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Helge Achenbach: Kunstberater weist Betrug vor Gericht zurück

Düsseldorf/Essen : Achenbach weist Vorwurf des Betrugs zurück

Der Prozess gegen den Düsseldorfer Kunstberater Helge Achenbach beginnt mit einem Paukenschlag: Nachdem Staatsanwältin Valeria Sonntag knapp 40 Minuten lang vorgelesen hatte, bei welchen Kunstwerken und Oldtimern Achenbach bei Provisionsgeschäften falsch abgerechnet habe, erklärte sein Verteidiger, es habe überhaupt keinen Betrug gegeben.

Der Düsseldorfer Kunstberater muss sich seit Dienstag wegen Millionenbetrugs an schwerreichen Kunden vor dem Strafgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 62-Jährigen Betrug in fast 30 Fällen sowie Urkundenfälschung und Untreue vor. Hauptgeschädigter soll der 2012 gestorbene Aldi-Erbe Berthold Albrecht gewesen sein. Ihn soll Achenbach laut Anklage bei der Vermittlung von 14 Kunstwerken und neun Oldtimern um insgesamt 22,5 Millionen Euro betrogen haben.

Zu Prozessbeginn in Saal 101 des Essener Landgerichts bestritten die Anwälte den Betrug. Alle vermittelten Werke und Autos habe Achenbach sehr günstig für seine Auftraggeber wie speziell Berthold Albrecht eingekauft - und sie seien mittlerweile alle sehr viel mehr wert. Außerdem habe es eine Rücknahmegarantie gegeben, die man im Verfahren beweisen werde. Da aber kein Auftraggeber seine Werke zurückgegeben hätte, würde dies beweisen, dass die Objekte mehr wert seien als beim Einkauf. "Fehlt es an einem Schaden, liegt auch kein Betrug vor", hieß es in einer Erklärung, die Achenbachs Verteidiger Thomas Elsner vortrug.

Achenbach habe seine Provisionen besonders hoch abrechnen dürfen, da es sich ja oft um sehr komplexe Geschäfte handelte, so die Rechtsanwälte. Warum in den Rechnungen oft falsche Einkaufspreise abgerechnet worden sein sollen, erklärte der Verteidiger nicht. Die Anwälte kündigten an, dass sich Achenbach beim nächsten Verhandlungstag am Montag zu den Vorwürfen in Zusammenhang mit den Verkäufen an Berthold Albrecht äußern will. Der Kunstberater trat mit weißen Hemd und dunklem Anzug mit Weste vor die XXI. Strafkammer des Landgerichts. Es war sein erster öffentlicher Auftritt seit der Festnahme im Juni. Achenbach sah blass aus und hat in der Haft sichtbar abgenommen, wirkte aber gefasst. Sein Verteidiger sagte später, er komme "mit den Umständen einigermaßen zurecht".

Vor Prozessbeginn ließ sich Achenbach geduldig fotografieren, den Mitangeklagten Stefan Horsthemke begrüßte er mit Handschlag. Während der Anklageverlesung wirkte der 62-Jährige aber unruhig. Während der Mitangeklagte Horsthemke regungslos dem Vortrag von Staatsanwältin Valeria Sonntag folgte, machte sich Achenbach immer wieder Notizen, mehrfach hielt er angespannt die linke Hand vor die Augen. Als die Staatsanwältin auf einen angeblich betrügerischen Autoverkauf über eine Zwischenfirma zu sprechen kam, schüttelte Achenbach verneinend den Kopf.

Weder seine Ehefrau Dorothee noch die beiden Söhne, die in verschiedenen Achenbach-Unternehmen tätig waren, waren ins Gericht gekommen. Sie wollten möglicherweise die Begegnung mit den Medien vermeiden. Laut der Staatsanwältin vermittelte Achenbach an Albrecht von 2009 bis 2011 insgesamt 28 Kunstwerke sowie bis kurz vor dessen Tod im November 2012 neun Oldtimer.

Mündlich vereinbart sei gewesen, dass Achenbach die Objekte zum Einkaufspreis weiterreiche und Provisionen erhalte. Bei 14 Kunstverkäufen, darunter Bilder von Picasso, Ernst Ludwig Kirchner und Gerhard Richter, soll Achenbach laut Anklage die Einkaufspreise aber zu seinen Gunsten manipuliert haben. Teilweise habe er aus Dollar-Beträgen Euro gemacht und die Kopien der gefälschten Einkaufsrechnungen jeweils an Albrecht gefaxt. Ein Picasso-Bild habe Achenbach für fünf Millionen US-Dollar gekauft und den Betrag auf Euro umgeschrieben, sagte Sonntag. Auch beim Geschäft mit Bildern von Roy Lichtenstein habe er Dollar-Beträge in Euro frisiert.

Ein Bild von Gerhard Richter habe Achenbach für zehn Millionen Euro gekauft und für zwölf Millionen an Albrecht weitergereicht. Albrecht habe außerdem binnen 15 Monaten neun Oldtimer der Marken der Marken Mercedes, Bentley, Bugatti, Ferrari zu Preisen zwischen 85 000 Euro und elf Millionen Euro über Achenbach gekauft. Auch bei diesen Geschäften habe Achenbach über seine Firmen die tatsächlich gezahlten Einkaufspreise manipuliert. Unmittelbar vor Beginn des Prozesses hatte sich bereits abgezeichnet, dass es ein längeres Verfahren werden könnte.

Achenbachs Mitangeklagter, Stefan Horsthemke ließ Dienstagmorgen gegenüber unserer Redaktion erklären, dass er kein Geständnis ablegen werde. Er werde seine Unschuld vor Gericht erklären. Horsthemke wird vorgeworfen, an einem Teil der Achenbach vorgeworfenen Betrugsgeschäfte beteiligt gewesen zu sein. In einem seit November laufenden Zivilprozess verlangt die Familie von Berthold Albrecht zudem mehr als 19 Millionen Euro Schadensersatz von Achenbach.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Helge Achenbach: Bilder vom Prozessauftakt

(rky)