Staatsministerin händelt Kind und Karriere: Hildegard Müller: Die Karriere-Mutter

Staatsministerin händelt Kind und Karriere : Hildegard Müller: Die Karriere-Mutter

Kind und Karriere? Für Staatsministerin Hildegard Müller (CDU) ist das selbstverständlich. 15 Monate hat sie für ihre Tochter Sarah den Job ruhen lassen. Am 2. Januar kehrt sie an den Schreibtisch im Kanzleramt zurück.

Politik ist manchmal ein trockenes Geschäft. Offenbar hat die kleine Sarah das mit der Muttermilch aufgesogen. Denn die Einjährige liebt zurzeit vor allem eins: trockenes Brot, am besten einen Tag alt. Es gibt weitere Indizien dafür, dass die Tochter von Staatsministerin Hildegard Müller später der Mutter in die Politik folgen könnte: Sie blättert jetzt schon ausgiebig in Büchern, fliegt unglaublich gerne und nutzt die Zeit über den Wolken oft für ein erholsames Schläfchen. Top-Politiker und Manager machen's nicht anders.

Den Wiedereinstieg ins volle Berufsleben erleichtert das der Düsseldorfer CDU-Bundestagsabgeordneten Müller jedenfalls. Ab 2. Januar sitzt sie wieder an ihrem Schreibtisch im Kanzleramt und sagt zu den vergangenen Monaten: "Ich möchte diese Zeit nicht missen, Sarah aufwachsen zu sehen."

Wobei: Ganz raus war sie ja nie. "Es war kein klassischer Totalausstieg", sagt die 40-Jährige. Beim Bundesparteitag war sie dabei, seit einem Jahr verbringt sie die Sitzungswochen des Bundestags in Berlin, hinzu kommt ihr vielfältiges Engagement - etwa für die Yad-Vashem-Stiftung, Donum Vitae oder den Wirtschaftsrat der CDU. Mit ihrem Vertreter Hans Bernhard Beus war sie in ständigem Kontakt, mit Kanzlerin Angela Merkel auch. Das Wirtschaftsmagazin "Impulse" kürte Müller in der Babypause sogar zur besten Wirtschaftspolitikerin unter 45. Auch das ein Beleg dafür, dass sie nie richtig weg war.

"Mir war wichtig, das aufbauend zu steigern", sagt die Düsseldorferin. Damit sich auch Sarah an den Wiedereinstieg gewöhnt. Müllers Kollegin, Kanzler-Beraterin Eva Christiansen, ist vor einigen Monaten in Teilzeit zurückgekehrt. Kein Modell für Hildegard Müller: "Ich werde vom ersten Tag an wieder voll im Kanzleramt sein." Zunächst werde sie durchs Haus gehen und alle begrüßen, mit Kanzleramtsminister Thomas de Maizière ist ein Treffen vereinbart, am 4. und 5.Januar steht Klausurtagung auf dem Programm.

Sarahs Papa und Müllers Lebensgefährte, Johannes Bickel, wohnt und arbeitet in Heidelberg - das Pendeln war für Sarah also von Geburt an Alltag. Nun wird sie Berlinerin, zumindest soll die Hauptstadt konstanter Lebensmittelpunkt für ihr Kind werden, betont Müller. Und auch die Vertraute der Kanzlerin kann ein Lied singen von der Suche nach einem Betreuungsplatz für unter Dreijährige. Mit viel Glück hat sie jetzt einen Platz in der Tagesstätte des Bundestags ergattert: "Dort sind nämlich erst die Mitarbeiter dran und dann die Abgeordneten." Dafür sind die Öffnungszeiten flexibel - anders sei die "Familienlogistik" gar nicht zu bewältigen.

"Politik ist schnelllebig, wenn man erwischt wird und nichts weiß, kann man sehr schnell raus aus dem Spiel sein", weiß die Bundestagsabgeordnete aus dem Düsseldorfer Norden. Deshalb hat sie natürlich alle wichtigen Themen drauf: Der inzwischen verworfene SPD-Vorschlag, Kinderrechte in die Verfassung aufzunehmen, war in ihren Augen "reine Placebo-Politik", weil dadurch nichts verhindert werde. Besser sei es, etwa das Hebammennetzwerk zu nutzen, um rechtzeitig auf Schwierigkeiten in Familien aufmerksam zu werden. Stammzellforschung, Bürokratieabbau, Post-Mindestlohn, Erbschaftssteuer und natürlich den zweiten Teil der Föderalismus-Reform, der 2008 ansteht und in Müllers Zuständigkeit gehört. "Die Finanzbeziehungen zwischen den Ländern sollen neu geregelt werden." Extrem trocken Brot also. Ein Fall für Sarah.