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Düsseldorf: Hauptstadt der Einpendler

Düsseldorf : Hauptstadt der Einpendler

Das Verhältnis verschiebt sich weiter zu Ungunsten der Düsseldorfer Arbeitnehmer. Fast zwei von drei Jobs nehmen Pendler aus dem Umland ein. Diese Entwicklung ist ansatzweise auch bei den Auszubildenden zu beobachten.

Mit deutlichem Abstand vor Köln bleibt Düsseldorf Pendlerhochburg Nummer 1 in Nordrhein-Westfalen. 222 141 Auswärtige hatten im vergangenen Jahr ihren Arbeitsplatz in der NRW-Landeshauptstadt. Das bedeutet: Rund 62 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze entfallen auf Nicht-Düsseldorfer. Dies geht aus einer neuen Statistik der Arbeitsagentur hervor.

Als Grund nennt Behördensprecher Peter Wege den großen Anteil "hoch qualifizierter Arbeitsplätze" und Düsseldorfs Position als Dienstleistungszentrum mit "industriellem Kern". Dafür würden die Beschäftigten tägliche Fahrten von ihrem Wohnort gern auf sich nehmen. Mitunter pendeln Arbeitnehmer aus den Niederlanden nach Düsseldorf. Die Entfernung pro Strecke: weit mehr als 100 Kilometer.

Eine andere Entwicklung hält ebenfalls an: Die Zahl der Düsseldorfer, die in anderen Städten ihren Job haben, ist gestiegen. 63 661 waren es im vergangenen Jahr (Stichtag: 30. Juni 2010). Im Jahr zuvor waren es rund 2000 weniger. Die übrigen 135 104 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte haben in Düsseldorf einen Job. Mit der Zahl der Einpendler bedeutet dies, dass es in der Landeshauptstadt 357 245 Beschäftigte gibt. Nicht berücksichtigt sind in dieser Erhebung Beamte und Selbstständige.

Bemerkenswert: Keine Stadt bietet so viele attraktive Arbeitsplätze, dass mehr Düsseldorfer dorthin fahren als Arbeitnehmer aus diesen Städten nach Düsseldorf pendeln. Ein Beispiel: Knapp 7000 Mönchengladbacher sind in Düsseldorf beschäftigt, damit liegt die Stadt am Niederrhein bei den Einpendlern in die NRW-Landeshauptstadt auf Platz 7. In den Top 10 der Auspendler aus Düsseldorf taucht Mönchengladbach dagegen gar nicht erst auf. "Schlusslicht" ist Erkrath mit 1737 Einpendlern.

Die größten Wechselwirkungen gibt es mit den Städten Neuss, Duisburg, Ratingen und Köln. Das dürfte allen gefallen, die die Fehde zwischen den beiden großen Städten am Rhein pflegen wollen: Es kommen fast doppelt so viele Kölner zum Arbeiten hierhin, als dass Düsseldorfer 40 Kilometer rheinaufwärts fahren.

Auch mit Blick auf die Ausbildungsplätze erfreut Düsseldorf sich einer hohen Anziehungskraft: 43 Prozent der Jugendlichen wohnen außerhalb der Landeshauptstadt. "Das bestätigt einfach Düsseldorfs hohe Sogwirkung", sagt der Sprecher der Arbeitsagentur, Peter Wege.

Den Umstand, dass viele Auszubildende nach Düsseldorf pendeln, hat die SPD zu ihrem Thema gemacht. Sie will sich für die Einrichtung von Lehrlingsheimen einsetzen. Der Umstand, dass es zu wenig bezahlbare Wohnungen in der Stadt gibt, trägt nach Ansicht des Parteivorsitzenden Andreas Rimkus dazu bei, dass es weniger Bewerber als Ausbildungsplätze im Handwerk gibt. Nach Zahlen von Handwerkskammer und Arbeitsagentur bleiben 2000 Ausbildungsplätze nicht besetzt — auf jeden Jugendlichen kommen 1,44 Plätze. "Bei 640 Euro Lehrlingsgehalt im Monat gibt der Wohnungsmarkt in Düsseldorf nichts her", kritisiert Rimkus. Das schwäche das Handwerk.