Misshandlungsvorwürfe: Heftiger Streit um autistisches Kind

Misshandlungsvorwürfe: Heftiger Streit um autistisches Kind

Nach dem Bekanntwerden der Misshandlungsvorwürfe in einem Heim der Educon GmbH, ist jetzt einem der Patienten fristlos gekündigt worden. Er wurde in die Psychiatrie überstellt. Niemand weiß, was mit dem Kind passieren soll, wenn es – vermutlich heute – aus der Klinik entlassen wird.

Nach dem Bekanntwerden der Misshandlungsvorwürfe in einem Heim der Educon GmbH, ist jetzt einem der Patienten fristlos gekündigt worden. Er wurde in die Psychiatrie überstellt. Niemand weiß, was mit dem Kind passieren soll, wenn es — vermutlich heute — aus der Klinik entlassen wird.

Die Educon GmbH hat ein autistisches Kind aus seiner Wohngruppe in Hilden fristlos entlassen und in die Psychiatrie einweisen lassen. Die Gründe, die im Kündigungsschreiben angegeben werden, sind zum einen medizinischer Art. Zum anderen wird das "Vertrauensverhältnis zu unserer Einrichtung" als Grund angegeben. Das sei gestört, weil die Angehörigen die Öffentlichkeit eingeschaltet haben sollen.

Rückblende:

Anfang der Woche wird bekannt, dass es in einer Einrichtung für autistische Kinder und Jugendliche, die die Educon betreibt, zu Misshandlungen der Schutzbefohlenen gekommen sein soll. Die Educon ist eine hundertprozentige Tochter der Graf-Recke-Stiftung mit Sitz in Düsseldorf-Wittlaer. Die Kinder sollen in den Jahren 2007 bis 2009 eingesperrt, fixiert und festgehalten worden sein; ihnen soll Essen vorenthalten worden sein, die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 17 Mitarbeiter der Educon, die inzwischen entlassen worden sind.

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Zwei Tage nach Bekanntwerden der Vorwürfe kündigt die Educon den Betreuungsvertrag mit dem Vormund eines Jugendlichen — und gibt in der schriftlichen Kündigung, die der RP vorliegt, wörtlich an, dies getan zu haben, weil die Familie Medien über angeblich falsche Behandlungsmethoden an dem Jungen informiert hat. Das Vertrauensverhältnis sei damit zerstört.

Bei den Betreuern des Jugendlichen nährt das jedoch den Verdacht, dass hier ein Streit um den Ruf der Einrichtung auf dem Rücken eines Betroffenen ausgetragen wird. Zumal aus einem Schreiben vom 19. Februar hervorgeht, dass das Haus in Hilden zu diesem Zeitpunkt noch bereit war, den Jugendlichen so lange zu betreuen, bis sich eine andere geeignete Einrichtung fände. Stattdessen wird der Junge jetzt plötzlich in die Jugendpsychiatrie Grafenberg überstellt.

Educon-Geschäftsführer Jürgen Peters widerspricht dieser Einschätzung. "Das Kind ist extrem aggressiv und stellt eine Gefährdung für sich und andere dar", sagt er. "Ohne einen richterlichen Fixierungsbeschluss kann ich die Verantwortung nicht länger tragen." Petra Skodzig, Geschäftsführerin der Graf-Recke-Stiftung, bestätigt, dass es sich um einen Beschluss zum "Wohle des Kindes" gehandelt habe. Der Jugendliche steht seit Jahren unter gesetzlicher Vormundschaft, die der Sozialdienst Katholischer Frauen und Männer (SKFM) wahrnimmt. An den SKFM ging auch die fristlose Kündigung des Betreuungsvertrages. "Wir haben den SKFM mehrfach aufgefordert, eine andere Unterbringung für den Jugendlichen zu finden", sagt Jürgen Peters. "Zuletzt Anfang März." Als darauf nicht reagiert worden sei, habe man zu der Kündigung greifen müssen. Die Heimaufsicht, die beim Landschaftsverband Rheinland liegt, war informiert und hatte dem Schritt zugestimmt.

Werner Schnittker vom SKFM bestätigt, dass man als Betreuer eingesetzt sei und Kontakt mit dem Jugendlichen halte. Heute soll der Junge entlassen werden. Das Problem: Weder Educon noch SKFM wussten bis gestern, was dann geschieht. Schnittker: "Wir gehen davon aus, dass Educon den Jugendlichen wieder aufnimmt. Es gibt keine Alternative." Peters: "Eine Rückkehr in unsere Wohngruppe ist nicht möglich."

(RP)