Düsseldorf: Hier wird sogar der alte Toaster repariert

Düsseldorf: Hier wird sogar der alte Toaster repariert

Wegwerfen ist out, kaputte Gegenstände wieder auf Vordermann zu bringen, dagegen angesagt. Am Wochenende trafen sich wieder viele Bastler und Tüftler im Repair-Café, um Haushaltsgeräte und Liebhaberstücke zu reparieren.

Wuselig ist es in dem kleinen Raum ganz am Ende des Hinterhofs an der Bilker Allee 217. Dicht an dicht drängeln sich Menschen an Werkbänken und kleinen Tischen. Ab und zu wird es laut, wenn gehämmert, gebohrt oder gesägt wird, fachmännisch sind dabei die Blicke der einen, bangend die der anderen. Ob es das mitgebrachte Stück wohl schafft, dem Mülleimer zu entgehen? Das ist die alles entscheidende Frage, mit der die Besucher des Repair-Cafés des Vereins "Garage-Lab" gekommen sind. Den ganzen Samstagnachmittag wurde in den Räumen des Vereins getüftelt und gebastelt. Erfolgsquote: 65 Prozent.

"Wir haben das Café ins Leben gerufen, weil wir gemerkt haben, dass es bei den Menschen einen großen Bedarf danach gibt, Haushaltsgeräte selbst zu reparieren. Viele kommen mit Geräten, die noch fast neu und zu schade zum Wegwerfen sind. Und es ist auch eine Frage des Preises: Nicht jeder kann es sich leisten, Kaputtes gleich durch Neues zu ersetzen", sagt Axel Ganz von "Garage-Lab". Vor gut zwei Jahren rief der Verein deshalb das Repair-Café ins Leben, das seither alle zwei Monate stattfindet. Die Initiative selbst besteht aus lauter Hobbybastlern, die die Garage im Hinterhof gemietet haben, weil sie selbst zu Hause keinen Platz für eine eigene Werkstatt haben. Und weil sie selbst so gerne tüfteln, ist das Repair-Café für die Mitglieder des Vereins vor allem eines: ein großer Spaß. "Aber wir wollen auch ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft setzen", sagt Ganz. Schließlich fand das Café an diesem Wochenende auch im Rahmen der Europäischen Woche zur Abfallvermeidung statt.

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Rund 50 Leute kommen an diesem Nachmittag, schätzt Ganz. Einer von ihnen ist Volker Hildebrecht. Gemeinsam mit Hans-Christian Benedict untersucht er gerade seinen Toaster. "Wir wollen herausfinden, was genau kaputt ist, damit ich die Ersatzteile bestellen und den Toaster reparieren kann", erklärt Hildebrecht. Er selbst sei handwerklich nicht sonderlich begabt, an Elektrik traue er sich schon gar nicht heran. Für Hans-Christian Benedict ist hingegen genau das der ganze Spaß: "In der Schule war ich in der Elektro-AG, jetzt bastele ich hier weiter", sagt er und beäugt kritisch die Innenwände des Toasters. "Da ist etwas durchgeschmort, sehen Sie, genau hier", sagt er zu Hildebrecht. Die Innenwand ist also das Problem, eine Leitung ist kaputt, und die gilt es zu ersetzen. Aber warum überhaupt? Wäre es nicht einfacher, einen neuen Toaster zu kaufen? "Nein. Der Toaster stammt aus einem Gastrobetrieb, und im Laden kostet er rund 500 Euro. Da reparier ich ihn lieber", sagt Hildebrecht. Mit Haushaltsgeräten kommen an diesem Nachmittag die meisten Besucher des Cafés. Aber auch Computer und Smartphones werden häufig eingereicht. "Am skurrilsten war beim letzten Mal ein Toaster aus den 1950er Jahren, der komplett mechanisch betrieben wurde. Aber auch den haben wir wieder fit gemacht", sagt Hans-Christian Benedict.

Darauf, dass sein Schätzchen wieder fit wird, hofft auch Christof Klees. Vor einigen Monaten hat er sich ein Tonbandgerät gekauft, doch kaum hatte er ein paar seiner alten Bänder abgespielt, gab es den Geist auf. Nun hofft er auf die Hilfe von Dietrich Frank. "Ich habe selbst auch ein Tonbandgerät, ich kenne die Tücken dieser Dinger also", sagt Frank. Das Problem sei, dass das Öl und die Gummi-Spulen im Gerät mit den Jahren verhärten. "Deshalb reinige ich alles, dann werden wir das Gerät wieder zusammensetzen und hoffen, dass es funktioniert", sagt Frank. Wenn nicht, dann hat er es wenigstens versucht. Das ist der Trost aller, die das Repair-Café erfolglos verlassen. Und ein bisschen Spaß hat es ihnen auch gemacht.

(lai)
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