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Düsseldorf: Handelsverband: Radau folgt auf Conzen

Düsseldorf : Handelsverband: Radau folgt auf Conzen

Der Vorstandsvorsitzende der SuperBioMarkt GmbH, Michael Radau, ist neuer Präsident des Handelsverbandes und will das Image der Branche stärken. Auch die Energiekosten und die Trödelmarkt-Konkurrenz beschäftigen ihn.

Seit drei Jahrzehnten ist Michael Radau im Einzelhandel tätig – und hat dabei durchaus ein Händchen für Zukunftsweisendes bewiesen. Wie die wachsende Liebe der Deutschen zu Bio-Lebensmitteln. 1983 übernahm der gebürtige Münsteraner in seiner Heimat die "Kornblume", drei Jahre später eröffnete er die erste Filiale. 1993 konzipierte er dann den "SuperBioMarkt" als Vollsortimenter. Heute leitet Radau als Vorstandsvorsitzender die SuperBioMarkt AG, die an 19 Standorten in NRW und Niedersachsen (drei Filialen davon in Düsseldorf) mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigt. Der Handelsverband NRW wählte ihn jetzt zu seinem neuen Präsidenten. Bislang war er Vize-Präsident.

Im neuen Amt will der 52-Jährige vor allem stark am Image des Handels arbeiten: "Wir sind die drittgrößte Wirtschaftskraft des Landes und einer der wichtigsten Arbeitgeber", so Radau. Dies werde aber in der Öffentlichkeit viel zu selten wahrgenommen: "Das will ich ändern und die Bedeutung unserer Branche wieder ins richtige Licht rücken." Für den Handel sehe er eine "Riesen-Chance" darin, betonte Radau, sich wieder über die Qualität und nicht nur über den Preis zu positionieren. Auch der demografische Wandel werde dazu beitragen, dass wieder mehr Kunden darauf Wert legen.

Der bisherige Präsident Friedrich G. Conzen, der mehr als zwei Jahrzehnte an der Spitze des Verbands stand, bleibt weiterhin Vorsitzender des Rheinischen Einzelhandels- und Dienstleistungsverbandes und wurde überdies zum Ehrenpräsidenten des Handelsverbandes NRW gewählt. Es handele sich um einen "vorgezogenen Generationswechsel", sagte Hauptgeschäftsführer Peter Achten. Radau sprach seinem Vorgänger (der selbst bei dem Termin nicht anwesend war) großen Dank für seine Tätigkeit und seine Leistungen für den Verband aus: "Die Fußstapfen sind durchaus groß", sagte er.

Radau übernimmt das Amt zu einem Zeitpunkt, an dem der Handel mit vielen Umbrüchen zu kämpfen hat – insgesamt aber solide Zahlen präsentiert. In den ersten acht Monaten verzeichnete der Einzelhandel in Nordrhein-Westfalen ein Umsatzplus von 3,3 Prozent, preisbereinigt von 1,8 Prozent. Für das Gesamtjahr rechne man mit einer schwarzen Null, sagte Hauptgeschäftsführer Achten. Laut aktueller Konjunkturumfrage beurteilten 55 Prozent der Händler das erste Halbjahr als besser oder konstant gegenüber dem Vergleichshalbjahr 2012 – nur ein Drittel erwarte aber eine Verbesserung in der zweiten Jahreshälfte. Als Plus erweist sich für den Handel momentan die gute Beschäftigungslage: "Wenn die Menschen keine Angst um den Job haben, dann beflügelt das den Konsum", so Achten. Auf der Negativ-Seite stehen dagegen die steigenden Energiekosten durch die Gesetzes-Novelle – die Branche fordert hier weniger Ausnahmeregelungen für andere Branchen, um die Lasten gerechter zu verteilen.

Auch der ausufernde Verkauf von Neuwaren auf Trödelmärkten beschäftigt die Einzelhändler: "Wir wollen kein Spielverderber sein", betonte Radau. "Aber der Neuwarenverkauf hat extreme Dimensionen angenommen." Nicht selten liege er bei 50 Prozent – bei schlechtem Wetter, wenn die Nicht-Profis den Märkten fernbleiben, noch deutlich höher. Ein Dauer-Thema für den Handelsverband ist der steigende Anteil des Online-Handels an den Umsätzen. Inzwischen geben Radau zufolge etwa 30 Prozent der befragten Händler an, auch über einen eigenen Online-Shop zu verkaufen. "Dieser Anteil wird steigen – allerdings ist das auch nicht für jedes Unternehmen sinnvoll. Das muss sich jeder selbst fragen." Auch der neue Verbandspräsident hat sich der Frage übrigens schon gestellt und sie positiv beantwortet. Ab Mitte 2014 kann auch bei seinen Bio-Supermärkten übers Internet bestellt werden.

(RP)