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Handwerkersitzung im Radschlägersaal. Düsseldorf feiert mit Kölner Prinzengarde

Handwerkersitzung in Düsseldorf : Handwerker feiern mit Kölner Prinzengarde

Im Vorfeld der Sitzung beging die Tonnengarde ihr 12x11-jähriges Bestehen und erklärte den Karnevalsruf „Trän Drop!“

Die ersten Walzertöne erklangen, die Band „Druckluft“ hatte auch verbal zum Schunkeln aufgefordert, da entpuppte sich die gemütliche Karnevalsbewegungsvariante als „Fake News“. Kaum waren 20 Sekunden vergangen, zeigte die 15-Mann-Kombo auf der Bühne des Rheinlandsaales in der Rheinterrasse, warum sie „Druckluft“ heißt. Sie blies die jecken Gäste der dritten Handwerkersitzung, die erneut gemeinsam von der Tonnengarde Niederkassel und der Gesellschaft Spiesratze organisiert wurde, förmlich von den Stühlen. Und so war es eher eine „Stehung“ als „Sitzung“, denn das Programm war so stark ausgewählt, dass die meisten Narren im Saal die Sitzpolster ihrer Stühle weitestgehend schonten.

Beim Einmarsch des Elferrates hatten Tonnengarde und Spiesratze nicht nur mit dem gemeinsamen Erscheinen dem Düsseldorfer Sessionsmotto „Gemeinsam jeck“ alle Ehre gemacht, sondern das Motto über die Grenzen der Landeshauptstadt hinaus ausgedehnt. Mit allem Tschingderassabum, zu dem sie fähig war, mit Schellenbaum und polierten Blechhelmen zog die Prinzengarde Köln mit gut 100 Mann in den Saal ein. Tonnengarde-Präsident Karl-Hans Danzeglocke schaffte es sogar, den Düsseldorfer Narren zur Begrüßung ein dreifach kräftiges „Kölle Alaaf“ zu entlocken. „Ich hoffe, dass das auch mal umgekehrt in Köln möglich ist. Wenn man dort Düsseldorf sagt, wird ja nur gelacht“, meinte Danzeglocke schmunzelnd.

Zu lachen gab es in der Rheinterrasse viel für die versammelte Narrenschar. „Ne Knallkopp“ erntete mit seiner Gag-Kanonade donnernde Lachsalven aus dem Saal. Einige seiner Witze waren zwar flach, aber zündeten dennoch. So witzelte Dieter Röder alias „ne Knallkopp“: „Warum hast du geheiratet? Weil es damals noch keine Fertiggerichte gab.“

Kabarettist Wolfgang Trepper brachte Politisches und Gesellschaftskritisches mit. Jens Spahn, Friedrich Merz und Annegret Kramp-Karrenbauer wurden genauso durch den Kakao gezogen, wie die Vorliebe der Deutschen für den Schlager. „Mein Vater fand Peter Alexander gut. Sagte aber immer: Schade, das ist ein Österreicher. Vater hat wohl schlechte Erfahrungen gemacht“, so Trepper und schob hinterher. „An dieser Stelle kann kein Gesamtschüler lachen.“ Im Rheinlandsaal lachten alle. Auch beim Comedy-Duo „Willi und Ernst“. Dirk Zimmer und Markus Kirschbaum, die beiden „Rentner aus Leidenschaft“, kokettierten mit ihrer kaum vorhandenen erotischen Ausstrahlung und ihrem Sexappeal. „Die Frau da vorne sieht mich ganz begierig an.“ „Wieso, ist sie Bestatterin?“, witzelte das Duo.

Für die Bewegung sorgten die fetzigen und auch schunkeltauglichen Rhythmen von „De Fetzer“ und „Räuber“. Wie man sich zu karnevalskompatibler Musik wirklich bewegt, zeigten die Kindertanzgarde der Tonnengarde und noch etwas besser die „Palm Beach Girls“. Alles lief rund, bis das Prinzenpaar auftrat, denn das war zum „paar“ geschrumpft. Prinz Martin musste krank das Bett hüten. Venetia Sabine hatte aber mit dem uniformierten Plüschaffen „Robert“ für beinahe adäquaten Ersatz gesorgt.

Die Tonnengarde hatte im Vorfeld der Handwerkersitzung schon für beste Laune gesorgt. Die Niederkasseler hatten ihr 12 x 11-jähriges Bestehen gefeiert und damit ein echtes Jubiläum begangen. „Alles hat im Jahr 1887 mit einem Schürreskarrenrennen, also einem Schukarrenrennen, begonnen. Einem der Bauernburschen soll eine Katze in die Bahn gelaufen sein und der Vater des Burschen soll ‚Trän drop‘, tritt drauf, gerufen haben“, erläutert Danzeglocke. „Deshalb rufen wir in Niederkassel zu Karneval Trän Drop und nicht Helau.“ Während der Handwerkersitzung erklang aber das landeshauptstadtweite Helau deutlich öfter. Man ist eben gemeinsam jeck.