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"Placebo" in der Philipshalle: Hochdosierte Gitarren

"Placebo" in der Philipshalle : Hochdosierte Gitarren

Die Rockband Placebo spielte in der Philipshalle - und bot ihren Fans einmal mehr eine gefühlsmäßige Achterbahnfahrt. Hits wie "Every you every me", "Special K" und "Infrared" durften dabei nicht fehlen.

"Hallo Düsseldorf, wir sind die Damen und Herren aus Placebo": Mit putzigen deutschen Worten betrat die Band um Frontmann Brian Molko, Bassist Stefan Olsdal und Drummer Steve Hewitt die Bühne in der Philipshalle. Die Fans etwas reifer als beim vorherigen Mal, die Band ebenfalls - aber mitnichten in die Jahre gekommen.

Denn Placebo sind ein Phänomen: Bei den meisten ihrer Lieder gelingt es der Band, mit simplen Mitteln eingängige Melodien und Refrains zu kreieren -ohne dabei jemals einfältig zu wirken. Im Gegenteil: Placebo-Songs wirken stets wie ein hochdosiertes, auf engsten Raum komprimiertes Emotionsgemisch, das haarscharf am Wahnsinn vorbei balanciert. Ähnlich strukturiert sind auch die Konzerte - emotionale Achterbahnfahrten, auf denen sich Euphorieausbrüche mit Wellentälern abwechseln.

Anfangs köchelt die Band noch auf Sparflamme. Den Auftakt macht "Infrared", "Meds" wirkt ohne die begleitende Frauenstimme etwas kraftlos. Erst beim siebten Titel, "Song to say goodbye", hat man den Eindruck, bei einem Rockkonzert zu sein - erstmals greift die Band richtig in die Saiten. Spätestens mit der von atmosphärischen, lilafarbenen Lichtkegeln umspülten Ballade "Follow the cops back home" sind dann fast alle der lediglich 4600 Fans gewonnen. "Every you every me", wohl eines der bedeutendsten Lieder der 90er und verdammt nah dran am perfekten Popsong, kommt als rotziger Kracher daher, dem dadurch jedoch etwas die Tiefe verloren geht.

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Mit anderen Titeln, die auf Platte eher bieder wirken - "One of a kind" etwa - machen Placebo wiederum deutlich, dass sie eine Live-Band sind. Sie variieren Tempo und Gesangslinien, lassen Hits zugunsten seltenerer Titel beiseite. Stets begleitet werden die Songs von kurzen Filmclips in Endlosschleife - von marschierenden Robotern, Riesenrädern oder Babys etwa.

Nach "Special K" und "The bitter end" kocht die Halle - doch der emotionale Dämpfer folgt sofort. Schon nach einer Stunde und zehn Minuten verlässt die Band die Bühne, zwei Zugaben später ist endgültig Schluss. Ein Placebo-Konzert muss nicht zwangsläufig lang sein. Intensiv war es allemal.

(RP)