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Düsseldorf: Heinrich-Heine-Studenten: Unser erster Rosenmontag

Düsseldorf : Heinrich-Heine-Studenten: Unser erster Rosenmontag

Die Heine-Universität war erstmals mit einem eigenen Wagen dabei. Bei der DMT fuhren Reiseblogger aus aller Welt mit.

Als Kind hat Julia Olpe oft die Wagen des Düsseldorfer Rosenmontagszugs vom Wegesrand angefeuert und lauthals nach Kamelle gerufen. Gestern war es die 27-Jährige, die von Kindern und Erwachsenen angeschrien wurde und es immer wieder Kamelle regnen ließ. Im Ärztekittel, mit Mundschutz und Stethoskop sowie einem Beutel mit Weingummi und anderen Süßigkeiten umgeschnallt, begleitete sie als Fußgruppe der Medizinischen Fakultät den Mottowagen der Heinrich-Heine-Universität.

Der feierte auch Premiere. Erstmals in der 50-jährigen Geschichte schloss sich die Uni dem jecken Spektakel an und bewies mit dem Heine-Zitat auf dem von Jacques Tilly gestalteten Wagen sogar Selbstironie: "Weise erdenken neue Gedanken, und Narren verbreiten sie" stand da in schwarzen Lettern.

Ihr "erstes Mal" erlebte auch Uni-Rektorin Anja Steinbeck. "Ich war vorher noch nie auf einem Karnevalswagen. Von hier oben hat man einen wunderbaren Blick auf die Kostüme. Eben sah ich eine Studentin als Freiheitsstatue verkleidet. Ich bin überwältigt, wie viel Mühe sich alle gegeben haben", sagte die Rektorin. Dieses "Gemeinschaftsgefühl" sei für das ganze Jubiläumsjahr wichtig. Mit einigen Studierenden (unter anderem Vertretern des Allgemeinen-Studierenden-Ausschusses), Professoren und Verwaltungsmitarbeitern — alle in schwarze Talare gekleidet und mit schwarzen Doktorhüten auf dem Kopf — schunkelte Steinbeck zu Hits wie "Sing Hallelujah" und dem Altbier-Lied, warf Kamelle in die Menge und trank Altbier.

Als der Wagen der Uni samt ihrer 75-köpfigen-Fußgruppe die Oberkasseler Brücke unterquert und das "Helau"-Geschrei und die Rufe nach Kamelle am Wegesrand immer lauter werden, lässt sich auch Julia Olpe mitreißen: Lautstark ruft sie jetzt "Helau!" zurück und wirft die Kamelle nicht nur zu, sondern geht auch zu einigen Kindern an den Wegesrand, um ihnen die Süßigkeit in die Hand zu geben. "Man muss sich erst mal daran gewöhnen, auf der anderen Seite des Zuges zu stehen", sagt die 27-Jährige, "doch dann ist es ein überwältigendes Gefühl, mittendrin zu sein."

Mittendrin im Zug ist auch Reise-Bloggerin Jennifer Medeiros — und auch für sie ist es Premiere. Vom Wagen der Düsseldorf Marketing und Tourismus (DMT) darf die US-Amerikanerin Kamelle in die Menge schmeißen. Die Tourismusförderung hat sie und neun andere Blogger eingeladen, in der Hoffnung, dass sie später lobend über den Karneval berichten und dadurch andere Menschen zur Reise animieren.

Wichtigste Frage vor dem Start: Gibt es eine stabile Internet-Verbindung? Ja, die klappt. Jennifer Medeiros teilt vor der Abfahrt noch schnell das Bild eines Schwans im Hofgarten mit ihren 65 000 Followern bei Twitter, dann folgen ein paar fröhliche Fotos mit den anderen Bloggern — sofern dafür beim Kamelle schmeißen noch Zeit bleibt. Was sie im Anschluss über die Reise schreiben wird, weiß sie noch nicht. An Düsseldorf sind ihr im Vergleich zu anderen Teilen der Welt jedenfalls drei Dinge aufgefallen: "Sauber, gut organisiert — und es ist kalt." Medeiros lebt im warmen Florida.

Düsseldorf bejubelt das Prinzenpaar

Auch der Spanier David Escribano setzt noch vom Wagen aus die ersten Bilder ab. Er hat sich am Wochenende von seinen Vorurteilen über Deutsche verabschiedet. "Meine Freunde haben gescherzt, ich soll lieber Karneval in Brasilien feiern", sagt er. Aber die hätten auch noch nicht gewusst, wie groß der Zug in Düsseldorf ist, sagt Escribano. "So etwas gibt es in Spanien nicht." Wenn er heimgekehrt ist, will er in seinem Blog den neuen Eindruck von Düsseldorf beschreiben: "nice, urban and funny."