Leute allein gelassen fühlen“, sagt Gobbin. Habe das Wasser jedoch einmal die Straßen und Häuser erreicht, gebe es kaum Möglichkeiten es abzupumpen. Es bleibe nur zu warten, bis der Pegel sinkt.

Mittlerweile kämen aber immer weniger neue Notrufe rein, so der Feuerwehrsprecher. Nun gelte es, das Stadtgebiet von den überschwemmten Gebieten zu befreien. Das gestalte sich als recht schwierig, da der Boden extrem durchnässt sei. „Wenn wir Wasser abpumpen, kommt aus dem Boden direkt neues Wasser nach“, sagt Gobbin. In der Meistersiedlung haben sich die Anwohner selbst beholfen: Stromgeneratoren, Pumpen und Trocknungsgeräte haben sich die Betroffenen über Bekannte besorgt, da sie im Einzelhandel vergriffen sind.

Der abgestellte Strom und fehlendes warmes Wasser sorgen ebenfalls für Ärger. Manche wünschen sich mehr Hilfe seitens der Stadt, wie unter anderem in zahlreichen Posts in sozialen Netzwerken deutlich wird. Vom Stromnetz genommen wurden vor allem Gebäude in der Ostparksiedlung, wie die Netzgesellschaft mitteilt. Insgesamt handelt es sich laut Stadtwerketochter um 350 Hausanschlüsse. Hinzu kämen weitere einzelne Straßenzüge in Gerresheim und Vennhausen entlang der südlichen Düssel. Das Problem laut Sprecherin Yvonne Hofer: „Solange das Hochwasser besteht, ist eine Zuschaltung des Stroms aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Die Entwicklung der Lage beobachten wir fortwährend in enger Abstimmung mit dem Krisenstab der Stadt.“ Auch die Anwohnerschaft wird um Mithilfe gebeten (0211/821 2626). So muss die Netzgesellschaft die Informationen zusammentragen, welche die Keller wieder trocken sind. Erst wenn das in zusammen versorgten Gebieten in jedem Einzelfall gegeben ist, kann der Strom für alle Häuser dort gleichzeitig wieder fließen.

In Vennhausen werden derweil Rufe nach einem verbesserten Hochwasserschutz laut. So fordert die CDU-Fraktion in der Bezirksvertretung 8, dass der Hochwasserschutz am Düssel-Spaltwerk direkt hinter der Meistersiedlung überprüft wird. Ein Deich zwischen Spaltwerk und Bahntrasse wäre denkbar. Zudem solle die Renaturierung der Düssel beschleunigt werden – so schaffe man Überschwemmungsflächen, auf denen das Wasser versickern kann.

Die starken Regenfälle hatten in Düsseldorf vor allem die innerstädtischen Gewässer anschwellen lassen. Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) sprach von einem „Jahrtausendhochwasser“. Rund 400 Feuerwehrleute sind seit Dienstag beinahe durchgehend im Einsatz. Die Folgen des Starkregens legten Düsseldorf vielerorts lahm. Wohngebiete wurden geflutet, Ampeln fielen aus, Busse und Bahnen fuhren nicht mehr und das Marienhospital war zeitweise ohne Strom.

Auch weitere Ampeln sind aufgrund des Hochwassers irreparabel  ausgefallen, wie die Stadt mitteilt. Neben den Anlagen an den Kreuzungen am Worringer Platz und an der Henkelstraße/Furtherstraße/Altenbrückstraße sind zusätzlich die Kreuzungen Hellweg/Flinger Broich sowie Dreherstraße/Diepenstraße/Bertastraße/Hallesche Straße betroffen. Die Instandsetzung kann laut Amt für Verkehrsmanagement zwei bis vier Wochen dauern, „da umfangreiche Abstimmungen und Klärungen zu Kabelarbeiten sowie zur Verfügbarkeit neuer Steuergeräte notwendig sind“.

Nahezu glimpflich davongekommen sind die Kirchengemeinden in Düsseldorf, meldete der Evangelische Kirchenkreis Düsseldorf. Es gab kleinere Schadensmeldungen aus Eller, Düsseltal, Mörsenbroich und Garath. So standen etwa der Keller der Schlosskirche in Eller unter Wasser, die Kapelle der Matthäikirche in Düsseltal, die Thomaskirche in Mörsenbroich und in der Kindertagesstätte an der Julius-Raschdorff-Straße in Garath. Die Gerresheimer Gemeinde hat an der Kirche eine Fürbittenwand eingerichtet „um einen Ort des Gebets zu schaffen“.

Im Kino Cinestar in Oberkasssel ist Wasser durch die Kanalisation eingedrungen, die Technik ist ausgefallen. Das Kino bleibt bis Dienstag geschlossen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Aufräumarbeiten in Düsseldorf haben begonnen