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Düsseldorf: Hauptberuf: Spazieren mit Hund

Düsseldorf : Hauptberuf: Spazieren mit Hund

Wohin mit dem Hund, wenn Herrchen zur Arbeit muss oder die alten Beine von Frauchen nicht mehr so recht wollen? Marion Buchwald ist eine von etlichen Dog-Walkern, die Düsseldorfer Hunde ausführen.

Kuma steht hüfttief im Wasser, den Kopf leicht angehoben nimmt er eine ordentliche Nase voll Rheinluft. Vormittags hat er mit Kumpel Baci zuhause gedöst, jetzt haben der Labradoodle und der italienische Wasserhund einen ausgedehnten Spaziergang am Rhein hinter sich. Kuma ist zufrieden, gräbt blitzschnell eine Kuhle in den Löricker Sandstrand und legt sich hinein.

Nicht immer sind Marion Buchwalds Arbeitstage so idyllisch. In einem typisch Düsseldorfer Schmuddelwinter, mit Schneematsch und eisigem Nieselregen etwa. Das sind die Tage, an denen man nicht einen einzigen sprichwörtlichen Hund vor die Tür jagen würde - und an denen die 45-Jährige mit vier bis sechs Vierbeinern unterwegs ist.

Der "Dog-Walking-Service", wie das Gassigehen mit anderer Leute Hunde neudeutsch heißt, hat nicht immer in ihrem Lebensplan gestanden. Chefsekretärin war sie in einem großen Unternehmen, hat gutes Geld verdient. Und nach 18 Jahren immer öfter das Bedürfnis nach Veränderung gehabt. "Ich wusste nur nicht wirklich, wie und was."

Die erste Veränderung kam aus Spanien, schwarzes Fell, treuer Blick und großes Kuschelbedürfnis. Flanny war ein spanischer Straßenhund und musste alles lernen, was ein Hund in Düsseldorf so wissen muss. Marion Buchwald ging mit ihm zur Hundeschule, und wenn sie zur Arbeit musste, engagierte sie einen professionellen Dog-Walker. Und das brachte sie schließlich auf die Idee. Sie machte Fortbildungen, ließ sich zur Hundetrainerin ausbilden und gründete "Flanny & Friends". Denn die Nachfrage nach Profi-Gassigängern stieg - und steigt noch heute.

Das bringt auch mit sich, dass das Angebot wächst, oft von Menschen, deren einzige Qualifikation darin besteht, Hunde schon immer süß zu finden. "Aber das reicht natürlich nicht," sagt Buchwald. "Man muss die Tiere schon lesen, ihr Verhalten deuten können, gerade, wenn man mit mehreren unterwegs ist", sagt sie, und bringt mit einer fast beiläufigen Geste Flanny zur Ruhe, der sich nach der Leckerchentüte streckt. Inzwischen bietet sie neben dem Dog-Walking auch selbst Hundetrainings für Mensch und Tier an.

Seit zwei Jahren ist "Flanny & Friends" nun ihr Hauptberuf. Sie hat das Cabrio aus ihrem alten Leben gegen einen Kombi mit Hundegitter eingetauscht, holt zwei Mal täglich ihre Kunden zuhause ab und bringt sie nach anderthalb Stunden am Rhein wieder zurück. Die meisten Halter sind berufstätig, haben nach der morgendlichen Runde keine Zeit für einen zweiten Spaziergang. Da springt Marion Buchwald ein. Aber nicht kurzfristig oder auf Zuruf. Sie bevorzugt feste Gruppen, und ein Hund, der neu dazu kommt, wird erst beim Einzelspaziergang, dann an der Leine zur Probe ausgeführt.

"Die Tiere müssen zueinander passen", sagt die Dog-Walkerin, die mit den Einkünften bislang gerade mal ihre Kosten decken kann und trotzdem zufrieden ist. "Ich habe viel mehr Lebensqualität - wie ich es mir gewünscht habe." Und vielleicht lässt sich das Geschäft noch ausbauen: Die Nachfrage nach Ganztagsbetreuung für Hunde wächst nämlich auch.

(RP)