Handwerker aus Düsseldorf integriert Mitarbeiter aus der ganzen Welt

Engagierter Handwerker in Düsseldorf : Der Sanitär- und Integrationsmeister

Christian Klemm beschäftigt Mitarbeiter aus Marokko, Thailand, Afghanistan und anderen Ländern. Neun verschiedene Sprachen werden in seinem Düsseldorfer Betrieb gesprochen.

In einem Innenhof an der Volmerswerther Straße, nicht weit von der Bilker Kirche, liegt der Heizungs- und Sanitärfachbetrieb Niepmann. Durch eine enge Tordurchfahrt gelangt man auf einen engen Hof zwischen niedrigen Gebäuden, denen man ansieht, dass sie schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Sie sind also aus einer Zeit, in der Bilk ganz anders war als heute und sich keiner vorstellen konnte, dass es mal hip sein würde, dort zu leben.

Mittendrin dieses Unternehmen, das seit einigen Jahren dem Sanitär-Meister Christian Klemm (41) gehört. Mehrere knallrote und ziemlich neue Firmenwagen stehen in der Einfahrt und in der Halle, über Aufträge kann er sich nicht beklagen, sagt Klemm. Bisher alles noch ziemlich normal für einen deutschen Handwerksbetrieb.

Schaut man sich die Mannschaft aber näher an oder hört den jungen Männern beim Sprechen zu, schaut oder hört man genauer hin. Denn bisweilen herrscht babylonisches Sprachengewirr in der Werkstatt und im Materiallager. Klemm beschäftigt nämlich 14 Mitarbeiter aus unterschiedlichsten Nationen, eine Reihe verschiedener Sprachen werden gesprochen: Natürlich Deutsch, Englisch dient der Verständigung, wenn es auf Deutsch nicht so klappt, man hört Französisch, Arabisch, Türkisch, Russisch, Farsi und Thai.

Und die Sekretärin, Tochter eines langjährigen Mitarbeiters aus Marokko, trägt Kopftuch: praktizierte Integration, sozusagen. Nun erhielt Klemm vom Verband Handwerk NRW (für den er als Lehrlingsbeauftragter arbeitet) den Integrationspreis: Binnen weniger Monate schleuste er zwölf ausländische Praktikanten durch seinen Betrieb. Bereut hat er es nicht, bis auf wenige Ausnahmen. Zwei derzeitige Lehrlinge sind ein Thailänder und ein Afghane. Dass er vor nicht allzu langer Zeit einen Lehrling entlassen musste, war ein Ausreißer. Der junge Mann war übrigens Deutscher.

Wer mit Klemm über Integration spricht, hört vor allem Pragmatismus. In seiner bunt gemischten Crew gebe es keine religiös begründeten Konflikte, berichtet er. Stress breche nur aus, wenn einer im Job nicht funktioniere, die anderen sich nicht auf ihn verlassen können – Nationalität und Herkunft spielten dabei keine Rolle, was allein zähle, sei die Leistung und das Miteinander.

Getreu dem Handwerkerspruch: Bei uns ist es egal, woher Du her kommst, bei uns zählt nur, was Du tust. Gerne spielt man mit Vorurteilen: Der russische Kollege heißt bei den anderen Puschkin, einer der Türken wird Aladin genannt. Beide können damit gut leben.

Alle mussten übrigens bei Klemm persönlich einen Eignungstest machen. Klar, dass er auf Umgangsformen, Kleidung und Sprachgebrauch achtet. Aber er will auch sehen, wie die Bewerber – egal, ob für ein Praktikum oder eine Lehrstelle – mit einer gestellten, kniffligen Aufgabe umgehen. Dafür stellt er ihnen einen Karton hin, in dem die rund zwei Dutzend Einzelteile eines Siphons liegen: Muffen, Schrauben, Dichtungen, Rohre. Die Aufgabe: Zusammenbauen. Und zwar ohne Werkzeug. Geht das? Ja, das geht!

Klemm verlangt nicht, dass jeder diese Aufgabe auf Anhieb und mit Bravour meistert (was nicht so leicht ist!), aber er will einen vernünftigen Umgang mit der Problematik, notfalls auch mit dem Scheitern. Der Meister seines Fachs hat damit seinen ganz persönlichen Eignungstest kreiert – und fährt offenbar gut damit.

Apropos, fahren: In seiner Freizeit sitzt Klemm am liebsten auf seinem Motorrad. Das ist eine echte Rennmaschine, und auf dieser fühlt er sich wohl, wenn er die Nordschleife des Nürburgrings befährt. Das schon im Ruhezustand sehr dynamisch aussehende Geschoss steht im hinteren Teil der Lagerhalle, neben Abflussrohren, WC-Becken und Spülkästen. Direkt daneben ein verstaubtes Schätzchen: Durch Zufall hat Klemm eine einzylindrige DKW-Maschine aus den 1940er Jahren gefunden. Nun will er das rare Stück nach und nach restaurieren.

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