1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf

Hauseinsturz Düsseldorf: Baugenehmigung wurde zeitgleich mit Einsturz erteilt

Eingestürztes Haus in Düsseldorf : Baugenehmigung wurde zeitgleich mit Einsturz erteilt

Nach Hauseinsturz in Düsseldorf: Ein Vermisster tot aufgefunden

An dem Haus, das in Düsseldorf eingestürzt ist, wurden Bauarbeiten durchgeführt. Die Genehmigung für die Baustelle, auf der eine Person verschüttet wurde und eine weitere als vermisst gilt, hat die Stadt am Montag erst erteilt – zeitgleich mit dem Einsturz des Gebäudes.

Cornelia Zuschke, Beigeordnete für Planen und Bauen der Stadt Düsseldorf, hat am Dienstagnachmittag die Unglücksstelle in Friedrichstadt besichtigt. Am späten Montagnachmittag sei die Baugenehmigung erteilt worden, etwa zeitgleich mit dem Unglück, berichtet Zuschke. Tatsächlich liefen die Arbeiten an dem Haus in der Luisenstraße aber schon seit Längerem.

„Es gibt Arbeiten, die bedürfen keiner Genehmigung bei der Bauaufsicht“, sagt Zuschke. „Deswegen können wir noch nicht einschätzen, ob das Maß dieser baugenehmigungsfreien Arbeiten überschritten worden ist oder nicht.“ Arbeiten wie Erneuerung von Türen, Fenstern oder Elektroleitungen seien zum Beispiel genehmigungsfrei. Der Fall sei so kompliziert und so gravierend, dass die Beigeordnete nicht spekulieren wollte. Man wolle den Fall mit Gutachtern aufarbeiten und unterstütze die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.

Das Hinterhaus an der Luisenstraße zu Beginn der Sanierungsarbeiten. Foto: RP/Mayo Velvo

Allerdings, teilte die Stadt später mit, sei mit der Zustellung der Baugenehmigung am Montagnachmittag noch keine Freigabe sämtlicher geplanter Arbeiten verbunden gewesen.“Dafür muss der Bauherr noch einen sogenannte Standsicherheitsnachweis beim Amt einreichen - als Nachweis, dass die Statik des Gebäudes auch während und nach den Arbeiten gewährleistet ist“, so Stadtsprecher Marc Herriger. Dieser Nachweis sei bei der Landeshauptstadt Düsseldorf bislang nicht eingegangen.

Zu dem Gerücht, dass vor Ort auch Schwarzarbeiter tätig gewesen sein sollen, könne sie nichts zu sagen, das falle nicht in ihren Bereich. „Das Bild, das sich in diesem Innenhof zeigt, ist verheerend“, sagt Zuschke an der Luisenstraße. Das gesamte Hinterhaus sei bis auf einen letzten Zahn, der noch aufrecht steht, eingestürzt, samt einer großen Wand zum Nachbargrundstück. „Es ist unglaublich viel Baumasse niedergegangen inklusive eines Gerüstes“, so Zuschke.

Planungsdezernentin Cornelia Zuschke (l.) und die Leiterin des Bauaufsichtsamts, Ulrike Lappeßen, informierten sich an der Unglücksstelle. Foto: veke

Im Moment wird von der Feuerwehr und dem THW untersucht, wie tief der Schutt in den Keller eingedrungen ist. „Es geht immer noch darum, einen Menschen zu finden, der in diesem Keller vermutet wird. Dort wird auch mit Kameras und Robotern gearbeitet, um diesen Menschen zu finden“, sagt die Beigeordnete.

Laut Ulrike Lappeßen, Leiterin der Bauaufsicht, war beabsichtigt, das Gebäude, das zuletzt eine Designschule angemietet hatte, umzubauen in ein Büro und eine Wohnung. Das Gebäude befindet sich in Besitz einer Firma für Verpackungsmaterial, die bis 1996 ihren Verwaltungshauptsitz in dem Gebäude aus den 50er Jahren hatte.

Prüfer des Bauaufsichtsamts nahmen unterdessen am Dienstagnachmittag eine Baustelle an der Neanderstraße in Augenschein. Von dort hatte sich – offenbar unter dem Eindruck des Unglücks in Friedrichstadt – eine Handwerksfirma gemeldet und auf gravierende Mängel auf einer Baustelle hingewiesen, wo das Fundament zu weiten Teilen freigelegt worden ist. Das Ergebnis der Standsicherheitsprüfung liege noch nicht vor, so die Stadt.