Vater und Tochter erschossen: Hassels: Bluttat wird rekonstruiert

Vater und Tochter erschossen : Hassels: Bluttat wird rekonstruiert

Am vergangenen Donnerstag haben Unbekannte einen Rentner und seine 39-jährige Tochter erschossen. Gestern erstellte die Polizei vor Ort ein Bild der Straße an einem normalen Donnerstag. Der Leiter der Mordkommission ist sich sicher, die Tat aufzuklären. 50 Hinweise sind eingegangen.

Donnerstag früh in Hassels-Nord, zwischen 7 und 10 Uhr: 16 Zivilbeamte in acht Zweierteams beobachten die Altenbrückstraße, jenen Ort, wo am Donnerstag vergangener Woche ein 82-jähriger Rentner und dessen 39-jährige Tochter von Unbekannten erschossen worden waren.

Mit diesem Phantombild sucht die Polizei nach einem Verdächtigen. Foto: Polizei

"Wir haben ein Bild der Straße erstellt an einem normalen Donnerstag, bei ähnlichem Wetter wie letzte Woche", erklärt Polizeisprecher André Hartwich. Die Abläufe — um wie viel Uhr kommt der Bus? Wer geht wann mit dem Hund spazieren? Wann ist der Briefträger da? — können helfen, neue Hinweise zur Tat zu bekommen.

Wie arbeitet die Mordkommission? Leiter Udo Moll und sein 30-köpfiges Team beginnen jeden Morgen um 7.30 Uhr, checken den Eingang neuer Zeugenangaben. Um 9 Uhr gibt es eine erste Lagebesprechung, danach schwärmen die gut acht Teams aus, um Spuren zu verfolgen oder die vorhandenen zu bearbeiten. Gegen 17 Uhr gibt es eine weitere Konferenz. "Daneben passiert vieles, das wir nicht kommunizieren", sagt Moll. Der 43-Jährige sagt nach einer Woche Ermittlungen unter Volldampf, er sei "sicher, dass ich diesen Fall lösen werde". Das Landeskriminalamt ist beteiligt.

Wie viele Spuren gibt es? 50 handfeste — laut Hartwich ein "ziemliches Pfund". Diese kristallisierten sich aus 200 Angaben und Aussagen heraus. "Das Zeugenverhalten in der Nachbarschaft ist lobenswert, quer durch alle Schichten und Kulturkreise", sagt Hartwich. "Alle sind daran interessiert, dass diese Tat schnellstmöglich aufgeklärt wird." Eine Nachbarin sagte gestern gegenüber der Rheinischen Post: "Wir bräuchten das für unserer aller Wohlbefinden." Die jüngste Handzettelaktion, die darauf abzielte, mit Nachbarn zu kommunizieren, die die Polizei noch nicht hatte sprechen können, habe weitere Hinweise ergeben, sagt Hartwich.

Gibt es eine heiße Spur? Das will die Polizei nicht sagen — man ermittelt in "alle Richtungen". In den Fokus gerückt ist das Auto, in das ein Zeuge einen der beiden Tatverdächtigen hatte einsteigen sehen. "Wir konzentrieren uns auf einen Streifen von 15 Metern gegenüber dem Haus Altenbrückstraße 43", sagt der Sprecher. Insbesondere die Bewohner des gegenüberliegenden Hochhauses könnten dort zwischen 8 und 9 Uhr jemanden gesehen haben. Auch im Umfeld der Opfer wird ermittelt. Die Tochter war, wie berichtet, im Dunstkreis eines Yoga-Vereins aktiv. Und eine Nachbarin erinnert sich an eine "besitzergreifende erste Ehefrau" des 82-Jährigen, mit der er weitere Kinder gehabt habe. Bei dieser ersten Familie habe er sich häufig aufgehalten.

Wie geht es der einzigen Überlebenden der Bluttat? Der 81-jährigen Mutter geht es laut Polizei den Umständen entsprechend. Sie befindet sich an einem geheimen Ort und "spricht mit uns", so Hartwich.

(RP)