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Im Ständehaus in Düsseldorf: Henkel-Stiftung zeichnet Forscher aus

Im Ständehaus in Düsseldorf : Henkel-Stiftung zeichnet Forscher aus

Feierlich zeichnete die Gerda Henkel Stiftung am Montagabend im Ständehaus Jürgen Osterhammel aus. Mit dem 100.000 Euro dotierten Preis würdigt die Stiftung einen Historiker, der mit seiner monumentalen Arbeit über die Weltgeschichte des 19. Jahrhunderts selbst Geschichte geschrieben hat.

Exzellente Wissenschaft schafft es oft nicht, die Öffentlichkeit zu erreichen. Viele Forscher suchen erst gar nicht den Dialog mit Fachfremden, bemühen sich nicht um eine verständliche Vermittlung ihrer Arbeit.

Dabei könnte die Gesellschaft von verständlich formulierter Wissenschaft doch in vieler Hinsicht profitieren. Der Konstanzer Geschichts-Professor Jürgen Osterhammel ist eine beeindruckende Ausnahme. Das ist einer der Gründe, warum er gestern mit dem Gerda-Henkel-Preis ausgezeichnet wurde.

182 Wissenschaftler waren für den mit 100 000 Euro dotierten Preis nominiert worden. Die Entscheidung der Düsseldorfer Stiftung für den 1952 in Wipperfürth geborenen Jürgen Osterhammel ist richtungsweisend — und auch für die Öffentlichkeit verständlich. Denn Osterhammel ist ein Forscher, der vor allem mit seiner herausragenden Arbeit zur Darstellung des 19. Jahrhunderts — dem rund 1600 Seiten umfassenden Werk "Die Verwandlung der Welt" — zwei maßgebliche Dinge geschafft hat.

Zum einen ist es Osterhammel gelungen, herausragende Beiträge auf dem Gebiet der Weltgeschichtsschreibung zu geben. Sein monumentales Buch zur Geschichte des 19. Jahrhunderts wurde von Kritikern gelobt als "intellektuelles Feuerwerk" (Frankfurter Allgemeine Zeitung) und "Meilenstein deutscher Geschichtsschreibung" (Zeit). Die Jury der Gerda Henkel Stiftung begründete ihre Entscheidung so: Osterhammel verstehe "Weltgeschichte nicht als die Addition von Nationalgeschichten, sondern als einen Komplex von Beziehungen und Kontrasten, der als globale Zivilisationsgeschichte gelesen und verstanden werden kann".

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Zum anderen hat es Jürgen Osterhammel aber auch geschafft, sein monumentales Werk verständlich der Öffentlichkeit zu vermitteln. Seit 2010 ist das Buch in fünfter Auflage erschienen. Für die Klarheit und Verständlichkeit seiner Arbeit wurde Osterhammel schon mit einem Literaturpreis ausgezeichnet, dem Gleim-Preis. Einige Teile seiner Forschungsarbeit, so erzählte es gestern Osterhammel, sollen in Schulbüchern aufgenommen werden.

Von der Faszination seiner Ideen konnten sich Montagabend im Ständehaus auch die rund 340 Gäste aus so unterschiedlichen Bereichen wie Wissenschaft, Politik, Kultur und Wirtschaft überzeugen. Sie hörten gespannt zu, als der Preisträger über "Weltgeschichte und Gegenwartsdiagnose" sprach. Dabei erklärte Osterhammel, der sich 1990 mit einer Arbeit über "China und die Weltgesellschaft. Vom 18. Jahrhundert bis in unsere Zeit" habilitierte, auch seine Motivation für die Arbeit als "Welthistoriker": "Eine globalisierte Welt braucht ein zeitgemäßes Geschichtsbild; dieses Geschichtsbild kann nur ein globales sein. Wo sollte es herkommen, wenn nicht von einer Geschichtswissenschaft, die ebenfalls global angelegt ist?" Und der Preisträger forderte seine Fachkollegen dazu auf, ihm zu folgen: "Historiker, seid auf der Höhe der Zeit, indem Ihr Weltgeschichte schreibt."

Welche internationale Ausstrahlung der Gerda Henkel Preis hat, zeigen die Nominierungen: 132 von 182 kamen aus dem Ausland, aus 46 Ländern. Wie auch die Gästeliste mit hochkarätigen Namen wie Franziska Augstein (Tochter von Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein und Jury-Mitglied), Wolfgang Frühwald (Ehrenpräsident der Alexander von Humboldt-Stiftung und Jury-Mitglied), Peter Funke (Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft), Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff (Staatssekretär a.D.), Lady Christiane Dahrendorf (Witwe des renommierten Sozialwissenschaftlers Lord Ralf Dahrendorf), Jeannette Gräfin Beissel von Gymnich und Beat Wismer (Generaldirektor der Stiftung Museum Kunstpalast).

(RP/ila)