Düsseldorf: Handwerkskammerpräsident Wolfgang Schulhoff ist tot

Düsseldorf : Handwerkskammerpräsident Wolfgang Schulhoff ist tot

Der Präsident der Düsseldorfer Handwerkskammer, Wolfgang Schulhoff, ist am Montagabend mit 74 Jahren an einer Krebserkrankung gestorben. Er prägte Politik und Wirtschaft der Landeshauptstadt, war Bundestagsabgeordneter und Düsseldorfer CDU-Chef. Ein Mann mit Einfluss also, der sich dennoch nie in den Vordergrund drängte.

Dieser Mann konnte sich begeistern. Unvergessen die Runde, in der er von seinen Reisen nach Syrien berichtete. Zu einer Zeit, als das Land noch im scheinbaren Frieden lag und er, Schulhoff, dort so viel über arabische Kultur, Wissenschaft und Gastfreundschaft lernte. Und ereifern konnte er sich - vor allem bei seinen Lieblingsthemen, meist aus dem Bereich, in dem die Politik die Wirtschaft und vor allem das Handwerk berührte, störte, behinderte. Dann begann dieser nur äußerlich kleine Mann mit seiner wohlgeschliffenen Argumentation gegen jene, auf deren Theorien Entscheidungen basierten, an denen ein Mann der Tat, Meister und Meisterinnen schier verzweifeln wollten, weil sie dort so weit weg waren von ihrer Realität.

Das konnte dem Politiker Schulhoff nicht passieren. Nicht zuletzt, weil er im elterlichen Betrieb für Haustechnik in Düsseldorf-Bilk von der Pike auf gelernt, erfahren und buchstäblich erlebt hatte, wie sich Politik auf die normalen Menschen auswirkt.

Schulhoff war daher immer der Anwalt jener, denen der direkte Draht zu Macht und Einfluss verwehrt war. Gnadenlos peitschte er die seines Erachtens verfehlte Euro-Einführung, wetterte gegen Auswüchse eurokratischer Regelungswut und stellte sich stets mit breiter Brust vor "seine Handwerker".

Aber der heilige Zorn packte den Pragmatiker Schulhoff, als die Auswüchse der Bankenkrise offenbar und Boni in nach seiner Meinung obszönem Umfang ruchbar wurden. Ohne jedes Verständnis für solche Auswüchse prangerte er diese Gier an und hatte daher keine Probleme damit, seine Zuhörer zu fesseln, wenn er sich dieses Themas annahm. Dass Manager großer Firmen krasse Fehlentscheidungen fällten, Milliarden versenkten und unzählige Existenzen vernichteten und nicht zur Verantwortung gezogen, sondern mit riesigen Abfindungen verabschiedet wurden, das waren Folgen einer Form von Kapitalismus, die den überzeugten Anhänger einer sozialen Marktwirtschaft schier fassungslos werden ließen. Das Thema Managerhaftung war für ihn aber nicht Mode, es beschäftigte ihn schon in den neunziger Jahren, und er legte sich auch mit Parteifreunden an, als bei der Stadtsparkasse mehr 200 Millionen D-Mark wegen dubioser Anlagedeals verlorengingen.

Schulhoff — ein Mann mit breiter Basis

Schulhoff war nicht nur als Präsident der Handwerkskammer in Düsseldorf, was mit dem Wort "prominent" nur unzureichend umschrieben ist. Viele Jahre im Bundestag, Vorsitzender der hiesigen CDU, an der Spitze der Handwerkskammer - der Mann hatte eine buchstäblich breite Basis. Bis zuletzt. Das Präsidentenamt hätte er gewiss noch gern einige Jahre fortgesetzt, zumal er bis zu seiner Erkrankung körperlich topfit wirkte. Sein Vater war schließlich auch in hohem Alter noch aktiv gewesen, wurde 91 Jahre — so alt zu werden, war sicher auch Wolfgang Schulhoffs stiller Traum.

Diesen Ehrgeiz und die Unlust am Ruhestand teilte er mit seinem politischen Freund und Widersacher Joachim Erwin. Als Erwin 1999 mit der CDU die Wahl gewann und Oberbürgermeister wurde, da wussten beide: Ohne einander wäre das nicht möglich gewesen. Während Erwin, in diesem Duo der einige Jahre jüngere Mann, mit aller Macht nach vorn drängte, blieb Schulhoff als Partei-Chef im Hintergrund. Was aber nicht bedeutete, dass er auf Einfluss verzichtete: Nicht selten kritisierte er den von Anfang an sehr umstrittenen Chef im Rathaus, legte ihn verbal an die Leine - und zeigte sich gänzlich unbeeindruckt, wenn dieser ihn mitunter hart anging. Es ließ ihn buchstäblich kalt, weil Erwin keine Macht über ihn hatte. Was diesen fuchste, ohne Zweifel.

Aber Schulhoff war unabhängig und hielt mit seinen Einschätzungen nicht hinter dem Berg. Als Erwin zum Jahrtausendbeginn verkündete, er werde mit der Arena Geld verdienen, mahnte Schulhoff an, den Ratsleuten doch die Wahrheit zu sagen. Er rechne mit mindestens 15 Millionen Mark Zuschussbedarf — so viel wurden es dann in Euro. Nein, Angst solle man nicht haben müssen, meinte der streitbare Demokrat. Angst hatte er als kleiner Junge. Sein Vater war mit vier Jahren von Ungarn nach Düsseldorf gekommen, die Oma war Jüdin, der Opa ungarischer Reserve-Rittmeister. Gestapo-Besuche waren für Wolfgang Schulhoff traumatische Kindheitserlebnisse. Sein Temperament verdankte sich auch seiner Herkunft, das wusste er.

Er habe "unruhiges Blut", sagt Schulhoff einmal. Jetzt ist es zur Ruhe gekommen.

(ho/ujr)
Mehr von RP ONLINE