Herrengesellschaft im Düsseldorfer Uerige

Klandiesen : Beim Bier die Welt retten

Der Herrengesellschaft im Uerige gehören nur noch neun Mitglieder an. Der Vorsitzende Wilhelm Pruß ist 92 Jahre alt.

(tino) Sie sind meinungsstark, an allem interessiert, eloquent, lebenslustig, intelligent und sie sind nur noch wenige. „1930, als die Klandiesen gegründet wurden, waren es 48 Mitglieder“, erzählt Hans Miebach. Im Laufe der Zeit waren sogar schon mal mehr als 50 Namen gleichzeitig in der Klandiesen-Mitgliederliste. Miebach ist aktuell Schriftführer der inzwischen nur noch neun Mann starken „Herrengesellschaft im Uerige“. Jeden zweiten Dienstag treffen sich die älteren Herren, um zu quatschen, meckern, schimpfen, politisieren, philosophieren, irgendwie im Bewusstsein, nichts ändern zu können, die Welt zu retten. Der „Boss“ der Truppe, „Sch...Schäff“ genannt, ist der 93-Jährige Wilhelm Pruß.

Er ist das Paradebeispiel eines „Klandiesen“, denn er ist tolerant, weltgewandt, humorvoll, plaudert und frotzelt gerne, hat Ausstrahlung, nimmt sich und das Leben nicht zu ernst und ist gebildet. Doch auch der „Sch...Schäff“, der inzwischen fünf Jahrzehnte der Herrengesellschaft angehört, weiß nicht, woher der Name Klandiesen kommt. „Wir wissen es nicht, auch nicht, was es bedeuten soll. Vielleicht kommt es aus dem Holländischen von Klanten, was soviel bedeutet wie Kunde, Klient“, sagt Pruß. „Es kann auch sein, dass es soviel heißt wie ‚dummer Junge‘. Wir sind nämlich immer noch zu Dumme-Jungen-Streichen aufgelegt.“

Es ist der Männertruppe auch egal, unter welchem Namen sie ihre Witze reißen, ein oder auch zwei Bierchen zusammen trinken und über die Regierung spotten, egal welcher Couleur sie angehört. „An Gesprächsthemen hat es uns noch nie gemangelt. Wenn man ein bisschen aufmerksam durch die Gegend läuft und auch Zeitung liest, dann fliegen einem die Themen nur so zu“, meint Miebach. „Und dann kommen wir vom Hölzken aufs Stöcksken. Es ist einfach schön, dem Herzen ordentlich Luft zu machen.“

Neuestes Mitglied im Klandiesen-Bunde ist Hajo Hübner. Der Mediziner ist Jahrgang 1941 und gerade mal ein Jahr dabei. „Ich saß zufällig mal neben den Klandiesen und wir sind ins Gespräch gekommen“, berichtet Hübner. „Jetzt genieße ich es, mit der Männerrunde regelmäßig Abende ohne hochtrabenden Anspruch zu verbringen.“ Ursprünglich waren die Klandiesen meist selbstständige Handwerker, die sich auch mal das ein oder andere Extra leisten konnten. Heutzutage ist es egal, welcher Profession man nachgeht oder nachging, Hauptsache der Charakter stimmt. „Wir nehmen alles, aber nicht alle“, erklärt Pruß verschmitzt lächelnd.

Die zu den Herren gehörigen Damen werden nicht vergessen, regelmäßig werden gemeinsame Ausflüge in Düsseldorf sowie die nähere und auch fernere Umgebung gemacht. An den Abenden im Uerige bleiben die Männer unter sich. Ähnlichkeiten zu den Düsseldorfer Jonges sind unübersehbar. „Unbestätigten Gerüchten zufolge sind die Klandiesen der Ursprung der Jonges“, so Pruß. Möglich wäre es, denn die Jonges fanden sich 1932 zusammen. Damit am ältesten noch existierenden Stammtisch weiterhin die hohe Kunst des wortgewandten, oft humoresken Austauschs gepflegt werden kann, sind die Klandiesen an neuen Gesichtern und neuen Geschichten interessiert. Die nächsten Herrenabende sind auf den 23. Oktober, 6. und 20. November jeweils ab 18 Uhr terminiert.

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