Düsseldorf: Himmelgeister Kastanie droht Fällung

Düsseldorf: Himmelgeister Kastanie droht Fällung

Ein Pilz zerstört den berühmten Baum. Das Gartenamt schließt eine Fällung aus Sicherheitsgründen nicht aus. Der Freundeskreis will das nicht hinnehmen: Er beruft sich auf ein Versprechen von Joachim Erwin aus dem Jahr 2006.

Der berühmteste Baum der Stadt sorgt wieder für Aufregung. Der Freundeskreis der Himmelgeister Kastanie ist besorgt, dass die Stadt erneut über eine Fällung nachdenkt. Grund ist das Protokoll eines Treffens mehrerer Ämter zum Hochwasserschutz, das vor einigen Tagen stattfand. "Bei der Sichtprüfung wurde festgestellt, dass die Vitalität des Baumes seit einiger Zeit abnimmt", heißt es in dem Schreiben. "Eine Ersatzpflanzung im direkten Umfeld wurde bereits von der ULB (Untere Landschaftsbehörde, Anm. d. Red.) vorgenommen und ist bei der weiteren Planung zu berücksichtigen", heißt es in dem Protokoll weiter.

Die Baumfreunde befürchten angesichts dieser Aussagen, dass die Stadt bald mit der Axt gegen den Baum anrückt, um den sich in den vergangenen Jahren ein reges Kulturleben entwickelt hat. Die Kastanie, die als Wahrzeichen von Himmelgeist und Itter gilt, hat inzwischen sogar eine eigene Postanschrift, an die tausende Briefe geschickt wurden. Der Freundeskreis will den Baum auf jeden Fall erhalten. "Wir werden gegen eine Fällung protestieren", sagt Andreas Vogt.

Das Gartenamt bestätigt den Inhalt des Protokolls. Es sei unklar, wie lange die Verkehrssicherheit der Kastanie noch gewährleistet sei. "Die Kastanie stirbt ab und man sieht es ihr an", sagt die Leiterin des Gartenamts, Doris Törkel. Der Baum sei von der Pilzkrankheit Phytophthora befallen, die ihm immer weiter zusetze. Der Pilz zerstöre Leitungsbahnen, weshalb der Baum sich immer schlechter versorgen könne. Zudem habe die mehr als 200 Jahre alte Kastanie ihr Höchstalter erreicht. Der Baum nähere sich dem Punkt, an dem die Stadt zur Sicherheit zum Beispiel von Spaziergängern einschreiten müsse. "Wir müssen irgendwann entscheiden, den Baum zu fällen", sagt Törkel. Konkrete Pläne gebe es aber noch nicht.

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Der Freundeskreis will eine Fällung nicht hinnehmen. Andreas Vogt hält das Argument der Verkehrssicherheit für unsinnig — schließlich stehe der Baum mitten auf freiem Feld im Naturschutzgebiet. Er wünscht, dass das Gartenamt alle Möglichkeiten prüft, den Baum zu erhalten und zugleich die Sicherheit zu gewährleisten, zum Beispiel durch einen Zaun, ein Hinweisschild oder Stützen für die Äste. "Dann kann der Baum so lange leben, bis er von allein umfällt." Auch der Freundeskreis bemerkt aber, dass die Kastanie morsch wird: In der Krone befinde sich viel totes Holz, sagt Vogt. Erstmals hat der Freundeskreis aus Sorge vor herabfallenden Ästen in diesem Jahr darauf verzichtet, dass Kinder aus einer Förderschule in Holthausen beim Laubkehren helfen.

Vogt beruft sich gegen die Fällpläne auf ein Versprechen, dass der damalige Oberbürgermeister Joachim Erwin 2006 gegeben habe. Damals hatte die anstehende Fällung viel Protest ausgelöst: Unterstützer sammelten 2400 Unterschriften für den Erhalt des Baumes. Aus dem Protest entwickelte sich der Freundeskreis. Bei der Übergabe der Unterschriften habe Erwin zugesagt, dass die Kastanie nicht gefällt wird.

Mit regelmäßigen Begutachtungen will das Gartenamt weiter verfolgen, wie es um den Baum steht. Gartenamtsleiterin Törkel betont, dass es im Interesse des Amts liege, alte Bäume möglichst zu erhalten. Man wisse auch um die besondere Bedeutung der Kastanie für viele Menschen — trotzdem habe jeder Baum sein Höchstalter. "Die Kastanie ist eine alte Kreatur", sagt Törkel. Deshalb habe man in der Nachbarschaft bereits einen neuen Baum gepflanzt. "Als Symbol."

(RP)
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