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Im Gespräch mit Eva Wimmers: Handys werden das TV auf den Kopf stellen

Im Gespräch mit Eva Wimmers : Handys werden das TV auf den Kopf stellen

Huawei-Topmanagerin Eva Wimmers ist die erste Frau in der hohen Führungsposition des chinesischen Handykonzerns Huawei.

Frau Wimmers, erinnern Sie sich noch: Was war Ihr erstes Mobiltelefon?

Eva Wimmers Ich erinnere mich noch gut, es war im Jahr 1996 ein Nokia PT 11. Quietschgrün. Ein Knochen mit E-Netz-Vertrag. Aktuell habe ich das neueste Honor V10 in Navyblau.

Wie oft bekommen Sie heute ein neues Handy?

Wimmers Ich denke so alle zwei bis drei Monate. Ist ja auch klar, da ich all' unsere neuen Produkte natürlich selbst ausprobiere.

Handys haben die Welt der Kommunikation in den vergangenen zwei bis drei Jahrzehnten komplett verändert. Was wird der nächste Schritt?

Wimmers Die neueste Generation von Smartphones stellt jetzt die Welt des Fernsehens und der Werbung grundlegend auf den Kopf. Und in meinem aktuellen Gerät spielt auch künstliche Intelligenz eine wichtige Rolle.

Was wird sich in Sachen Bedienbarkeit ändern, immerhin sind die meisten der Deutschen immer noch keine Digital Natives, also nicht mit dem Handy und dem Internet groß geworden?

Wimmers Die Mobiltelefone werden immer intelligenter. Das klingt jetzt für den Endkunden erst mal so, als würde es schwieriger werden, sie zu bedienen. Das Gegenteil aber ist der Fall, nicht zuletzt dank Sprachaktivierung, die immer präziser wird. Die Handys werden individueller auf die jeweiligen Besitzer zugeschnitten sein. Wir haben erkannt, dass es Kundengruppen gibt, für die es eine Hemmschwelle ist, sich durch eine Bedienungsanleitung zu ackern.

Das ist schon heute Geschichte. Dank künstlicher Intelligenz und Sprachsteuerung kommt die Technik auf uns zu, statt Barriere ist die Technik verbindender Faktor. Das nimmt älteren Menschen die Scheu im Umgang mit neuen Geräten.

Sie waren viele Jahre bei der Deutschen Telekom. Heute verantworten Sie als Europachefin die Marke Honor des chinesischen Technologiekonzerns Huawei in Düsseldorf. Was ist dabei anders, mit Chinesen zusammenzuarbeiten?

Wimmers Ich bin davon überzeugt, dass Firmen zu 40 Prozent vom jeweiligen Land, aber zu 60 Prozent von der eigenen Firmenkultur geprägt sind. Und Huawai ist vor allem ein innovatives Technikunternehmen. Das steckt sehr tief in der Firmen-DNA. Die Firma erfindet sich immer wieder neu. Das war bei der Gründung durch Ren Zhengfei im Jahr 1987 so, und es hält sich bis heute.

Innovative Unternehmenskultur schreiben sich viele Firmen auf die Fahne. Was verstehen Sie konkret darunter?

Wimmers Zum Beispiel vollziehen unsere Manager bereits ab der ersten Führungsebene alle drei bis vier Jahre einen Jobwechsel im Haus, meist verbunden mit dem Wechsel von Funktion oder Land. Das hält uns agil. Auch die Position des Vorstandsvorsitzenden wurde bislang in halbjährlicher Rotation umbesetzt. Innovativ heißt auch, dass man schnelle Entscheidungen trifft und dass nichts als unumstößlich gilt. Das gilt auch für die neue Marke Honor, die ich in Europa verantworte. Sie ist im Huawei-Konzern die junge Marke, die sich verstärkt an Digital Natives richtet.

Mögen Chinesen Düsseldorf?

Wimmers Sie mögen die Lebensfreude der Düsseldorfer, das deutsche Essen und das gute Wetter am Rhein.

Arbeiten die Chinesen anders?

Wimmers Klar, in Teilen schon. So gibt es zwar auch Hierarchien, aber Entscheidungen werden viel stärker im Konsens gefällt als bei deutschen Unternehmen. Und die Chinesen sind blitzschnell in der Kommunikation.

Woran machen Sie das fest?

Wimmers Bei uns in Deutschland hat ja die E-Mail den Brief als führendes berufliches Kommunikationsmittel abgelöst. Die Chinesen sind schon einen Schritt weiter. Die meiste geschäftliche Kommunikation findet per We-Chat statt. Das ist quasi eine chinesische Variante von WhatsApp, allerdings mit mehr Funktionen und Möglichkeiten. Das führt manchmal zu Missverständnissen.

Wenn meine chinesischen Kollegen eine E-Mail bekommen, so kann es sein, dass sie sie erst mal liegen lassen, weil sie denken: ,Das kann nicht sehr eilig sein, sonst hätte jemand eine Chatnachricht geschrieben'. Bei jungen Deutschen aber denke ich, würde man diese Priorisierung genauso beobachten können.

THORSTEN BREITKOPF FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)