Historische Pelikan-Apotheke darf trotz Treppenstufen wiedereröffnen

Streit um drei Stufen am Eingang zu Ende: Historische Apotheke darf doch wiedereröffnen

Wegen drei Stufen am Eingang hatte die Stadt Eigentümerin Dorothee Knell bislang eine Wiederinbetriebnahme verweigert.

Dorothee Knell ist glücklich, aber vor allem auch sehr erleichtert. Seit vergangenem Sommer kämpft sie dafür, ihre historische Pelikan-Apotheke in Unterbilk wiedereröffnen zu dürfen. Bislang vergebens. Denn weil die Apotheke mit der Original-Einrichtung von 1891 nicht nahtlos von einem Apotheker an den nächsten übergeben wurde, gilt der Bestandsschutz nicht mehr und stehen die drei Treppenstufen am Eingang einer Wiederinbetriebnahme im Weg. Denn laut Apothekenbetriebsordnung von 2012 müssen Apotheken barrierefrei zugänglich sein: Das Klingel-System an der Pelikan-Apotheke erfüllt diese Vorgabe nicht. Die Stadt hat deswegen die Wiederinbetriebnahme abgelehnt — bis jetzt.

Im langwierigen Prüfungsprozess, an dem Gesundheits-, Bauaufsichts- und Rechtsamt involviert waren, ist abschließend festgestellt worden, dass die gesetzliche Vorgabe vor Ort nur durch die Installation eines sogenannten Treppenplattformlifts umzusetzen wäre. „Dieser würde aber gut 40 bis 45 Zentimeter des öffentlichen Bürgersteigs in Beschlag nehmen. Zudem wären die Fluchtwege versperrt", sagt Knell. Die Apothekenbetriebsordnung ermöglicht in begründeten Fällen allerdings auch Ausnahmen vom barrierefreien Zugang. Deswegen darf die Apotheke nun trotz der Stufen wiedereröffnet werden. „Ich bin froh und glücklich, dass die zuständige Behörde so positiv mitgewirkt hat, damit die Apotheke fortgeführt werden kann und damit eine beliebte Institution und ein Wahrzeichen Unterbilks erhalten bleiben kann", sagt Knell.

In den Schaufenstern der Apotheke an der Martinstraße nahe der Bilker Kirche hängen zwar noch Zettel, dass die Pelikan-Apotheke wegen eines Eigentümerwechsels und der Drei-Stufen-Problematik vorläufig geschlossen bleibt. Doch das soll sich schnell ändern. Knell sucht nach einem Nachmieter, der die Apotheke als solche fortführt, mit der Original-Nussholz-Einrichtung, die den Charme der Offizin ausmacht. An der Einrichtung hatte einst sogar das Heidelberger Apotheker-Museum Interesse gezeigt. Knell hofft, dass sich ein Mieter für die beliebte Apotheke schnell finden wird: „Viele Menschen im Stadtteil hängen an dieser Apotheke, haben mir auch geschrieben, dass sie fassungslos sind, dass sie wegen drei Stufen nicht wiedereröffnet werden kann. Auch Menschen im Rollstuhl." Nur wenn sich kein Nachfolger findet, könne sie sich vorstellen, die Räumlichkeiten für einem anderen Zweck zu vermieten.

Bis 2015 hatte Dorothee Knell die Apotheke noch selbst in vierter Generation geleitet, dann aber sich schweren Herzens zur Aufgabe entschieden, um sich mehr um ihre Kunst und ihr Privatleben in Bayern zu kümmern. Ihrem Nachmieter kündigte sie wegen eines Mietrückstandes im vergangenen Jahr, seit Sommer 2018 ist die Apotheke geschlossen.

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